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Verkehrskonzept
Es geht ohne Kreisverkehr und Ampel in Biesenthal

Neuralgische Einmündung: Die Kirschallee führt auf die Bahnhofstraße und soll künftig den Verkehr aus dem Wohngebiet am Kolterpfuhl aufnehmen. Dennoch wird es hier auch ohne Ampel nur geringe Wartezeiten geben, lautet die Prognose der Gutachter.
Neuralgische Einmündung: Die Kirschallee führt auf die Bahnhofstraße und soll künftig den Verkehr aus dem Wohngebiet am Kolterpfuhl aufnehmen. Dennoch wird es hier auch ohne Ampel nur geringe Wartezeiten geben, lautet die Prognose der Gutachter. © Foto: Sergej Scheibe
Olav Schröder / 18.10.2019, 06:30 Uhr
Biesenthal (MOZ) Einige Bauausschussmitglieder hatten offensichtlich ein anderes Ergebnis erwartet. Doch nach dem Verkehrskonzept für den nördliche Bahnhofstraße in Biesenthal sind für die Bewältigung des Autoverkehrs keine größeren Baumaßnahmen erforderlich. Konkret: Weder an der Einmündung der Kirschallee noch der Eberswalder Straße ist nach dem Ergebnis der Gutachter der Bau eines Kreisverkehrs oder die Installation einer Ampelanlage erforderlich. Das Gutachten war von der Stadtverordnetenversammlung in Auftrag gegeben worden, um nach den vielen geplanten Baumaßnahmen in diesem Bereich den befürchteten chaotischen Verkehrsverhältnissen vorbeugen zu können.

In dem Bereich ist insbesondere die Wohnsiedlung am Kolterpfuhl geplant, in der allein mit rund 400 Bewohnern gerechnet wird. Außerdem ist ein altersgerechtes Wohnprojekt vorgesehen. Durch den Neubau einer Kita sowie einer Dreifeld-Sporthalle wird zusätzlicher Verkehr erwartet.

Für das Gutachten wurde eine Verkehrszählung an einem repräsentativen Tag durchgeführt. Gezählt wurde am Dienstag, 9. April, zwischen 6 und 10 Uhr sowie zwischen 15 und 19 Uhr an sechs Knotenpunkten. Der Verkehr aufgrund der neuen Bauvorhaben wurde hinzugerechnet.

Von einer Verkehrsprognose des Landes Brandenburg mit Daten von 2012 wurde Abstand genommen. Nach dieser Studie wird beispielsweise für die Eberswalde Chaussee im Jahr 2025 mit etwa 3000 Fahrzeugen in der Stunde gerechnet. Doch schon heute sind es nach der aktuellen Zählung der Gutachter von Brenner Bernard Ingenieure rund 7000. Realistischerweise wurden die hohen Werte angesetzt.

Eine Kernaussage des Gutachtens bezieht sich auf die Leistungsfähigkeit, die den Straßen unter diesen Bedingungen zugeschrieben werden. Als ein wichtiges Kriterium gilt dafür die Wartezeit der Fahrzeuge an Einmündungen und Kreuzungen. Beträgt die Wartezeit ohne Ampelanlage weniger als 45 Sekunden, so die Gutachter, gilt eine Straße allgemein noch als leistungsfähig. Rückstaus mit Zeitverlust seien zwar nicht auszuschließen, würden sich jedoch schnell wieder auflösen. Bei einer Ampelkreuzung gilt eine Wartezeit von unter 70 Sekunden noch als leistungsfähig.

An den untersuchten Knotenpunkten – darunter insbesondere Kirschallee/Bahnhofstraße, Schützenstraße/Bahnhofstraße, Grüner Weg/Eberswalder Chaussee, Bahnhofsstraße/Eberswalder Chaussee – liegen die mittleren Wartezeiten in der Regel unter zehn Sekunden. Nur an der Eberswalder Chaussee/Bahnhofstraße wurde am Abend eine mittlere Wartezeit von knapp 22 Sekunden prognostiziert.

Wenn auch weder Kreisel noch Ampel als erforderlich angesehen werden, so werden – wie erwartet – der Ausbau der noch gepflasterten Kirschallee als Haupterschließung zum Kolterpfuhl, die Einrichtung von Einbahnstraßen im Siedlungsbereich zur Vermeidung von Schleichverkehr und Aufpflasterungen zur Tempo-Reduzierung empfohlen.

Konkretere Erwartungen

Andreas Jahn (sachkundiger Einwohner) hätte sich jedoch noch konkretere Vorschläge gewünscht, zum Beispiel zur Einbahnstraßenführung. Mario Benndorf (ebenfalls sachkundiger Einwohner) sieht die veranschlagten zehn Stellplätze (mit Reserve 20) für die Dreifeldhalle als zu gering an. In der Einwohnerfragestunde wurde zudem kritisiert, dass die Verkehrsbelastung aus Sicht des Autoverkehrs, nicht aber der Anwohner, Fußgänger und Radfahrer dargestellt wurde. Dies sei jedoch ebenso wie nähere Konkretisierungen nicht im Auftrag vorgesehen. Bei einer Gegenstimme wurde das Gutachten zur Annahme durch die Stadtverordnetenversammlung empfohlen.

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