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Landwirtschaft
Landwirte im Kreis Oder-Spree kritisieren Politik

Monika Rassek / 09.10.2019, 22:15 Uhr - Aktualisiert 10.10.2019, 09:03
Beeskow (MOZ) Landwirte kommen in der öffentlichen Wahrnehmung nicht gut weg, stellte ein Teilnehmer im Rahmen des Arbeitsbesuchs von Landrat Rolf Lindemann und der Beigeordneten für Ländliche Entwicklung, Gundula Teltewskaja gemeinsam mit dem Kreisbauernverband "Oder-Spree" am Dienstag in mehreren Landwirtschaftsbetrieben fest.

Begriffe wie Überdüngung, Glyphosat, Nitrat, Zerstörung der Artenvielfalt und auch die immense Produktion von Treibhausgasen  durch die Massentierhaltung haben sich in den Köpfen der Verbraucher festgesetzt. Kaum bekannt hingegen ist das Dilemma, in dem Landwirte stecken. "Mir fällt es immer schwerer, die Hoffnung aufrecht zu halten", sagt Hannes Mesecke, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Tauche. Seit 2005 arbeitet er Vollzeit im Betrieb, der den  Milchkuhbestand von 120 auf  350 Tiere erweitern konnte.

Zu viel Bürokratie

"Das Problem im Betrieb liegt bei uns nicht im Klimawandel begründet, sondern in der Bürokratie", stellt Mesecke klar. Statt draußen zu sein, müsse er im Büro über Fördermittelanträgen brüten oder sich mit Kontrolleuren über Strichcodes auf Ohrmarken auseinandersetzen. "Vor zwei Jahren habe ich zum ersten Mal darüber nachgedacht, ob ich den Beruf wechsle", gesteht der Landwirt. Und: "Ich habe auch kein Problem, den Betrieb auf Bio umzustellen, wenn ich wüsste, dass das eine Zukunft hat." Doch seitens der Politik komme nur Wischiwaschi.

Dennoch hat die Taucher Genossenschaft investiert, in den Stall, einen Güllepott, eine Beregnungsanlage und drei Solaranlagen. "Doch der Milchpreis ist im Keller, für einen Liter bekommen wir aktuell 30 Cent. Um den Betrieb nachhaltig weiter führen zu können, müssten wir für einen Liter etwa 40 Cent bekommen." Als Arbeitgeber sichert die Genossenschaft das Einkommen von 15 Familien und bildet vier Lehrlinge aus. "Aber in zwei Jahren werden wir entscheiden müssen, ob es bei den Kühen bleibt."

In Bezug auf die Regionalität könne der Verbraucher beim Einkauf selbst entscheiden, welche Form der Landwirtschaft er künftig will. Manchmal sei das Verhalten für ihn nicht nachvollziehbar: "Gekauft wird ein teurer Webergrill, dazu noch ein Kurs, aber auf die Roste kommt ein Steak für 2,50 Euro."

Rolf Lindemann sichert Unterstützung zu, fordert aber auch die Landwirte auf, aktiv zu werden: "Die Bauern sind im Kreistag vertreten. Genau da müssen sie die Politiker mit ihren Problemen quälen, bis sie verstanden werden. Ohne Verbandspolitik kommen die Schwierigkeiten in Potsdam nicht an."

Auch Thomas Kläber, Geschäftsführer Bereich Pflanzenproduktion bei der Agrargenossenschaft Ranzig mit mehr als 90 Angestellten, betrachtet die Witterung als eines von vielen Problemen. "Allein 180 000 Euro mussten wegen der Düngeverordnung in neue Gülletechnik investiert werden", sagt Kläber. Ansonsten investiere der Betrieb in moderne Technik, aber auch in Experimente. "Derzeit testen wir ein Begrünungssystem für den Schweinestall, um die Luft zu verbessern."

Erzeugerpreise statt Förderung

Darüber hinaus sagt Thomas Kläber, dass das Gespür für die Betriebe seitens der Bevölkerung zwar besser geworden ist, aber dennoch die billigen Produkte, die weit unter dem Erzeugerpreis angeboten werden, gekauft werden: "Wir wollen keine Förderung, sondern Erzeugerpreise." Wenn regionale Produkte gewünscht sind, muss auch der Preis dafür bezahlt werden.

Der Bürger kauft seine Lebensmittel aber dort, wo sie am günstigsten sind. "Deshalb muss die Veräppelung der Verbraucher aufhören", so Kläber. Für die Billigrindfleischimporte werde nebenbei das Amazonasbecken  abgeholzt.

Lindemann stärkt den Bauern den Rücken: "Der Landwirt muss mit einem anderen Selbstbewusstsein in dieser Gesellschaft auftreten. Denn die Landwirtschaft ist hier der größte Kulturträger neben der Feuerwehr."

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