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In Schwedt lernen Studenten die Geheimnisse des Projektmanagements kennen, um anschließend mit LEIPA-Mitarbeitern zu tüfteln.

Innovationscampus
In Schwedt wird’s studentisch

Vortrag. Der Stralsunder Professor Steven Duehring führt die deutschen und polnischen Studenten in die Kniffe eines erfolgreichen Projektmanagements ein.
Vortrag. Der Stralsunder Professor Steven Duehring führt die deutschen und polnischen Studenten in die Kniffe eines erfolgreichen Projektmanagements ein. © Foto: Katharina Schmidt
Katharina Schmidt / 12.10.2019, 06:45 Uhr - Aktualisiert 14.10.2019, 15:07
Schwedt (MOZ) Wenn der Berg nicht zum Wanderer kommt, läuft dieser eben zum Berg. So hat sich das studentenarme Schwedt junge Denker und Tüftler der HNE Eberswalde, der Hochschule Stralsund und Universität  Stettin herangeholt. Sie arbeiten gemeinsam mit den Fachkräften der LEIPA-Papierfabrik. Bei dem Projekt geht es darum, die Maschinen des Unternehmens zügiger und umweltschonender arbeiten zu lassen.  Das Ganze dient als Auftakt für den geplanten Innovationscampus Schwedt, welcher schon 2022 teileröffnen soll. Durch den Campus bekommen Jugendliche idealerweise einen Anreiz, später in der Region Uckermark zu bleiben.

Die Bezahlung muss stimmen

Aufgekratzt sitzen die rund 100 Studenten im LEIPA-Konferenzzentrum. Gleich werden sie in verschiedene Projektgruppen aufgeteilt. Ihnen stehen reale Industrieprojekte bevor: die Produktion der LEIPA-Papierfabrik nachhaltiger zu gestalten, eine schnellere Anlaufzeit der mächtigen Papiermaschine PM5 zu erforschen und ihre Fehlerzeiten zu korrigieren. Ein kurzes Image-Video bringt ihnen das Technik-Monstrum näher, mit dem sie es bald zu tun haben werden. Die PM5 ist so schwer wie 220 Elefanten und fähig, zwei A380-Jets hinter sich zu verstecken. Pro Jahr wandelt die ehemalige Zeitungsdruckmaschine eine halbe Million Tonnen Altpapier um. Und da scheint offenbar noch etwas zu gehen. "Wenn wir Forschung, Industrie und Anwendungen zusammenbringen, wird noch viel mehr Umweltschutz machbar und umsetzbar sein", erklärt Robin Huesmann, Mitglied der LEIPA-Geschäftsführung, den Studenten.

Unter ihnen ist der 26-jährige Markus Fiedrich. Er studiert Unternehmensmanagement in Eberswalde und hat schon ein Startup im Lebensmittelbereich aufgebaut. In das Projekt will er seine Management-Kenntnisse einfließen lassen.  Aktuell wohnt er in Berlin, er liebt die Großstadt, könnte sich aber vorstellen, später als Fachkraft nach Schwedt zu ziehen – "wenn die Position stimmt", stellt er klar. Sein Mitstreiter Stefan Riemer, 29, lernt in Stralsund Produktionsmanagement. Als gelernter Kaufmann und ehemaliger Maschinen- und Anlagenführer hat er einen guten Blick für die wirtschaftliche und technische Seite. Auch er könnte sich vorstellen, in Schwedt zu arbeiten und zu wohnen, "wenn die Bezahlung stimmt", betont Riemer.

Den Spaß nicht vergessen

In diesem Pilotprojekt ist die Zusammenarbeit vorerst nur mit LEIPA vorgesehen. Auf lange Sicht könnte jedoch die Schwedter Erdöl-Raffinerie PCK ins Boot geholt werden.

Vor der Aufteilung der Projekte  schwört der Stralsunder Professor für Fertigungstechnik Steven Duehring die Jungakademiker auf die Feinheiten des Projektmanagements ein. Schließlich ist die Arbeit in der Gruppe Prüfungsgegenstand am Ende des Semesters. Er stellt klar: Nicht das Ergebnis, sondern die Projektarbeit erhält eine Note. Im Januar nächsten Jahres werden sie mündlich geprüft und müssen eine detaillierte Dokumentation ihrer Arbeit vorweisen. Wer wann, was, wo gemacht hat - alles muss im Projektbericht stehen und angemessen präsentiert werden. Das Studienprojekt ist eine Vorbereitung auf das reale Berufsleben, das den jungen Erwachsenen im fünften Bachelor-Semester bald bevorsteht. Sie sollen später Führungspositionen in Wirtschaft und Industrie übernehmen. Vernünftiges Projektmanagement gehört da zum Effeff.

Zum Abschluss ermutigt Professor Duehring die Studenten, auch kleine Projekterfolge zu feiern. Heiter verkündet er: "Gehen Sie zur Feier des Tages ruhig einen trinken, aber vergessen Sie uns Profs nicht!"

Im Januar sollen die Projekte in Schwedt präsentiert werden - hoffentlich genauso feuchtfröhlich, wie das Arbeiten sein wird.

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Video

Junge Tüftler beim Innovationscampus in Schwedt

Videothek öffnen

Der Verein "Innovation Campus"

Forschung, Wirtschaft und Industrie aus der Region sollen in Schwedt gebündelt werden, um Fachkräfte und Startups in die Uckermark zu locken.Dafür soll der ehemalige Waldsportplatz in Schwedt mit einem Testlabor, Seminarräumen und Unterkünften bebaut werden. Der im August 2019 gegründete Verein rechnet mit Kosten von ca. 25 Millionen Euro.⇥kas

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