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Die traditionelle Veranstaltung der Baumschulen in Biesenthal zog viele Besucher an. In Dörfern, Städten und an Landstraßen werden Obstbäume vermisst.

Apfelboom
Aktionstag zeigt den Wunsch nach Obstwiesen

Olav Schröder / 13.10.2019, 18:48 Uhr
Biesenthal (MOZ) Zu einem Plädoyer für den Obstanbau entwickelte sich der Obsttag der Biesenthaler Baumschulen. Viele Besucher nutzten nicht nur die Chance, ihnen unbekannte Apfelsorten aus dem eigenen Garten bestimmen zu lassen. Unverkennbar ist auch der Wunsch nach mehr Obstbäumen im öffentlichen Raum – sei es auf Freiflächen in den Städten und Gemeinden oder außerorts entlang der Landstraßen.

Alljährlich laden die Baumschulen der Hoffnungstaler Werkstätten zu dem Obsttag ein. "Der Wunsch, Früchte aus dem eigenen Garten zu ernten, nimmt auf jeden Fall zu", sagt Mathias Bartsch, Obstsachverständiger vom Pomologen-Verein. Die 1991 gegründete Vertretung befasst sich neben anderem mit der Bestimmung von Apfelsorten und setzt sich grundsätzlich für den Naturerhalt ein.

Karin und Werner Pusch aus Ahrensfelde waren nach Biesenthal gekommen, um eine Apfelsorte bestimmen zu lassen. "Vor sieben Jahren  haben wir den Baum in unserem Garten gepflanzt und als Spalier gezogen", berichtet Karin Pusch. Da seine Früchte so gut schmecken, wollen sie auch wissen, wie er heißt. Das Spalier verweist auf eine Besonderheit. Der Wunsch nach abwechslungsreichen Sorten nimmt zwar zu, allerdings sind die Gärten im Berliner Umland mit der Bauentwicklung in der Regel immer kleiner geworden. Bei zunehmender Trockenheit kann der Platzmangel zum Problem werden. Mit dem Blick auf die Klimaveränderungen sollten eigentlich Sorten mit starken, tiefreichenden Wurzeln angebaut werden, rät Bartsch. Diese werden allerdings sehr groß und passen dann nicht mehr in kleine Gärten. Wie sich dagegen die Neuzüchtungen der Säulenapfelbäume langfristig entwickeln werden, sei noch abzuwarten.

Christa Scholz hat in ihrem Bernauer Garten vor drei Jahren einen Baum der "alten" Sorte Carola gepflanzt, wünscht sich aber den Obstanbau nicht nur auf Privatgrundstücke begrenzt. Die Anlage von Streuobstwiesen wie am Schulcampus in Schwanebeck oder in der Börnicker Ortsmitte sieht sie als gute Beispiele an: Wenn Schüler in der Pause spontan zu einem Apfel greifen können, dann würden sie vielleicht auch nicht mehr ausschließlich auf scheinbar makelloses Obst aus dem Supermarkt bestehen.

Für Mathias Bartsch ist das Wasser auf die Mühlen. Die im Einzelhandel angebotenen Apfelsorten gehen auf fünf Sorten zurück, die für hohe Erträge und Transportfähigkeit stehen, erläutert er. Aufgrund ihrer Anfälligkeit für Krankheiten wie den Apfelschorf würden sie jedoch viel gespritzt. Auch Bartsch empfiehlt die verstärkte Anlage von Streuobstwiesen und ermuntert die Kommunen, solche anzulegen.

Ertragreiche Chausseebäume

Dass an Ortsverbindungsstraßen wieder verstärkt Obstbäume gepflanzt werden sollten, dafür tritt Dieter Perwitz ein. Der leidenschaftliche Saft- und Marmeladenhersteller nutzt dafür auch die Erträge an Chausseebäumen. Bei Heckelberg hat er eine besonders saftige Sorte entdeckt: Die Crux: Vor wenigen Jahren gab es dort noch fünf Bäume, jetzt steht nur noch einer. Von diesem will er Reiser zur Veredelung nutzen. Auch Christa Scholz plädiert verstärkt für Obstalleen, würde aber wenig befahrene Straßen bevorzugen. Dabei hat sie festgestellt: "Birnbäume gibt es kaum noch."

Neben den gesundheitlichen Vorteilen alter Apfelsorten hebt Mathias Bartsch hervor, dass sie "nicht so einseitig süß sind". Ihre Vielfalt ist riesig und es gibt Sorten, die durchaus auf einen oder wenige Orte beschränkt sein können. Als regional typisch gelten der "Apfel von Lunow" bei Oderberg, der "Apfel aus Grünheide" und der "Gubener Warraschke". Diese Sorten sind allerdings auch selten, so dass sie extra bestellt werden müssen. Sie gelten auch als besonders "identitätsstiftend", was aber nicht besage, dass auch andere alte Sorten in der Region bestens gedeihen.

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