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Gedenkort
Kunersdorfer Museum plagen Personalsorgen

Ziehen Bilanz: Margot Prust (l.) und Stefan Rohlfs vom Chamisso-Museum Kunersdorf.
Ziehen Bilanz: Margot Prust (l.) und Stefan Rohlfs vom Chamisso-Museum Kunersdorf. © Foto: Nadja Voigt
Nadja Voigt / 19.10.2019, 06:00 Uhr
Kunersdorf (MOZ) Eintausenfünfhundert Besucher: Das ist die stolze Bilanz, die das im April eröffnete Chamisso-Museum im Kunersdorfer Musenhof ziehen kann. Ein halbes Jahr, in dem das Haus unter Beweis stellen konnte, was alles mit ehrenamtlicher Arbeit möglich ist.

Und doch stoßen die Mitglieder des Fördervereins an Grenzen. Margot Prust geht es vor allem um das Personelle. "Wir haben zum einen eine SAM-Stelle, die nur bis Ende des Jahres geht, und danach dringend verlängert werden müsste", so die Geschäftsführerin des Fördervereins Kunersdorfer Musenhof. "Sonst können wir die Öffnungszeiten nicht gewährleisten."

Zwar werden die bislang von einigen der insgesamt 90 Mitglieder abgedeckt, aber die Stelle des Hausmeisters, der mit anpackt, aufbaut, repariert und den Garten pflegt, sei enorm wichtig. Genau wie die kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit, das Durchführen von Führungen, das Gewährleisten der Öffnungszeiten. "Es war schon immer meine Intention, eine Planstelle zu schaffen", sagt Margot Prust, die das bisher vor allem alles in die eigenen Hände genommen hat. Aber ihre Kräfte würden nicht für alle Ewigkeit reichen.

Deshalb freut sie sich über Unterstützung – auch von Besuchern – für ihr Anliegen. Und zitiert den Brief einer Kulturwissenschaftlerin, die sich an den Landrat von Märkisch-Oderland wandte: "Soweit ich verstanden habe, ist hier ein einzigartiges Kulturprojekt letztlich aus privater Initiative entstanden und wird bis heute größtenteils durch einen bewundernswerten Idealismus getragen. Die Bereitstellung finanzieller Ressourcen und vor allem auch die dauerhafte Sicherstellung des Ausstellungsbetriebes durch Personal wäre – gerade auch im Interesse der touristischen Entwicklung Ihres Landkreises – sinnvoll und klug investiertes Kapital."

Auch Stefan Rohls als Vorsitzender des Fördervereins hat sich in einem Schreiben an Gernot Schmidt (SPD) gewandt: "Als Ort der Wissensvermittlung soll das Museum aber auch eine weitere, eine räumliche Funktion übernehmen. Mit dem Chamisso-Museum wollen wir ein geschlossenes, historisches Ensemble herstellen. Der Abriss des Schlosses hat im Ortskern eine empfindliche Lücke gerissen. Es existiert nur noch die Villa als ehemalige Schlossdépendance. Indem das Haus öffentlich gemacht wird, bildet es den begehbaren Mittelpunkt zwischen Kirche, Schlosspark und der klassizistischen Grabkolonnade.

Das Chamisso-Museum bündelt inhaltlich diese Stätten und gibt über sie Auskunft", so Rohlfs. Der Förderverein habe es geschafft, den Museumsaufbau aus privaten Spenden zu finanzieren. Öffentliche Fördermittel standen und stehen nicht zur Verfügung. "Das ist ein beachtliches Ergebnis: Ein neues Museum in Brandenburg, das ausschließlich bürgerlichem Engagement zu verdanken ist.

In vier Jahren hat es der Verein geschafft, über 200 000 Euro zusammenzutragen. Eine Crowdfunding-Aktion im Internet, Benefizkonzerte oder Spendenaufrufe haben das alles möglich gemacht." Die Exponate der Dauerausstellung wird vielen Leihgebern und Schenkern verdankt. "Nachdem das Chamisso-Museum ein halbes Jahr der Öffentlichkeit zugänglich ist, können wir sagen, dass dieses Museum ein großer Erfolg für die Kulturlandschaft des Oderbruchs geworden ist. Die Besucher zeigen sich begeistert."

Förderantrag gestellt

Kunersdorf, so Rohlfs weiter, befinde sich im ländlichen, strukturschwachen Raum und sei wirtschaftlich auf den Tourismus angewiesen. Deshalb sei es zwingend notwendig, Einrichtungen zu etablieren, die den Wirtschaftsfaktor erhöhen. "Die interessante Kulturgeschichte ist erhaltenswert, und dazu leistet das Chamisso-Museum einen wesentlichen Beitrag." Stefan Rohlfs lädt den Landrat zum Besuch ein. Auch lässt er die fehlende Personalstelle nicht unerwähnt. Und bittet um jährliche Unterstützung. "Wir erlauben uns, für das Jahr 2020 einen Fördermittelantrag an den Landkreis zu stellen. So kann das Museumsprojekt erhalten bleiben."

Das Museum ist ein Gedenkort für den Dichter und Naturwissenschaftler Adelbert von Chamisso  (1781–1838), der im Jahr 1813 einen Sommer in Kunersdorf verbrachte und hier seine Märchennovelle  "Die wundersame Geschichte des Peter Schlemihl" schrieb.

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