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In dem Gebäude des ehemaligen Kaiserlichen Postamts Biesenthal haben Pamela John und Marco Turowski ein Café mit Ladengeschäft im historischen Ambiente eröffnet.

Gastronomie
Ein Haus in Biesenthal - ein Traum, ein Café

Olav Schröder / 13.10.2019, 10:30 Uhr
Biesenthal (MOZ) Es war ein denkbar unfreundlicher Tag, als Pamela John und Marco Turowski 2005 vor einem leerstehenden Gebäude in der Biesenthaler Bahnhofstraße standen. Die Sonne ließ sich nicht sehen. es war winterlich kalt, feucht und neblig. "Das Haus sah ganz trist aus, es stand acht Jahre lang leer", berichtet Pamela John heute. Nur durch Zufall war das Paar auf der Suche nach einem Wohnhaus auf das Backsteingebäude gestoßen. Irgendwo war noch ein Drogerie-Schild angebracht, von einem "Kaiserlichen Postamt" aber war nichts zu lesen. Zwei Wochen später hatte sich das Paar für den Kauf entschieden. Schon damals stand fest: Das Erdgeschoss wird ein Refugium mit Café und Ladengeschäft für Dekorationen und kreative Handarbeiten. Dass es sich bei dem Gebäude um das frühere Kaiserliche Postamt in Biesenthal handelt, war vor mehr als zehn Jahren vielen nicht mehr bekannt, auch den neuen Besitzern nicht. Mancher habe noch davon erzählt, dass dort zu DDR-Zeiten Silvesterknaller verkauft wurden, berichten sie. Einzelheiten erfuhren sie erst durch die Biesenthaler Ortschronistin Gertrud Poppe, die ihnen Bauzeichnungen und Fotografien des Gebäudes zeigte. "Wir wollten wissen, wie das Haus aussah, um uns bei der Restaurierung daran orientieren zu können", freut sich Pamela John noch heute über die Unterstützung.

Nach den Unterlagen von Gertrud Poppe wurde die Post in der Bahnhofstraße 92 im Juni 1892 eröffnet. Schon die Bauzeichnungen aus dem Jahr 1887 zeigen die Fassadenaufschrift "Kaiserliches Postamt". Bauherr war der Zimmermeister Friedrich Grüneberg.

Drogerie am Bahnhof

Nach dem Umzug des Amtes im Jahr 1922 erfuhr das Haus eine wechselvolle Geschichte. Erst wurde es als Bahnhofsdrogerie, dann als Zeitungsladen und Blumengeschäft, von 1957 an mit Unterbrechungen auch wieder als Drogerie genutzt. Nach der Wende wurde diese endgültig geschlossen.

"Altes muss nicht verstaubt aussehen" lautet der Wahlspruch von Pamela John und Marco Turowski. Daher stand für sie von Anfang an fest, dass ihr neues Heim sein historisches Flair behalten sollte. 2006 begannen sie, das Obergeschoss als Wohnung herzurichten. Einige Türen konnten erhalten und aufgearbeitet, Fenster mussten ersetzt werden. Beim Verfliesen kamen historische Wandfliesen zum Einsatz. Nach den Materialien sah sich das Paar auf "historischen Baumärkten" um. Viel haben sie in den reichhaltigen Beständen der "Historischen Bauwerkstücke" in Bernau-Lindow gefunden. Einfachere Arbeiten wie das Auskratzen von Fugen wurden selbst ausgeführt. Auf die Erfahrung von Handwerkern wurde jedoch nicht verzichtet. Die meisten seien nicht nur bereit gewesen, historische Materialien zu verarbeiten, sondern hätten dies mit großer Hingabe getan, berichtet Pamela John. So erhielten die Wände im Obergeschoss schon einen Lehmputz, als dieser noch nicht in Mode war. Der Zaun, der den kleinen, aber pflanzenreichen Vorgarten umfasst, ist gleichfalls ein historisches Bauteil.

2016, als die "neue" Wohnung im historischen Ambiente fertig war, begannen die Arbeiten im Café. Manchmal musste das Geld für den nächsten Schritt erst angespart werden. Da aber nichts "über’s Knie gebrochen" werden sollte, dauerte der Ausbau etwas länger. Die Unterstützung durch die Landesförderung sei da sehr hilfreich gewesen.

Im April 2019 war es dann so weit, dass die Eröffnung des Cafés mit Ladengeschäft gefeiert wurde. "Viel Werbung wollten wir nicht machen, das Café sollte sich langsam entwickeln", sagt Pamela John. Dennoch sprach sich das neue Angebot herum. Spaziergänger und Radfahrer machen dort gern Station, aber auch Besucher des Kulturbahnhofs. Eine Tanzgruppe stärkt sich nach ihrem Kurs dort mit einem guten Kaffee. Das Angebot zieht Kreise, immer mehr Gäste kommen aus Bernau oder Panketal, nicht nur zur genussvollen Einkehr, sondern auch wegen der angebotenen Wohn-Accessoires und handgefertigten Näharbeiten. Der Hang zur Kreativität liegt dabei offenbar in der Familie. Die Großmutter von Pamela John war Schneiderin, unter anderem von Brautkleidern. Ihre Mutter Doris Katerbau unterstützt sie bei der Herstellung der Kuchen und Torten. Und zwei Mal im Monat – jeweils am ersten und dritten Mittwoch von 17 bis 19 Uhr – lädt Pamela zum Handarbeitstreffen ein.

Café und Ladengeschäft "Kaiser­liches Postamt": Mittwoch bis Freitag 11.30 bis 18 Uhr, Sonnabend und Sonntag 13 bis 18 Uhr, Telefon 03337 4589822

Als noch ein Kutscher die Post nach Grüntal fuhr

Als erster Postverwalter zog Fritz Buchholz 1892 in die Bahnhofstraße 92 ein. 1922 wurde in der Bahnhof­straße 72a ein neues Amt eröffnet. Im heutigen Café hängt ein vergrößertes Foto aus dem Jahr 1910. Darauf ist auch der Kutscher Otto Lutter zu sehen, der die Post von Biesenthal nach Grüntal fuhr. Die Geschichte haben Gertrud Poppe und Carina Vogel in "Die Geschichte des Biesenthaler Bahnhofes und seines Umfeldes" sowie Gertrud Poppe in "Biesenthal in alten Ansichten" veröffentlicht. ⇥fos

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