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Landwirtschaft
Stiller Protest der Bauern

Direkt an der Landesstraße: Gleich an drei Stellen zwischen dem Stöffiner Berg und der Autobahnanschlussstelle Neuruppin Süd stehen die grünen Kreuze. Harald Krumhoff will so auf die Probleme der Landwirte aufmerksam machen.
Direkt an der Landesstraße: Gleich an drei Stellen zwischen dem Stöffiner Berg und der Autobahnanschlussstelle Neuruppin Süd stehen die grünen Kreuze. Harald Krumhoff will so auf die Probleme der Landwirte aufmerksam machen. © Foto: Markus Kluge
Markus Kluge / 21.10.2019, 19:15 Uhr
Ostprignitz-Ruppin (MOZ) Sie stehen an sehr guten Stellen – die grünen Kreuze als Mahnzeichen gegen die Agrarpolitik des Bundes. Der Stöffiner Landwirt Harald Krumhoff hat die Kreuze als Zeichen des Protests an der Landesstraße 16 zwischen dem Stöffiner Berg und der Autobahnanschlussstelle Neuruppin Süd in den Boden geschlagen. Dort sehen sie nun täglich tausende Autofahrer.

Zu viele Vorschriften

Krumhoff hat sich als einer der ersten Landwirte in Ostprignitz-Ruppin damit einer bundesweiten Aktion seines Berufsstandes angeschlossen, die von dem Agrarblogger "Bauer Willi" alias Dr. Willi Kremer-Schillings und anderen Landwirten angestoßen wurde. "Kurz gesagt geht es darum, dass die Bauern Sorge darum haben, dass sie nicht wissen, wie sie künftig noch weiterarbeiten sollen", sagt Maria Mundry, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes. Gefühlt würden gerade in sehr kurzen Abständen viele Verbote und Vorschriften für die Landwirtschaft erlassen, die die Arbeit der Bauern immer mehr erschweren oder in manchen Punkten sogar unmöglich machen.

"Das ist auch so", bestätigt Krumhoff. "Ich will mit den Kreuzen einfach auf die Situation der Landwirte aufmerksam machen und vielleicht mit den Menschen ins Gespräch kommen, dass sie sich über die Lage der Landwirte bewusst werden", so Krumhoff. Nach seinem Dafürhalten dürfe beim Thema Umweltpolitik nicht ständig die Schuld bei den Bauern gesucht werden, die dann alles allein ausbaden sollen.

Kritik am Agrarumweltpaket

Jüngstes Beispiel, das den Bauern Sorgen bereitet: das Agrar­umweltpaket, das die Bundesregierung Anfang September verabschiedet hat. Dieses beinhaltet ein Aktionsprogramm zum Insektenschutz inklusive Einschränkungen bei der Anwendung von Pflanzenschutz- und Düngemitteln, die Einführung eines Tierwohllabels und die Verknüpfung der Agrarförderung mit dem Umweltschutz.

Das Problem: "Keiner weiß genau, was jetzt passiert. Niemand kennt die Rahmenbedingungen", sagt Mundry. Die Landwirte befürchten vor allem einen steigenden bürokratischen Aufwand und die damit verbundenen Hürden. Die neuen Einschränkungen bei der Bewirtschaftung der Flächen würden möglicherweise sogar dafür sorgen, dass in der Region gar kein Brotgetreide mehr angebaut werden kann. "Denn dafür muss man eine sehr gute Qualität erreichen", so Mundry.

Pflanzenschutzmittel dürfen die Landwirte zwar einsetzen – wenn auch nur in einem beschränkten Rahmen und auf Antrag. Für die Genehmigungen seien die Landkreise zuständig. Wie genau die Verfahren dafür aussehen müssen, sei aber nicht klar. Da auch jeder Kreis selbst entscheiden darf, befürchtet Mundry, dass die Behörden eher zurückhaltend reagieren werden. "Wenn jemand aber einen Schädling in seinem Bestand hat, muss schnell entschieden werden, bevor es zu spät ist", so die Verbandsgeschäftsführerin: "Es stehen einfach zu viele Fragen im Raum."

Die Aktion der Landwirte will Mundry nicht als Anti-Haltung verstanden wissen. "Kein Bauer hat ein Problem damit mitzuwirken. Jeder Landwirt lebt von seinem Boden, und er hat nichts davon, wenn er diesen auslaugt. Niemand weiß besser als der Landwirt, was er von seinem Boden hat", sagt sie. Wenn die Auflagen allerdings steigen, wirke sich das auch auf die Preise aus. "Es heißt Landwirt, weil ein Bauer wirtschaften muss. Er muss seine Betriebskosten auch decken können", betont Mundry. Kann der Landwirt die Ausgaben beispielsweise für den Naturschutz nicht umlegen, müsse sich der Bund daran beteiligen, fordert sie.

Der Protest der Landwirte wird heute etwas lauter. Bundesweit finden unter dem Motto "Land schafft Verbindungen – wir rufen zu Tisch!" Aktionen statt. Nach Berlin wird zu einer Kundgebung eingeladen. An der Sternfahrt dorthin beteiligen sich auch Bauern aus Ostprignitz-Ruppin mit ihren Landmaschinen.

Verkehrsbehinderungen

Landwirte aus Brandenburg beteiligen sich heute an einer Sternfahrt nach Berlin unter dem Motto "Land schafft Verbindungen".

Aus dem Kreiswerden mehr als 30 Bauern erwartet. Auf der L14 zwischen Kyritz und Wittstock sowie auf der B5 zwischen Kyritz und Berlin ist deshalb mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen. Aus Wildberg starten ab 5.45 Uhr Landwirte über die B 167 nach Bückwitz.⇥kus

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