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Die schrille Band Tourette kann harmlosen Rock in wahnwitzige rhythmische Erlebnisse verwandeln. Am Sonntag spielte die Zwei-Personen-Kapelle im Biesenthaler Kulturbahnhof.

Extremrock
Psychedelische Höhenflüge im Biesenthaler Kulti

Die Band fürs Extreme: Tonia Reeh hackt auf das arme Piano ein und Schlagzeuger Rudi Fischerlehner testet die Schmerzgrenze.
Die Band fürs Extreme: Tonia Reeh hackt auf das arme Piano ein und Schlagzeuger Rudi Fischerlehner testet die Schmerzgrenze. © Foto: Klaus Kleinmann
Klaus Kleinmann / 17.09.2019, 06:30 Uhr
Biesenthal (Freier Autor) Im Rahmen der Familien-Konzertreihe "Entgleisungen" spielte am Sonntag die Berliner Zwei-Mann-Band "La Tourette" im Biesenthaler Kulturbahnhof und machte dem eigenen Namen und dem der Konzertreihe alle Ehre. Tourette – das ist eine Nervenkrankheit, bei der der Patient kurzzeitig die Kontrolle über seine Handlungen verliert und schrilles Fehlverhalten zeigt, an das er sich danach nicht erinnern kann. "La Tourette" heißt aber auch ein Kloster in Frankreich, das im Stil des "Brutalismus" gebaut ist  – und dementsprechend aussieht. Auch die Band "La Tourette" ist extrem. Der Schlagzeuger Rudi Fischerlehner, technisch perfekt und rhythmisch-melodisch ausgesprochen vielseitig, rollt den roten Klangteppich aus, auf dem Tonia Reeh, Piano und Stimme dieser musikalischen Hexenküche, sich austoben kann.

Natürlich fängt alles ganz harmlos an. Saftiger, süffiger Rock ohne besondere Klippen und Kanten lullt das Publikum ein, das sich zunächst eher reserviert zeigt. Bald rutscht Tonia Reeh in einem plötzlichen Glissando mit der Stimme nach oben. Doch wie beim Tourette-Syndrom lächelt sie mild, als sei nichts gewesen. Das Publikum wippt allmählich kräftiger im Takt. Man spürt: "La Tourette" kann noch schräger und schriller. Schließlich ist es so weit. Mit Säuselstimme beginnt ein weichgespültes Stück, dann brüllt Tonia Reeh plötzlich los, dass die Fensterscheiben zittern. Sie hackt auf das Piano ein und Schlagzeuger Rudi Fischerlehner testet die Schmerzgrenze. Bald fällt die wilde Wut jedoch wieder in sich zusammen, aber wehe: Der nächste Anfall kommt bestimmt. Tonia Reeh teilt Luftballons aus, die vom Publikum aufgeblasen und mit den Händen durch den Saal befördert werden. Den Kindern macht das besonders Spaß. Alle bewegen sich rhythmisch im Takt, manche tanzen sogar. Dazu knallen platzende Luftballons hin und wieder wie Pistolenschüsse.

Gerne öfter hören

Der psychedelische Höhenflug ist fast perfekt, doch die Stücke sind  kurz und ihr Ende reißt einen zu früh aus der abgehobenen Stimmung. Und nicht jeder neue Ansatz gelingt gleich. Tonia Reeh sagt später, dass die nachmittägliche Helligkeit vielleicht Schwung ausgebremst habe. Aber egal: La Tourette ist ein Knaller, man sollte sie öfter hören.

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