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Radsport
Marathonspezialist setzt sich durch

Kerstin Bechly / 18.09.2019, 02:15 Uhr - Aktualisiert 18.09.2019, 08:58
Groß Lindow (MOZ) Schon vor zwei Jahren hatte Gerald Schulz den Sieg beim Old Men Race über 30 Kilometer in Groß Lindow eingefahren. Diesmal war er extra nach persönlicher Einladung des unermüdlichen Organisators Wilfried Schulz angereist, um am Jubiläumsrennen teilzunehmen. Dabei mag der einstige Fahrer für Dynamo Frankfurt, der wegen der politischen Wende nicht mehr nach Berlin wechseln konnte, lieber die langen Kanten. "Ab 100 Kilometer werde ich warm", sagt der 49-Jährige, der zuletzt in Erfurt, Ansbach und im Vogtland Radmarathons gewann.

30 Sekunden Vorsprung

Radsportler der Ü 40 bis Ü 80 hatten nach vier Erwärmungsrunden das Sechs-Runden-Rennen in Angriff genommen. Die drei ältesten Altersklassen waren zuerst gestartet, die nachfolgenden Altersklassen im Minuten-Abstand. Schon nach zwei Runden hatte Schulz unter anderem mit Ü-40/50-Fahrern wie Karsten Klugmann, Ekkehard Ramm und Michael Prix auf die erste Gruppe aufgeschlossen. Kurz vor der letzten Runde fuhr Schulz schon zehn Meter vorneweg. "Keiner wollte führen. Da ich kein Sprinter bin, bin ich los. Niemand kam hinterher." Und so kam er nach 45:23 Minuten als Erster ins Ziel.

Der Zweite Robert Maciag, einer von fünf polnischen Fahrern, wurde eine halbe Minute später kaum wahrgenommen, weil er mit mehreren überrundeten Fahrern einfuhr. Eine Minute nach dem Sieger folgte eine größere Gruppen, aus der heraus Falk Boden den Zielsprint gewann.

Die 56 Teilnehmer des "Events für Hobbyradler, Radsportbegeisterte und ewig jung gebliebene Champions", wie es heißt, bedeuten einen Rekord – der praktisch bei 60 liegen könnte. Doch einige Fahrer, die nur die Warm-up-Runden gefahren sind, hatten zum leichten Ärgernis des Organisators das Startgeld nicht bezahlt, das anfiel, egal, ob man die Erwärmung, das Rennen oder beides mitmacht. Schulz selbst verzichtete auf das Wertungsrennen. Nach einem Sturz vor mehreren Wochen war er noch nicht ganz fit. Aber er kann nun wie der Eisenhüttenstädter Bernd Fischer auf 40 Teilnahmen verweisen.

Der Endsiebziger Schulz war nicht der älteste Teilnehmer: In diesem Jahr gerade 80 Jahre alt geworden, ließ sich auch Gerhard Rozanowske die erneute Teilnahme nicht nehmen. Der ehemalige Frankfurter, der bei seinen Kindern im bayrischen Waldsassen lebt, hatte das Rennen 1989 und 2012 gewonnen. Auf die Veranstaltung freute er sich auch aus diesem Grund: "Ich sehe hier meine ehemaligen Schüler wieder, die ich zu DDR-Spartakiaden geführt habe", erzählt der ehemalige Leiter des Dynamo-Trainingszentrums. Nach dem Rennen mit Durchschnittstempo 35 "fühle ich mich genauso wohl wie vorher", betont Rozanowske, der im Jahr noch 16 000 Kilometer radelt.

Die Zufriedenheit über das immer noch lebendige Rennen war Erhard Scholz ins Gesicht geschrieben, dem Initiator des Old Men Race – und Sieger 1986. Der radsportbegeisterte Unfallchirurg und Kreissportarzt hatte immer wieder  mit übertrainierten ehemaligen Leistungssportlern zu tun. "Für sie wollte ich ein Trainingsrennen organisieren." Das erste 1980 hatte noch in seinem Wohnort Briesen als "Altherren-Rennen" stattgefunden. Dann erfolgte der Umzug nach Groß Lindow, wenig später die Umbenennung und eine immer größer werdende Resonanz.

Zwei Budden Farbe verbraucht

Über die Jahrzehnte sind immer wieder ambitionierte und international erfolgreiche Radsportler hinzugekommen. So dass einem, was das Interesse anbetrifft, nicht bange  um das Fortbestehen sein muss. Die dringend notwendige Sanierung der 1976 errichteten Trainingsstrecke ist in hoffnungsvolle Nähe gerückt. Der Frankfurter Radsportclub will 2020 mit Hilfe einer Förderung durch den Landessportbund die dringend notwendige Sanierung der Trainingsstrecke angehen. "Ich habe zwei Budden Farbe verbraucht, um alle gefährlichen Stellen zu markieren", weist Schulz auf die vielen Verwerfungen und Wurzelaufbrüche auf der Strecke hin.

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