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Die Kita Zwergenland war in den Ferien kürzer geöffnet – die Information dazu bekamen Eltern einen Tag vorher.

Kinderbetreuung
Verkürzte Kita-Zeiten stressen Strausberger Eltern

Symbolbild
Symbolbild © Foto: Daniel Naupold/dpa
Martin Stralau / 21.10.2019, 19:55 Uhr - Aktualisiert 22.10.2019, 08:37
Strausberg (MOZ) Am Dienstag in der ersten Herbstferienwoche gab die Kita Zwergenland in der Peter-Göring-Straße auf einem Aushang bekannt, dass sie ab dem nächsten Tag und bis zum Ferienende anderthalb Wochen später bereits um 15.30 Uhr schließt. Regulär ist die Kita montags bis donnerstags von 6 bis 17.30 Uhr und freitags bis 17 Uhr geöffnet. Grund für die verkürzte Öffnung sei die Personalsituation, hieß es. Eine Notbetreuung gebe es nicht, der Träger, die Stadtverwaltung, sei informiert.

Anfrage durch Stadtverordneten

Viele Eltern erfuhren erst beim Abholen ihres Kindes davon, dass die Kita ab dem nächsten Tag früher schließt. "Ich weiß von vielen Mamas, die hektisch ihr Telefon gezückt haben, um mit ihrem Arbeitgeber zu sprechen", erzählt eine betroffene Mutter, die anonym bleiben will. Sie selbst habe die Situation gut lösen können, weil sie in Strausberg und Gleitzeit arbeite. "Aber viele Mütter arbeiten in Berlin – oft im Handel mit festen Arbeitszeiten – und haben keine Großeltern vor Ort", sagt sie. Sie selbst habe ausgeholfen, indem sie ein anderes Kind mit abgeholt habe. "Was uns sauer aufstößt, ist diese Verkürzung von einem auf den anderen Tag", sagt sie. In der Kita Zwergenland sei das in diesem Jahr schon mehrmals vorgekommen, meist in den Ferien.

Der Stadtverordnete Thomas Urbach (CDU), an den sich betroffene Eltern gewandt hatten, griff das Thema in einer Anfrage zur jüngsten Stadtverordnetenversammlung auf. "Es wurden weder die Eltern vorgewarnt (...) noch gab es Alternativvorschläge, um eine längere Betreuungszeit abzusichern", kritisierte er in einem Schreiben an Bürgermeisterin Elke Stadeler (parteilos). Sicher sei aus Personalmangel in einer Notsituation ausnahmsweise eine verkürzte Betreuungszeit umsetzbar, die Frage sei aber, wie die Kita in dieser Situation mit den Eltern umgehe. "Der Kitaplatz soll doch gewährleisten, dass, gerade auch für arbeitende Eltern, eine Betreuung während der Arbeitszeit gesichert ist." Er erinnerte daran, "dass die meisten Eltern einen hohen monatlichen Elternbeitrag für die Betreuungszeit zahlen".

Elke Stadeler verwies in ihrer Antwort darauf, dass in der Ferienzeit durchschnittlich sechs Beschäftigte in der Kita fehlten. Zu planmäßigen Urlauben, die zu kompensieren gewesen wären, seien Krankmeldungen gekommen. Diese hätten eine Betreuung der Kinder, ohne eine Kindeswohlgefährdung verantworten zu müssen, nicht zugelassen.

Auswertung mit Kita

Um bei Personalausfall reagieren zu können, gebe es eine Dienstvereinbarung zur Regelung flexibler Arbeitszeiten in den Kitas der Stadt sowie einen Notfallplan – untersetzt mit Maßnahmen, die in diesen Fällen geprüft würden. Zum Beispiel die Unterstützung aus anderen Einrichtungen, aber auch die Verkürzung der Öffnungszeit. Erst als letzte Möglichkeit komme eine Schließung in Frage, dann müsse die Notfallbetreuung in anderen Einrichtungen erfolgen. Seitens des Trägers und der Einrichtung werde alles getan, "um die vertraglich vereinbarte Betreuung eines jeden Kindes zu gewährleisten". "Die besonders prekäre Situation" in den Ferien "werden wir als Träger mit der Einrichtung auswerten", schrieb Elke Stadeler.

Kommentar: Handeln statt Herausreden

Wenn ich für eine Leistung bezahle, dann darf ich völlig zu Recht erwarten, dass diese auch erfüllt wird. Das gilt für die Reparatur meines Autos genauso wie fürs Haareschneiden und erst recht für die verantwortungsvolle Aufgabe der Betreuung meines Kindes – und zwar zu den vertraglich vereinbarten Zeiten. Das gilt selbst dann, wenn den Elternbeitrag das Amt für mich bezahlt. Schließlich gibt es dafür plausible Gründe, für die in Deutschland zahlreiche Nachweise erbracht werden müssen.

Kinderbetreuung darf kein Zufallsprodukt sein, streng genommen müsste sie sogar kostenlos sein. In jedem Fall aber muss sie verlässlich sein – und das heißt, planbar. Fast jeder hat Verständnis dafür, wenn eine Kita als Ausnahme für ein oder zwei Tage verkürzt geöffnet hat, weil aufgrund einer Notsituation Erzieher fehlen. Solange da­rüber rechtzeitig informiert wird. Wenn diese Ausnahme aber häufiger vorkommt, dann gibt es ein strukturelles Prob­lem. Dann muss die Stadt als Träger dringend handeln und darf sich nicht herausreden.⇥Martin Stralau

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