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Galopprennbahn
Jockeys sind Freunde auch nach 70 Jahren

Jens Sorge / 02.10.2019, 06:45 Uhr - Aktualisiert 02.10.2019, 10:38
Hoppegarten Man kann schon fast von mystischer Anziehungskraft sprechen. Der um 12 Uhr beginnende Renntag am 3. Oktober hebt sich nicht nur bezüglich des sportlichen Geschehens von anderen ab. Es sind vor allem die herzlichen Begegnungen zwischen Menschen aus allen Teilen Deutschlands, die durch die Wiedervereinigung zueinander gefunden haben.

Da ist auch Wolfgang Kotlarski, Jahrgang 1930, kein Weg zu weit, wenn es heißt: Auf nach Hoppegarten, wo für den gebürtigen Berliner einst die berufliche Laufbahn im Galopprennsport begonnen hat. "Mein Vater freut sich schon lange auf diesen Termin," gibt Ralf Kotlarski zu verstehen und fügt hinzu: "Die Bahnfahrt und sein Lieblingshotel in Neuenhagen musste ich rechtzeitig für ihn buchen."

Schlüsselerlebnis 1949

Man schrieb das Jahr 1949. Renntag in Hoppegarten. An jenem 16. Juni begann die überaus erfolgreiche Laufbahn von Egon Czaplewski. Der 18-Jährige gewann ein Lehrlingsreiten, wie es im Programm hieß, auf dem von Friedrich-Wilhelm Michaels trainierten Panther. 51 Kilogramm trug der sechsjährige Wallach. Zweiter wurde die vom Fleck weg führende 14:10-Favoritin Gäa, auf ihrem Rücken Wolfgang Kotlarski, 52,5 kg.

Es war zwar ein sportlich unbedeutendes Rennen, aber ein Schlüsselerlebnis für zwei Männer. Die Protagonisten von damals blieben bis heute dem Rennsport eng verbunden. Und ihre Freundschaft überdauerte die sieben Jahrzehnte seit jenem Juni-Tag 1949.

Für Wolfgang Kotlarski sind die kommenden Tage am Rande Berlins in drei Schwerpunkte eingeteilt. "Zum einen der Renntag, dann der Besuch bei Egon Czaplewski und ein Rundgang auf dem Waldfriedhof Neuenhagen, wo ehemalige Weggefährten ruhen." Dort liegt auch sein Lehrmeister Pan Horalek. "Bei ihm habe ich vom 1. Juli 1946 bis 30. Juni 1950 viel gelernt."

Für Kotlarski blieben die Pferde wichtige Partner. An dem für ihn besonders denkwürdigen 17. Juni 1953 wechselte er von Berlin nach Dortmund. Seine Domäne war der Hindernissport. Nach einem schweren Sturz in Neuss (dreifacher Beinbruch) übernahm er in Köln vom Schwiegervater die Gaststätte. Als Mitbesitzer von mehreren Pferden blieb Kotlarski lange aktiv. "Viel Freude hatten wir vor allem an Piaggio. Weil er so gut war, haben wir unseren Rennstall nach ihm benannt."

Kotlarski ist eng befreundet mit Werner Gerhold, dem Sprecher des Stalles Mulligan und Besitzer von Itobo. Itobo will nach seinem dritten Platz vom vergangenen Jahr im 29. Preis der Deutschen Einheit wieder kräftig mitmischen. Natürlich drückt Stall- Mulligan-Ehrengast Kotlarski dem Fuchswallach die Daumen.

Als der Ex-Jockey einst aus wirtschaftlichen Gründen seine Gaststätte schloss, lautete seine Devise: "Eine Kneipe kann man aufgeben, den Galopprennsport aber nie."

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