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Aufbewahrt
Sigmund Jähns Uhr – Vom All bis nach Britz

Marco Marschall / 29.09.2019, 06:30 Uhr - Aktualisiert 30.09.2019, 19:09
Britz (MOZ) Es gibt zu viele Spinner“, sagt Wolfgang Max (72) aus Britz und meint damit all diejenigen, die mit nur vermeintlich echten historischen Gegenständen prahlen und sie zu horrenden Preisen im Internet verhökern. Er sagt das, weil er selbst versichern will, dass seine Sachen Originale sind. Wolfgang Max hat Beweise. Es sind Fotos, die den Moment der Übergabe oder des Signierens auf einem Sammlerstück dokumentieren.

Ein Foto zeigt, wie der vor einer Woche mit 82 Jahren verstorbene Generalmajor und Kosmonaut Sigmund Jähn auf dem Fliegerhelm unterschreibt, der bei Max in der Vitrine liegt. Auch der Moment als Jähn ihm seine Armbanduhr vermacht, wurde aufs Bild gebannt. Es handelt sich, so wird Wolfgang Max seitens des Kosmonauten handschriftlich versichert, um die Uhr, die Sigmund Jähn auch im „Weltraum nicht vergessen und verlassen hat“, schreibt dieser. Auf einem Foto ist die Uhr, die nun hinter Glas im Hobbyraum des Britzer Sammlers hängt, deutlich am Handgelenk des DDR-Weltraumpioniers zu sehen. Neben ihm sitzt Waleri Bykowski, der Kommandant des sowjetischen Missionsfluges Sojus 31 am 26. August 1978 zur Raumstation Saljut 6, mit dem Jähn als erster Deutscher im All in die Geschichte einging.

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Das Vermächtnis von Sigmund Jähn

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Gegenseitige Wertschätzung

Mit dabei hatte der Forschungskosmonaut wohl nicht nur eine, sondern mehrere Uhren. Dabei handelte es sich auch um extra für den Flug gefertigte Sondermodelle des VEB Uhrenwerk Ruhla. Sie sollten oben für Fotos repräsentativ getragen werden. Im vergangenen Jahr hatte der Berliner Kurier darüber berichtet, als eines der Modelle mit silberfarbenem Metallarmband unerwartet im Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt in Berlin Adlershof auftauchte. Wolfgang Max hat den Zeitungsartikel aufbewahrt. Darin beschreibt Jähn, dass drei der Uhren, die er mitnahm, als Geschenk an sowjetische Kollegen gedacht waren. Eine trägt auch Jähn für ein einziges Foto. Sonst habe er immer die eigene Uhr getragen. Diese hängt nun bei Wolfgang Max eingerahmt an der Wand und  gehört nicht zur Serie aus Ruhla, sondern aus Glashütte. Sie ist ein Sondermodell anlässlich 20 Jahren NVA – eine Spezimatic, die sich durch Bewegung des Handgelenks aufzieht. Und sie funktioniert. Der Sammler aus Britz bewegt den Rahmen samt Uhr und der Sekundenzeiger beginnt zu ticken.

Wie der Barnimer, der Tausende Exponate aus der DDR-Militärgeschichte in seinen Räumen verwahrt, an Jähns Weltraumuhr gekommen ist, ist schnell erzählt. „Wir waren bei ihm in Strausberg. Da hat er sie mir gegeben“, berichtet Max. Beide Männer kannten sich gut, hatten zusammen gedient und sind bei ihrer früheren Tätigkeit später auch privat begegnet. Das geht aus mehreren Fotos hervor. „Für Wolfgang Max, einen Bewahrer der Geschichte unserer Streitkräfte mit Verbundenheit und Anerkennung“ steht über einem der zahlreichen Autogramme, die Sigmund Jähn ihm gegeben hat. Jähns Wertschätzung für den akribischen Mann aus Britz, der von der eigenen Vergangenheit nichts erzählen will, war offenbar groß. Wolfgang Max ist nicht nur Sammler, sondern Mitverfasser eines Buches über Blankwaffen und Ehrendolche, wie es sie als Anerkennung auch für die Kosmonauten gab.

Die Nachricht von Sigmund Jähns Tod hat seinen vielleicht größten Fan erschüttert. „Er ist jedes Jahr noch im Straussee baden gegangen“, berichtet Wolfgang Max. Zuletzt sind sich die beiden im Juli bei einer Veranstaltung anlässlich des zehnjährigen Todestages von Rolf Berger begegnet, dem letzten Kommando-Chef der NVA-Luftverteidigung. Über Ort und Datum der Beisetzung Sigmund Jähns ist bislang noch nichts bekanntgegeben worden.

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