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Binnenfischerei
Die Rückkehr der Maränen im Scharmützelsee

Überraschender Fang: Scharmützelsee-Fischer Uwe Grohmann zeigt eine Große Maräne, die er am Dienstag neben Barsch, Schleie und Zander aus dem Netz geholt hat.
Überraschender Fang: Scharmützelsee-Fischer Uwe Grohmann zeigt eine Große Maräne, die er am Dienstag neben Barsch, Schleie und Zander aus dem Netz geholt hat. © Foto: Bettina Winkler
Bettina Winkler / 23.10.2019, 06:30 Uhr
Bad Saarow (MOZ) Für die Fischer vom Scharmützelsee hat die herbstliche Fangsaison begonnen. Schon in den frühen Morgenstunden ist Uwe Grohmann mit seinem Boot auf dem 12 Quadratkilometer großen Gewässer unterwegs. Er holt die Fischernetze ein.

Gegen Mittag steuert Grohmann mit seinem Fang den Heimathafen bei Schwarzhorn in Wendisch Rietz an. Ein Lächeln liegt auf seinem Gesicht. "Die Ausbeute ist super", sagt Uwe Grohmann stolz. 35 kapitale Barsche, ein Hecht, acht Schleie und vier Zander sind die Ausbeute. Und als Krönung noch eine Große Maräne – auch Ostseeschnäpel genannt. Bis jetzt wurden im Scharmützelsee nur relativ wenige Exemplare der wertvollen Speisefische gefangen. "Dieser ist 30 Zentimeter groß und bringt 800 Gramm auf die Waage", schätzt Grohmann.

Maränen schon 1951 eingesetzt

Die lachsartigen Fische sind keine invasiven Einwanderer, sie wurden gezielt angesiedelt, informiert Dr. Jacqueline Rücker vom Lehrstuhl Gewässerschutz der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg: Fischbrut von Kleinen Maränen wurden schon 1951 bis 1989 im Scharmützelsee eingesetzt. Bereits Ende der 1950er Jahre konnten Maränen "geerntet" werden. Die Fischerträge schwankten zwar, aber bis Ende der 1970er Jahre wurden regelmäßig Maränen gefangen. Da sich die Wasserqualität in den darauffolgenden Jahren durch zunehmende Einleitung von unzureichend geklärten häuslichen Abwässern durch die wachsende Bevölkerung  deutlich verschlechtert hatte, gingen die Fischerträge dementsprechend zurück und die Besatz-Maßnahmen wurden eingestellt.

Nach der Wende wurde die Abwasserentsorgung um Bad Saarow durch eine Ringleitung und das Klärwerk Storkow verbessert, sagt Jacqueline Rücker: "Dadurch stabilisierte sich die Wasserqualität im See. Er ist klarer geworden, die Schwefelwasserstoffbildung ist zurückgegangen und das Sauerstoffniveau  besser". So kam bei Wissenschaftlern und Fischereibehörde bald die Frage auf, ob sich die Wiederansiedlung der Maräne erneut lohnen könnte. Fischer wie Grohmanns Kollege Oliver Kobelt vom Fischland Scharmützelsee, Fischereigenossenschaft Storkow, reagierten positiv auf das Anliegen: "Der Zander mag eher trübes Wasser, deshalb  geht der Bestand zurück. Die Maräne wäre eine Alternative als Speisefisch", sagt er.

Seit 2013 werden unter Betreuung des Institutes für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow (IfB) wieder jährlich 0,4 bis 1,2 Millionen Fischlarven eingesetzt. Allerdings hat man sich für die Große Maräne entschieden, da diese Art weniger empfindlich ist als die Kleine Maräne. Finanziert wird die Maßnahme aus der Fischereiabgabe. Der Lehrstuhl Gewässerschutz  begleitet dieses Projekt im Rahmen eines Kooperationsvertrages mit dem IfB.  "Wir stellen den Fischern und dem IfB unsere regelmäßigen Sauerstoff- und Temperaturmessdaten, die 14-tägig erhoben werden, sowie monatliche Messungen der Nährstoffkonzentrationen zur Verfügung", erklärt  Jacqueline Rücker.

Erste Erfolge stellen sich ein

Die Scharmützelsee-Fischer sind optimistisch. Nach sechs Jahren zeigen sich erste Fangerfolge: Vereinzelt sind in den Fischernetzen Große Maränen als Beifang zu finden. Dabei soll es sich um Tiere aus den Besatz-Maßnahmen handeln. Es gibt laut IfB noch keine Hinweise, dass sich die Große Maräne selbst im Scharmützelsee vermehrt. Überraschenderweise wurden bei den jährlichen wissenschaftlichen Befischungen des Instituts auch Kleine Maränen gefangen. Das bedeutet: Einige wenige Exemplare haben die schlechten Jahre überdauert und eine kleine Restpopulation vermehrt sich noch regelmäßig im Scharmützelsee.

Steckbrief zum Fisch

Die Große Maräne ist eine lachsartige Fischart (Salmonidae) aus der Unterfamilie der Renken und Verwandte.

Der bevorzugte Lebensraum ist das kalte Tiefenwasser von klaren Seen. Das Durchschnittsalter einer Maräne beträgt vier Jahre.  Sie wird 50 Zentimeter lang.

Der Fisch lebt in Schwärmen und ernährt sich von Wasserflöhen, Krebsen und Muscheln.

Maränen haben ein unterständiges Maul, wobei der Unterkiefer kürzer als der Oberkiefer ist. Zudem haben sie die typische Fettflosse der Salmonidae (Lachsfische).

Laichzeit ist im Dezember im flachen Wasser in der Nähe des Uferbereichs.⇥bw

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