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Handwerk
18 Frankfurter Meister geehrt

Lisa Mahlke / 20.10.2019, 20:04 Uhr - Aktualisiert 21.10.2019, 09:25
Frankfurt (Oder) (MOZ) Was der Schlosser kann, kann der Schmied auch. Und was der Schmied kann, kann der Schlosser nicht." Mit diesem kecken Spruch nahm Klaus-Henning Kuke am Sonnabend seinen Goldenen Meisterbrief entgegen. Geehrt wurden drei weitere Frankfurter, die vor 50 Jahren ihren Meisterbrief erhielten. Einer von ihnen, Helmut Leu, kann genauso wenig wie Kuke nach all den Jahren vom Beruf lassen. Kleine Aufträge erledigt Leu in seinem Betrieb in Markendorf-Siedlung noch immer, Kuke macht Kunstschmiedearbeiten, fährt dazu auf Messen und steht außerdem in der Ü70-Fußballmannschaft im Tor. Den Goldenen Meisterbrief in der Hand zu halten, "das schafft nicht jeder".

Handwerk am Leben erhalten

Die heute 72- und 76-jährigen Schmiedemeister haben sich jahrelang auch ehrenamtlich für ihr Handwerk engagiert. Helmut Leu war Obermeister der Innung des metallverarbeitenden Handwerks, im Oktober 1990 einer ihrer Mitgründer. Klaus-Henning Kuke war sein Stellvertreter und Vorsitzender des Lehrlingsprüfungsausschusses. Beide bildeten in ihrem Arbeitsleben jeweils um die 30 angehenden Schmiede aus, "um das Handwerk am Leben zu halten", sagen sie.

Dass es weiter lebt, bewies die Meisterfeier der Generationen, zu der die Handwerkskammer Frankfurt - Region Ostbrandenburg am Sonnabend in die Konzerthalle geladen hatte. Neben den 24 Meistern, die ihren Goldenen Meisterbrief entgegen nahmen, wurden auch 62 Gesellen in den Meisterstand erhoben, sechs davon aus Frankfurt. Zum Beispiel Christopher Hebbe, der einzige Jungmeister in Frankfurt aus dem Friseurhandwerk. "Endlich, endlich", wiederholt der 32-Jährige nach der Übergabe seines Meisterbriefes.

In der Großen Müllroser Straße hat er sich selbstständig gemacht, zu seinen Kunden gehören auch viele Männer, die das Aussehen ihrer Haare lieber in die Hände eines Friseurs statt einer Friseurin legen. Auch Bartpflege gehört zum Alltag des Friseurmeisters. "Das ist jetzt ein neuer Trend, das gab es damals nicht so", erzählt er. In den Beruf gelangte er durch Zufall und dachte, vielleicht sei er das Richtige – nun ist der junge Mann Meister. Genauso wie er zwischen lauter Frauen ausgezeichnet wird, so steht auch Christine Hamann aus Eisenhüttenstadt als einzige Frau zwischen ihren Elektrotechniker-Kollegen. Sie möchte einmal den elterlichen Betrieb übernehmen.

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Zu den ältesten Jungmeistern gehört der Markendorfer René Ballaschke, der Anfang des Jahres seinen 50. Geburtstag feierte. Das Maurer- und Betonbauerhandwerk ist bereits seit 34 Jahren sein Beruf, seit 2005 ist er selbstständig. Allerdings durfte er in dem Teilbereich des Hochbaus, in dem er tätig war, nur Innen- und Außenputz machen und nicht in die Statik eingreifen – bis jetzt. Denn: "Das darf man nur als Meister", erklärt der frisch gebackene Jungmeister. Das sei all die Jahre ein Handicap gewesen, irgendwann brauche man auch diesen Bereich.

Die zweite Hälfte der Wahrheit liege in der Familie: "Ich kann von meinen Kindern nicht mehr verlangen, als ich vorlebe." Seine Tochter wird 14, der Sohn 22. Dieser macht eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann – das Handwerk liegt ihm eher nicht, sagt René Ballaschke, der die Übergabe seines Meisterbriefes mit der Familie feiert. Stolz sind an diesem Tag nicht nur seine Kinder.

Vierteljahrhundert im Handwerk

Die 59 Meister, die 1994 ihre Meisterprüfung erfolgreich absolvierten, blicken am Sonnabend auf ein Vierteljahrhundert Leben und Arbeit im Handwerk zurück. Sie bekommen den Silbernen Meisterbrief überreicht – acht Frankfurter sind darunter: Dachdecker, Karosserie- und Fahrzeugbauer, Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Zentralheizungs- und Lüftungsbauer, Klempner, Modellbauer. Schornsteinfeger Tino Schrader, der im April 1994 seinen Meistertitel bekam, betritt in typischer Zunftkleidung die Bühne und muss über sich ergehen lassen, dass seine goldenen Knöpfe als Glücksbringer sehr beliebt sind.

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