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Ausbildung
Offene Stellen verdreifacht: Brandenburger Unternehmen und Azubis finden nicht zueinander

Anja Karliczek (CDU), Bundesbildungsministerin
Anja Karliczek (CDU), Bundesbildungsministerin © Foto: dpa/Christoph Soeder
Mathias Puddig / 18.09.2019, 05:00 Uhr
Berlin (NBR) Brandenburger Unternehmen haben immer größere Mühe, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen.

Zwischen 2009 und 2018 hat sich die Zahl der offenen Stellen mehr als verdreifacht, wie aus dem "Ländermonitor Berufliche Bildung” hervorgeht, den die Bertelsmann-Stiftung am Mittwoch veröffentlicht hat. 1866 Stellen konnten im vergangenen Jahr nicht besetzt werden. Das sind knapp 15 Prozent. Zugleich konnten fast 2000 Bewerber nicht vermittelt werden.

Die Ursachen für dieses Passungsproblem sind vielfältig. Mehr als die Hälfte der Stellen blieb unbesetzt, weil die Berufswünsche der Bewerber nicht zu den angebotenen Stellen passen. Vor allem im Ernährungshandwerk, in Hotel- und Gaststättenberufen sowie im Bau- und Bau-Nebengewerbe herrscht Bewerbermangel. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) nahm die Betriebe deshalb in die Pflicht, Jugendlichen gute Bedingungen zu schaffen. "In dieser Wahlperiode steht für mich die berufliche Ausbildung mit vielen Maßnahmen im Mittelpunkt. Tarifpartner und Betriebe müssen aber auch noch mehr mit attraktiven Angeboten und Ideen auf die Entwicklung in den jeweiligen Regionen eingehen", sagte Karliczek dieser Zeitung. "Möglichst alle ausbildungsbereiten Betriebe sollen Auszubildende finden und möglichst alle ausbildungswilligen jungen Leute einen Ausbildungsplatz", ergänzte Karliczek.

Sie glaubt nicht, dass das an der Höhe der Ausbildungsvergütung liegt. "Sie ist selten entscheidend bei der Wahl eines Ausbildungsberufs", so die Bildungsministerin. "Aufstiegsmöglichkeiten, Arbeitszeiten, Arbeitsbedingungen und Ansehen sind ebenfalls wichtig. Daher sind vor allem die betroffenen Branchen und Betriebe gefragt, den jungen Leuten attraktive Angebote zu machen."

Die Bertelsmann-Stiftung schlägt hingegen eine Ausbildungsgarantie vor. "Wir müssen die Integrationskraft des Ausbildungssystems stärken”, sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. Ausbildungsplätze sollen für den Fall vorgehalten werden, dass Bewerber leer ausgehen. Diese Maßnahme solle öffentlich finanziert werden und sich an den Fachkräftebedarfen der Region orientieren. Karliczek hält davon hingegen nichts. "Die gemeinschaftliche Verantwortung von Wirtschaft und Staat für eine gute Ausbildung heute ist eine Stärke Deutschlands und darf nicht zur Disposition gestellt werden", sagte sie.

Einig sind sich beide dennoch in einem positiven Befund: Im Vergleich zu den Vorjahren werden bundesweit, aber auch in Brandenburg mehr Ausbildungsplätze angeboten. "Das deutsche Ausbildungssystem ist ein Zugpferd für die wirtschaftliche Entwicklung”, so Dräger. Auch Karliczek betont: "Für junge Menschen sind aktuell die Chancen sehr gut, in ihrem Wunschberuf ausgebildet zu werden.” Das zeigen auch die Zahlen für Brandenburg: So kamen im vergangenen Jahr auf 100 Bewerber 99,3 angebotene Stellen. Das Verhältnis ist damit fast ausgeglichen - allerdings gibt es große regionale Unterschiede: Während es in Potsdam (104,2) und Neuruppin (103) deutlich mehr Angebote als Bewerber gibt, ist in Eberswalde das Verhältnis deutlich schlechter: Dort kommen auf 100 Bewerber nur 85,9 Stellenangebote.

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