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Person festgenommen
Amoklauf vor Synagoge in Halle: Polizei meldet zwei Tote

dpa / 09.10.2019, 13:15 Uhr - Aktualisiert 09.10.2019, 20:57
Halle/Saale (dpa) Die jüdische Gemeinde in Halle entgeht nur knapp einer Katastrophe. Ein Attentäter will das Gotteshaus stürmen, scheitert aber. Dann erschießt er zwei Menschen vor der Synagoge und in einem Döner-Laden. Es soll ein 27-jähriger Deutscher sein. Es sind Stunden der Angst.

Bundeskriminalamt übernimmt Ermittlungen

Der Generalbundesanwalt hat das Bundeskriminalamt (BKA) beauftragt, die Ermittlungen in Halle zu übernehmen. "Aktuell befinden sich Vorauskommandos des polizeilichen Staatsschutzes aus Berlin und Meckenheim auf dem Weg nach Halle", schrieb das BKA am Mittwochabend im Kurznachrichtendienst Twitter.

Rechtsextremist wollte Massaker in Synagoge anrichten

Ein schwerbewaffneter Täter hat versucht, in einer Synagoge in Halle/Saale ein Blutbad unter rund 80 Gläubigen anzurichten. Die jüdische Gemeinde entging an ihrem höchsten Feiertag Jom Kippur nur knapp einer Katastrophe. Der mutmaßliche Rechtsextremist Stephan B. aus Sachsen-Anhalt wollte nach Angaben aus Sicherheitskreisen am Mittwochmittag die Synagoge mit Waffengewalt stürmen, scheiterte jedoch. Danach soll der 27-jährige Deutsche vor der Synagoge und in einem nahen Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen und mindestens zwei weitere verletzt haben. Er floh vom Tatort und wurde am Nachmittag festgenommen.

Halle-Saale

Uniklinik Halle: Zwei Schwerstverletzte außer Lebensgefahr

Für die beiden Verletzten, die nach den Schüssen in Halle im Universitätsklinikum operiert worden sind, besteht derzeit keine akute Lebensgefahr. Das teilte Sprecher Jens Müller am Mittwochabend mit. Die Frau und der Mann hatten den Angaben nach schwerste Schussverletzungen. Die Operationen seien erfolgreich verlaufen. Nähere Angaben zur Identität und Nationalität der Patienten machte das Universitätsklinikum nicht.

Alles deutet auf Einzeltäter hin

Nach den tödlichen Schüssen in Halle/Saale deutet nach Informationen aus Sicherheitskreisen alles auf einen Einzeltäter hin. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Mittwochabend. Demnach soll es sich den Angaben zufolge um den gefassten Mann handeln, über dessen Festnahme die Polizei bereits am Nachmittag informiert hatte. Zunächst waren die Ermittler von mehreren Angreifern ausgegangen.

Täter in Halle legte Sprengsätze vor Synagoge

Bei dem Angriff in Halle/Saale legte ein Täter auch selbstgebastelte Sprengsätze vor der Synagoge ab. Der Täter habe versucht, in die Synagoge einzudringen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch aus Sicherheitskreisen. Es seien dabei mehrere Schüsse gefallen.

Medienberichte, wonach damit das Schloss der Synagoge aufgeschossen werden sollte, blieben zunächst unbestätigt. Am Mittwochmittag waren zwei Menschen erschossen worden. Ein weibliches Opfer sei vor dem jüdischen Gotteshaus von den tödlichen Schüssen getroffen worden, erfuhr die dpa weiter. Ob sie ein Zufallsopfer sei, sei unklar. Außerdem habe es einen männlichen Toten im oder an einem Döner-Imbiss gegeben.

Nach den tödlichen Schüssen wurde ein Verdächtiger festgenommen. Weitere Täter sollten auf der Flucht sein.

Brandenburger Polizei verstärkt Präsenz vor jüdischen Einrichtungen

Nach den tödlichen Schüssen in Halle hat die Polizei in Brandenburg ihre Präsenz vor jüdischen Einrichtungen verstärkt. Polizeikräfte seien im Einsatz, sagte Mario Heinemann, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Brandenburg, am Mittwoch auf Anfrage. Polizisten und Bereitschaftspolizisten würden dafür Sorge tragen, dass die Menschen friedlich und angemessen Jom Kippur, den höchsten Festtag im Judentum, begehen könnten. 

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Bundespolizei landet mit Hubschrauber nach Schüssen in Landsberg

Nach den tödlichen Schüssen in Halle steht das etwa 15 Kilometer entfernte Landsberg (Saalekreis) offensichtlich im Fokus der Polizei. Die Zufahrt zu dem Ortsteil Wiedersdorf war am Mittwoch abgesperrt. Zuvor waren auch in der Ortschaft Schüsse gefallen, wie eine Sprecherin der Polizei Halle der dpa bestätigte. Zu den näheren Umständen des Vorfalls in dem Ort östlich von Halle wollte sie zunächst nichts sagen.

Mehrere Mannschaftswagen der Polizei, darunter auch Fahrzeuge aus Sachsen, waren vor Ort. Auch zwei Krankenwagen waren zu sehen. Am Mittwochnachmittag gegen 16.00 Uhr landetet auf einem Feld bei Wiedersdorf nach Angaben eines dpa-Reporters zudem ein Hubschrauber der Bundespolizei. Angaben zu den Hintergründen machte die Polizei nicht. Sie verwies auf die Zuständigkeit der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, die die Ermittlungen übernommen hat.

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Halle nach Schüssen: Eine Stadt im Ausnahmezustand

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Sächsische Polizei holt Anti-Terror-Einheit

Wie BILD.de aus Sicherheitskreisen in Leipzig erfuhr, zieht die sächsische Polizei ihre Anti-Terror-Einheiten „lebEl“ (Lebensbedrohliche Einsatzlagen) aus Chemnitz, Dresden, Görlitz und Zwickau in Leipzig zusammen.

SPD-Spitzenpolitiker entsetzt nach tödlichen Schüssen

SPD-Interimschefin Malu Dreyer hat sich bestürzt über die Ereignisse in Halle/Saale geäußert. Ihre Gedanken seien bei den Opfern und ihren Angehörigen, sagte sie am Mittwoch. „Vieles deutet darauf hin, dass sich die brutale Gewalt gegen jüdisches Leben richtete. Das werden wir in Deutschland niemals dulden.“ Sie hoffe, der Polizei gelinge es, die Täter schnellstmöglich dingfest zu machen und für Sicherheit zu sorgen.

Andere SPD-Spitzenpolitiker reagierten ähnlich. Bundesaußenminister Heiko Maas schrieb bei Twitter: „Dass am Versöhnungsfest #YomKippur auf eine Synagoge geschossen wird, trifft uns ins Herz. Wir alle müssen gegen den Antisemitismus in unserem Land vorgehen.“ Die Bewerberin für den SPD-Parteivorsitz, Hilde Mattheis, twitterte: „Ein trauriger Tag. Die Nachrichten aus Halle über die antisemitische Gewalt sind erschütternd.“ Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann (SPD) schrieb ebenfalls bei Twitter: „Wer es bisher nicht glauben mochte, weiß jetzt: Antisemitismus in DEU ist in antisemitischen Terror umgeschlagen. Das ist entsetzlich.“

Die Berliner Staatssekretärin und frühere Sprecherin des Auswärtigen Amts, Sawsan Chebli (SPD), rief dazu auf, ein Zeichen zu setzen. „Lasst uns gemeinsam einen Schutzschirm gegen Antisemitismus bilden“, twitterte sie. „Ich stelle mich daher heute ab 20 Uhr vor die Synagoge in der Oranienburger Straße. Kommt vorbei und zeigt Haltung!“

Weitere Schüsse in Landsberg

Auch in Landsberg, rund 15 Kilometer von Halle entfernt, gab es Schüsse, bestätigte eine Polizeisprecherin in Halle. Zu den näheren Umständen des Vorfalls in dem Ort wollte sie zunächst nichts sagen. Die Hintergründe waren zunächst völlig unklar. Die Polizei warnte vor Spekulationen.

Nach den tödlichen Schüssen übernahm die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen. Das teilte die Behörde am Mittwoch in Karlsruhe auf Anfrage mit. Zuerst hatte "Spiegel online" berichtet.

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Am Nachmittag veröffentlichten Medien Bilder des angeblichen Täters. Die in Halle erscheinende "Mitteldeutsche Zeitung" zeigte ein Foto, auf dem ein dunkel gekleideter Mann mit Helm und Stiefeln zu sehen ist, der ein Gewehr im Anschlag hat. Der Mitteldeutsche Rundfunk zeigte ein Video, auf dem womöglich derselbe Mann aus einem Auto aussteigt und mehrfach seine Waffe abfeuert.

 Bei Schüssen in Halle/Saale sind nach ersten Erkenntnissen zwei Menschen getötet worden.
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Zwei Menschen in Halle erschossen

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Nach den Schüssen in Halle gaben die Behörden auch eine Warnmeldung für Landsberg heraus. Gewarnt wurde vor Schusswaffengebrauch. Menschen sollen Gebäude und Wohnungen nicht verlassen, hieß es in der offiziellen Information.

Am frühen Nachmittag meldete die Polizei die Festnahme einer Person. "Bleiben Sie trotzdem weiterhin wachsam", twitterte die Polizei und rief die Bevölkerung auf, in ihren Wohnungen oder an ihrem Arbeitsplatz bleiben.

Die Leipziger Polizei verstärkte ihre Kräfte vor der Synagoge. Einer dpa-Reporterin zufolge stehen etwa fünf Polizisten vor dem Gebäude in der Innenstadt, davon sind mit Maschinenpistolen bewaffnet. Weitere Maßnahmen seien bislang noch nicht getroffen worden, so ein Sprecher. Man wolle das weitere Geschehen abwarten und dann entscheiden. Das für Mittwochabend vorgesehene Lichterfest anlässlich des 30. Jahrestages der friedlichen Revolution in Leipzig finde wie geplant statt. Auch vor der Synagoge in Dresden wurde nach Angaben der Polizei der Polizeischutz erhöht.

Augenzeugen berichten von Explosion auf einem Friedhof

Augenzeugen in Halle berichteten von einem Täter, der einen Kampfanzug und eine Maschinenpistole getragen haben soll. Demnach soll es auch eine Explosion auf einem Friedhof gegeben haben. Unbestätigten Medienberichten zufolge soll sich der Vorfall in der Nähe einer Synagoge zugetragen haben. Die Gegend im Paulusviertel in Halle wurde großräumig abgesperrt.

Auch der Bahnhof von Halle wurde wegen polizeilicher Ermittlungen gesperrt. Das teilte das Unternehmen über Twitter mit. Es komme zu Verspätungen.

Augenzeugen in Halle berichteten von einem Täter, der einen Kampfanzug und eine Maschinenpistole getragen haben soll. Demnach soll es auch eine Explosion auf einem Friedhof gegeben haben. Unbestätigten Medienberichten zufolge soll sich der Vorfall in der Nähe einer Synagoge zugetragen haben. Die Gegend im Paulusviertel in Halle wurde großräumig abgesperrt.

Auch der Bahnhof von Halle wurde wegen polizeilicher Ermittlungen gesperrt. Das teilte das Unternehmen über Twitter mit. Es komme zu Verspätungen.

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Paul Müller 09.10.2019 - 19:41:25

Mann Mann, überall brennen den Durchgeknallten die Sicherungen durch ...

... Weimarer Verhältnisse brauen sich da zusammen ...

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