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Unterirdisch
Stützstrümpfe für alte Rohre

Klaus D. Grote / 17.10.2019, 18:40 Uhr
Oranienburg (MOZ) Nebelschwaden lagen am Donnerstag über der Lehnitzstraße. Der Geruch von Kunststoff hing in der Luft. Rauch stieg aus einem Kanaldeckel in Höhe des Louise-Henriette-Stegs auf. Ein paar Meter weiter standen zwei schwere Trucks und drei Transporter auf der sonst Passanten und Fußgängern vorbehaltenen Promenade. Aus den Kanalschächten waren seltsame Geräusche zu hören, ein Zischen und Brummen.

"Macht ihr den Lärm?", fragt ein auf einem Fahrrad vorbeikommender Mann. "Ja, das ist unsere Fräse", erklärt ein Mitarbeiter der Firma Aquatool. Das Unternehmen ist von der Stadtverwaltung damit beauftragt worden, die Rohre für Regen- und Abwasser unter dem Steg zu sanieren. Dazu wird mit Druckluft ein Gewebe aus Filz und Kunstharz in die Rohre gedrückt. Die Leitungen bekommen dadurch eine neue Innenverkleidung. "Das ist wie eine Wurstpelle beim Metzger, nur umgekrempelt", erklärt Kay Zörner. Sein Kollege bezeichnet den Filzmantel mit einem Strumpf, nur dass er innen liegt.

Insgesamt 780 Meter der Wurstpelle werden in dieser Woche in die Oranienburger Kanalisation gezogen, mehr als 200 Meter sind es am Louise-Henriette-Steg. Am Freitag ist noch die Emil-Polesky-Straße an der Reihe. Zunächst wird der Zustand der in den Straßen verlegten Rohre mit einer Kamera untersucht. Dann entscheidet das Tiefbauamt, ob die Rohre ausgetauscht werden müssen oder ob sie saniert werden können. Ein Abschnitt unter dem Louise-Henritte-Steg sei bereits in einem kritischen Zustand, sagt Zörner. Allerdings kann das Inlineverfahren die Lebensdauer selbst alter Rohre deutlich verlängern. Mindestens 20 Jahre lang soll der Stützstrumpf halten.

Die Sanierung mit dem Filz-Harz-Gemisch ist nicht nur viel schneller und deutlich günstiger als die Verlegung neuer Rohre. Denn wenn in Oranienburg gegraben wird, muss zunächst zuvor der Kampfmittelbeseitigungsdienst die Fläche sondieren. Manchmal muss auch kontaminierter Boden ausgetauscht werden. "All das müssen wir bei dem Inline-Verfahren nicht machen", sagt Chris Wehrstedt.

Der Operator sitzt in einem der Lkw und bedient mit zwei Joysticks eine Fräsmaschine, die etwa hundert Meter von ihm entfernt Löcher ins frisch gegossene Filz-Harz-Rohr bohrt – genau da, wo Zuläufe von Grundstücken in den Mischwasserkanal laufen. Eine Kamera zeigt die kleine Fräsmaschine im Rohr, das nur 20 Zentimeter Durchmesser hat. "Wir haben sogar schon Rohre von 1908 saniert", sagt Wehrstedt.

Vorteile desInline-Verfahrens

Im Unterschied zur offenen Bauweise müssen keine Straßen und Gehwege aufgebrochen werden. Anwohner werden weniger durch Lärm und Staub belästigt. Außerdem werden Baumwurzeln geschont.

Neben Geld wird Zeit gespart: Statt vieler Wochen bei einem Leitungsneubau dauert das Inline-Verfahren nur einige Stunden.⇥kd

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