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Der durch einen gezielten Schuss erlegte schwerverletzte Elch beschäftigt Eberswalde. Die Fachwelt reagiert unaufgeregt.

Aufregung
Erlegter Elch soll präpariert werden

Zwei Jahre alt, männlich, tot: Dieser Elch ist in Eberswalde Stadtgespräch, seit er wegen seiner schweren Verletzungen erlegt werden musste. Das Tier war am 4. August erstmals im Stadtwald gesichtet worden.
Zwei Jahre alt, männlich, tot: Dieser Elch ist in Eberswalde Stadtgespräch, seit er wegen seiner schweren Verletzungen erlegt werden musste. Das Tier war am 4. August erstmals im Stadtwald gesichtet worden. © Foto: Frank Michler
Sven Klamann / 17.09.2019, 15:41 Uhr - Aktualisiert 17.09.2019, 20:24
Eberswalde (MOZ) Es ist schade, dass der erste Elch, der sich seit 200 Jahren längere Zeit im Stadtwald von Eberswalde aufgehalten hat, ein so trauriges Ende finden musste", sagt Frank Michler, der im Fachbereich Wald und Umwelt der Hochschule für nachhaltige Entwicklung als Dozent für Wildbiologie und Wildtiermanagement tätig ist.

Es sei dennoch die einzig mögliche Entscheidung gewesen, den Elchbullen zu erlösen, der offensichtlich an einem gebrochenen Hinterlauf und, wie sich beim Beschau des getöteten Tieres gezeigt habe, an mehreren Rippenbrüchen sowie an einem Milzriss leiden musste, urteilt der Experte, der eigentlich nach Nordend gerufen worden war, um die Möglichkeiten abzuklären, den Elch zu narkotisieren. Die von Anwohnern alarmierte Polizei, das Kreisveterinäramt, die Stadtforst und der Wildtierarzt Andreas Valentin hätten mustergültig zusammengewirkt.

Der Dozent setzt jetzt darauf, dass der erlegte Elch präpariert und in die wissenschaftliche Lehrsammlung der Hochschule aufgenommen werden kann. "Das wäre für unsere Studierenden ein wichtiges Anschauungsobjekt", sagt Frank Michler. Und hofft auf Sponsoren, die sich beim Fachbereich Wald und Umwelt melden.

Sichtung seit dem 4. August

Nach Auskunft des Wildbiologen ist der Elchbulle seit 4. August immer wieder einmal im Stadtwald gesichtet worden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Tier seine Verletzungen durch einen Zusammenstoß mit einem Zug zugezogen habe, sei groß.

"Das war ein schönes Tier. Und in der Nähe von Melchow habe ich ihn auch schon gesehen", kommentiert Jens Lehmann auf moz.de die Nachricht, dass ein Elchbulle in Nordend erschossen wurde. Auch auf Facebook ist der Vorfall vom vorigen Mittwoch, der erst am Montag bekannt wurde, ein Aufreger.

Die überwiegende Zahl der Kommentatoren in den sozialen Netzwerken zeigt für die Entscheidung, das Tier zu erlösen, vollstes Verständnis. "Besser so, als wenn er noch weiter gelitten hätte", schreibt zum Beispiel Judith Rabener. Und Christian Henschel findet: "Alles richtig gemacht. Freue mich aber schon, mal ein Exemplar in freier Wildnis unverletzt zu sehen."

Die Aussicht darauf sei weit größer als zum Beispiel bei Wölfen, betont Eberswaldes Stadtförster Mattes Krüger. Denn Elche würden Menschen ohne Scheu begegnen. "Was das verletzte Tier am Ende in die Stadt gezogen hat, kann ich mir auch nicht erklären", sagt er. Dass überhaupt in zunehmendem Maße Elche westlich der Oder auftauchen, habe Gründe, die in Polen zu suchen seien, sagt Mattes Krüger. Dort wachse die Population, seit 2001 ein Memorandum in Kraft getreten sei, das den Abschuss von Elchen ganzjährig verbiete, betont Mattes Krüger.

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Verweis auf Online-Formular

Im Landeskompetenzzentrum Forst betreut Kornelia Dóbiás, Leiterin der Forschungsstelle für Wildbiologie und Jagdwirtschaft, das Elch-Monitoring in Brandenburg. "Seit 2013 gibt es in unserem Bundesland einen Elch-Management-Plan. Seither sind mir 95 Sichtungen gemeldet worden", sagt sie. Das bedeute aber nicht, dass tatsächlich so viele Elche unterwegs gewesen seien. Die Sichtungshäufigkeit nehme von Nord nach Süd zu und von Ost nach West ab. Die Fachfrau verweist auf das online abrufbare Beobachtungsformular, das auf forst.brandenburg.de heruntergeladen werden könne. "Es wäre für mich hilfreich, wenn es häufiger ausgefüllt würde", sagt sie.

Die Elche in Brandenburg seien bislang alle nur auf der Durchreise gewesen. Noch habe sich hier keine Population angesidelt, berichtet Kornelia Dóbiás.

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