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Neues Teilhabechancengesetz wird in Märkisch-Oderland gut genutzt. 170 Frauen und Männer sind bisher vermittelt.

Jobcenter
Danke neuem Gesetz - Chancen auf festen Job

Im MOZ-Gespräch: Sandra Lorey (Teamleiterin), Marco Schulz (stellvertretender Geschäftsführer Jobcenter MOL) und  Andrea Schild (Bereichsleiterin, v.l.) in der Seelower Redaktion.
Im MOZ-Gespräch: Sandra Lorey (Teamleiterin), Marco Schulz (stellvertretender Geschäftsführer Jobcenter MOL) und  Andrea Schild (Bereichsleiterin, v.l.) in der Seelower Redaktion. © Foto: Doris Steinkraus/MOZ
Doris Steinkraus / 16.10.2019, 08:00 Uhr
Strausberg (MOZ) Mit seinen 40 Jahren hatte der Mann noch keinen einzigen Tag in seinem Leben einen Job. Die Mitarbeiter des Jobcenters wussten indes von einem Arbeitgeber, der händeringend eine Hilfskraft suchte.  Über das seit Januar geltende neue Teilhabechancengesetz fanden schließlich beide Seiten zueinander. "Seit April geht der Mann einer versicherungspflichtigen Beschäftigung in der besagten Firma nach", berichtet Sandra Lorey, Teamleiterin des Arbeitgeberservice im Jobcenter MOL, in einem MOZ-Gespräch. Das Gesetz ermögliche eine bis zu fünf Jahre gestaffelte Förderung von Langzeitarbeitlosen. Die Arbeit mit dieser Personengruppe bildet einen Schwerpunkt des Jobcenters.

Mit dem 100-prozentigen Lohnkostenzuschuss in Höhe des jeweils geltenden Mindestlohnes können die Unternehmen selbst testen, ob der oder die Betreffende zum Betrieb passt. Sie können Ungelernte qualifizieren (bis zu 3000 Euro Weiterbildungskosten erhalten die Arbeitgeber) und sich so über diesen Weg eigene Fachkräfte heranziehen. 124 Eintritte für eine auf fünf Jahre befristete Förderung über den Paragrafen 16i gab es bisher im Landkreis im Rahmen des neuen Gesetzes, erläutert Marco Schulz, stellvertretender Geschäftsführer des Jobcenters. 16i richtet sich an Personen, die mindestens sechs Jahre Hartz IV bezogen haben. Hinzu kommen 46 Eintritte über Paragraf  16e, mit dem über zwei Jahre ein Lohnkostenzuschuss in Höhe von 75 Prozent gewährt wird. Das Programm greift, wenn der oder die Betreffende mindestens zwei Jahre arbeitslos war. In beiden Programmen entstehen den Unternehmen keine Verpflichtungen zu späteren Übernahmen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben es letztlich selbst in der Hand, ob es eine dauerhafte Verbindung wird. Übers Jobcenter gibt es nur ein begleitendes Coaching.

Budget ist ausgeschöpft

Genutzt wird dieser Fördermaßnahmen auch von freien Trägern, zum Beispiel in der Pflege. "Es gibt weiteren Bedarf. Die Arbeitgeber haben auf dieses neue Instrument gut reagiert, nutzen es. Leider ist das Budget für Märkisch-Oderland derzeit ausgeschöpft", erklärt Sandra Lorey. Im kommenden Jahr müsste ein neues Budget aufgelegt werden, um weiteren Arbeitslosen wieder eine Berufschance zu geben. Das Programm greift im übrigen unabhängig des Alters des Betreffenden, nicht nur für junge, sondern auch für ältere Arbeitslose.

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Karl Napp 17.10.2019 - 23:49:58

Ausbildung !? - Wenn's denn wirklich immer so wäre ...

Im Regelfall wird die vorab durch das Jobcenter geförderte "Ausbildung" der "Fachkräfte" je nach Branche mit Führerschein, Gabelstaplerschein, ADR-Schein, Motorkettensägeschein, Schweißerpass etc. gekoppelt. Sind diese Nachweise durch die Teilnehmer erst mal erworben, ist die angestrebte Weiterbildung / Qualifizierung nebensächlich. Fehlzeiten der Teilnehmer werden durch die Bildungsträger aber i.d.R. nicht an das Jobcenter gemeldet, da sonst die Fördergelder ausbleiben könnten. _ _ / / _ _ Sinnvoll wäre es aus meiner Sicht, den Erwerb der vorgenannten Berechtigungen und Bescheinigungen erst NACH erfolgter UND erfolgreicher Weiterbildung / Qualifizierung zu platzieren, um die Verschwendung von Steuergeldern zu minimieren - denn, nur wer die Ausbildung als Chance für den Arbeitsmarkt sieht und diese Chance auch wirklich nutzen will, sollte mit Führerschein, Gabelstaplerschein, ADR-Schein, Motorkettensägeschein, Schweißerpass etc.als "Krönung" und als Anreiz belohnt werden. _ _ / / _ _ Um Missverständnissen vorzubeugen - die überwiegende Mehrzahl der Teilnehmer an Qualifizierungsmaßnahmen ist durchaus bestrebt , die entsprechenden Qualifikationen insgesamt zu erwerben und auf dem Arbeitsmarkt eine neue Chance zu finden. Und auch die Bildungsträger leisten i.d,R. eine hervorragende Arbeit, um den Teilnehmern das erforderliche Know-How zu vermitteln, um zukünftig im Arbeitsmarkt Fuß zu fassen (sofern diese das wünschen).

Anton Hoflreicher 17.10.2019 - 16:33:44

Risikoabwägung

Eine Fachkraft ist ausgebildet und der Arbeitgeber kann diese voll einsetzen um entsprechenden Nutzen daraus zu ziehen. Eine "ungelernte" Person kann nur mit erhöhten Risiko "drauf losgelassen" werden, da mitunter ein möglicher Schaden zu Lasten des Unternehmers/Arbeitgebers gehen könnte. Eine Ausbildung kostet Zeit und Geld, klar (Aufwand bei Einarbeitung und Lehre, Prüfungsvorbereitung etc) . Im Idealfall besteht der Auszubildende am besten sehr schnell, was aber mit Auszubildenden die mehr Zeit brauchen, zwischdurch erkranken o.ä ... Das wird jeder abwägen, der Personal sucht. Fällt nun ein Teil des Risikos geringer aus, wird auch die Bereitschaft steigen Energie und Zeit zu investieren. Aber den Erfolg der Maßnahme sollte abgewartet und (parallel) ausgewertet bzw evaluiert werden.

Camillo Menzel 17.10.2019 - 09:14:05

Ausbildung !?

Wenn jemand angeblich Händeringend nach Arbeitskräften sucht, frage ich mich, warum dieser Jemand, nicht selbst ausbildet und dafür eine Ausbildungsvergütung bezahlt. Worin besteht der Unterschied für die Motivation des Arbeiters, ob das Geld vom Jobcenter oder vom Unternehmer kommt? Der einzige Vorteil für den Unternehmer ist, dass es eine kostenlose Arbeitskraft erhält - sozusagen einen Sklaven. Der frühere Missbrauch der Hartz 4 Gesetze, einen MA kostenlos "auszuprobieren", wird jetzt legalisiert und ist nicht mehr auf höchstens 3 Monate begrenzt.

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