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Ausschreitungen
Auf der Suche nach den Schuldigen

Burkhard Keeve, Odin Tietsche / 14.10.2019, 18:29 Uhr - Aktualisiert 16.10.2019, 12:31
Oranienburg (MOZ) Zwei Tage nach dem Randalespiel zwischen dem Oranienburger FC Eintracht und dem SV Babelsberg 03 sind die Schuldigen scheinbar ausgemacht. Es sollen weder die Oranienburger Fans, noch die der Babelsberger gewesen sein, die sich bis zur Randale provozierten. So sehen das jedenfalls die beiden Clubs, die am Sonnabend gegeneinander angetreten waren, um ein Pokalspiel zu absolvieren.

Die beiden Vereine sind einer Meinung. Laut Marcel Moldenhauer, Sprecher vom SV Babelsberg 03, kam die Provokation nicht aus den eigenen Reihen, "sondern aus dem Heimbereich". OFC-Vorstand Jürgen Peter bestätigte am Montag gegenüber unserer Zeitung den Eindruck. "Das ging nicht von Babelsberg aus." Auch für seinen Verein und den Anhang legte Peter seine Hand ins Feuer. "Der ist nicht gewaltbereit." Auch der Babelsberg-Sprecher sagte aus, dass nach seiner Einschätzung, "kein OFC-Fan" zu den Provokateuren zählte.

Wer war es also? Hier kommt eine dritte, kleine Gruppe ins Spiel, die sowohl von OFC-Vorstand Jürgen Peter als auch von der Polizei erkannt wurde. Etwa 15 Zuschauer seien besonders aufgefallen. Sie seien "optisch der rechten Szene sowie dem Fan-Klientel vom TuS Sachsenhausen, vom Berliner Fußballclub Dynamo  als auch von Hansa Rostock zuzuordnen", erklärte Polizeisprecherin Röhrs. Offensichtlich solche Fans, die nur nach Oranienburg gekommen waren, um sich zu prügeln. Vermutet wird, dass die Gruppe sich im Vorfeld eigens für das Spiel in Oranienburg verabredet hat, weil im Gegensatz zu anderen Spielen mit relativ wenig Polizei zu rechnen gewesen sei. "Sie sind alle gemeinsam zu uns auf den Platz gekommen, die haben mir schon Angst gemacht. Das war kein schöner Anblick", sagte OFC-Vereinsvorstand Jürgen Peter. "Ich habe noch versucht, mit denen zu reden. Sie waren aber nur darauf aus, Krawall zu machen und zu provozieren."

Die Verantwortlichen des TuS Sachsenhausen bezweifeln indes, dass Anhänger ihres Vereins zu den Krawallmachern gehörten. "Unsere eigenen Teams waren alle im Einsatz, und unsere Fans haben uns dabei unterstützt", sagt TuS-Fußballabteilungsleiter André Beutler. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass unsere Anhänger extra nicht zu unseren Spielen kommen, um woanders für Ärger zu sorgen." Ähnlich sieht es auch Stephan Lange, sportlicher Leiter des TuS. "Ich habe mir die Bilder im Internet angeschaut, dort ist nicht ein Anhänger unseres Vereins zu sehen. Abgesehen davon, dass wir uns von solch einem Verhalten deutlich distanzieren, kann ich ganz klar sagen: Diejenigen, die sich dort prügeln, haben nichts mit Sachsenhausen zu tun." Lange sieht in den Anschuldigungen eher eine "Stimmungsmache vor dem anstehenden Stadtderby" und spricht von einer "regelrechten Hetzkampagne" gegen den TuS. "Es ist eine Sauerei, dass wir da mit reingezogen werden."

Ab der 60. Spielminute eskalierte im Stadion die Situation. Zunächst "ging es verbal hin und her, dann flogen auch Bierbecher", so Polizeisprecherin Dörte Röhrs. Weil die Bauzäune, die sich anpöbelnden Gruppen trennten, wichen sie aufs Spielfeld aus. "Aus dem Gästeblock drängten einige in Richtung Heimblock", beschreibt Röhrs die Szene. Das rief die Polizei in Kampfmontur mit Helm und Schlagstock auf den Plan. Sie ging dazwischen. "Dadurch konnte ein direktes Aufeinandertreffen verhindert werden", so Röhrs. Von wem die Auseinandersetzung letztlich ausging, ist für die Polizei letztlich noch nicht geklärt. Röhrs: "Dazu müssen wir die Daten und die Videobilder noch auswerten."

"Wir waren vorgewarnt", sagt Jürgen Peter, Vorsitzender des Oranienburger am Montag. "Wir wissen, dass die Babelsberger Fans als ein stückweit militant gelten", so Peter. Sie werden der linken Szene zugeordnet. Immer wieder kam es in der Vergangenheit zu Randale bei Spielen von Babelsberg 03, gleiches gilt für den FC Energie Cottbus, der in der selben Liga spielt. Doch trotz aller Maßnahmen und Absprachen mit beiden Vereinen, der Polizei und dem Landesfußballverband Brandenburg kam es am Sonnabend in Oranienburg beim Pokalspiel gegen den Regionalligisten SV Babelsberg 03 zu Ausschreitungen. "Solche Szenen hat es bei uns noch nicht gegeben". sagte Jürgen Peter.

Pyrotechnik zu Spielbeginn

Schon zu Spielbeginn wurde im Gäste-Fanblock "Pyrotechnik gezündet", schilderte die Polizei am Montag die Lage. "Das lässt sich leider nicht komplett verhindern", bedauert OFC-Vorsitzender Jürgen Peter. Er selbst sei vor dem Spiel noch am Zaun entlang gegangen, um zu kontrollieren, ob Silvesterraketen oder Knaller "über die Anlage geworfen wurden". Jeder der Zuschauer sei beim Einlass genau überprüft worden. "Wir haben geschultes Personal dafür", so Peter. Taschen wurden auf Hieb- und Stichwaffen, aber auch auf Glas und Getränke überprüft. Für das Pokalspiel hatte der OFC 15 eigene Ordner, die von vier Ordnern aus Babelsberg unterstützt wurden, im Einsatz. Außerdem seien sechs private Sicherheitsleute vom Typ Türsteher vor Ort gewesen. Zudem waren 52 Einsatzkräfte der Polizei mit Unterstützung von Landes- und Bundespolizei in Oranienburg.

Unter Beoachtung

Nach Angaben der Polizei gab es 650 Zuschauer. Davon, so wurde geschätzt, waren rund 300 Gäste. Ein Teil der Zuschauer stand schon im Vorfeld unter Beobachtung. Auch deshalb wurde das Spiel OFC gegen Babelsberg als "Sicherheitsspiel" eingestuft, was den großen Polizeieinsatz nach sich zog. In Oranienburg sollen dann mehr als 50 Zuschauer gewesen sein, die mehr oder weniger auf Randale aus waren. Nach Angaben von Polizeisprecherin Dörte Röhrs seien 47 Zuschauer als gelegentlich gewaltbereit und vier als gewaltbereit eingestuft worden, denen es nicht um Fußball, sondern nur um Krawall und Randale geht.

Jetzt sind alle gespannt, was am kommenden Wochenende passiert. Am 20. Oktober ist der Oranienburger FC Gastgeber im großen Stadtderby gegen den TuS 1896 Sachsenhausen. Die letzte Partie besuchten rund 1 500 Zuschauer. Jürgen Peter: "Dann wollen wir Fußball gucken und nicht auf eine Wand von Polizisten blicken."

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