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Vier Weltreligionen an einem Tisch

Freiheit oder Beschränkung? Vertreter verschiedener Religionen diskutieren im Fürstenwalder Dom St. Marien.
Freiheit oder Beschränkung? Vertreter verschiedener Religionen diskutieren im Fürstenwalder Dom St. Marien. © Foto: Annemarie Diehr
Annemarie Diehr / 17.10.2019, 06:00 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Schenkt Glaube Freiheit oder beschränkt er? Und wie kann Religion dazu beitragen, die Welt friedvoller zu machen? Um diese Fragen ging es am Mittwochabend im Fürstenwalder Dom. Der Titel des Gesprächsabends, "Religionen – eine Provokation für die Gesellschaft und für die Menschenrechte", erhielt vor dem Hintergrund des antisemitisch motivierten Mordanschlags von Halle neue Brisanz.

Rabbiner Walter Rothschild nannte das Ausmaß der öffentlichen Aufregung "peinlich". Dass Juden von der Tat nicht schockiert gewesen seien, hänge damit zusammen, dass die Idee des Bedrohtseins für sie allgegenwärtig sei. "Minderheit sein, heißt immer, exponiert zu sein", sagte er. Die Veranstaltung im Dom fand im Beisein der Polizei statt.

Polizei sichert Veranstaltung

Die Diskutanten um Moderator Rudi-Karl Pahnke vom Berliner Institut Neue Impulse – neben Rabbiner Rothschild Imam Said Ahmed Arif von der muslimischen Gemeinde Ahmadiyya, die buddhistische Nonne Anagarika Kusaladamma und Atheist Karsten Krampitz – sind ein eingespieltes Team: Seit 2005 nehmen sie Gespräche wahr, "um aufzuzeigen, dass es nicht nur Atheisten und Christen in der Welt gibt", sagt Pahnke. In Fürstenwalde war die Gruppe vor drei Jahren schon einmal zu Gast; diesmal saß Dompfarrer Jörg Hemmerling mit auf dem Podium.

Mehr noch als auf die Ausgangsfrage – Religion als Beschränkung oder Freiheit – verlangten die rund 40 Zuhörer mit ihren Wortmeldungen Antworten auf die Frage, welchen Lösungen Religionen für eine friedvolle Zukunft der Gesellschaft parat haben. "Was ist ihr Beitrag?", hakte ein Mitglied der Domgemeinde mehrmals nach. Seine Gemeinde trete für eine Reform der Muslime ein und sei bestrebt, zu einer menschenfreundlichen Religion zurückzufinden, sagte Imam Said Ahmed Sharif. "Religion muss sich neu erfinden", pflichtete Rothschild bei.

Ausgehend von ihrem Grundgedanken, der Dankbarkeit, müsse es ihr gelingen, die Welt wiederzubeleben. "Alles dreht sich um die Frage, wie wir mit anderen Menschen umgehen", sagte er. Dass die Welt durch Religion besser wird, denke er nicht, entgegnete der Historiker Krampitz; und die einzige Frau in der Runde verwies auf den buddhistischen Ansatz, der lehre zu schauen, was wir selbst besser machen können und dies nach außen zu tragen.

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