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Jeden Tag wächst die neue Erdgasleitung quer durch Ostdeutschland. In der Uckermark ist der Bau schon rasant fortgeschritten.

Eugal-Trasse
Unterirdische Gas-Autobahn

Oliver Schwers / 23.10.2019, 06:45 Uhr
Pinnow (MOZ) Beeindruckend: Gleich 170 Meter des langen schwarzen Stahlwurms sinken gleichzeitig in den vorbereiteten Graben bei Pinnow. Gehalten von neun starken Kranarmen. Die Spezialfahrzeuge sind mit sogenannten Seitenbäumen ausgestattet. Sie haben ein Gegengewicht auf einer Seite, um nicht mit ihrer tonnenschweren Last abzustürzen. Das verschweißte Rohr hängt in dicken Schlaufen. Sobald ein Stück der neuen Ferngasleitung sicher in der Erde liegt, rollen die Kräne weiter entlang der Trasse. Der Laie staunt über die Flexibilität der 23 Millimeter starken Stahlrohrwände. Was so spielend leicht aussieht, ist ein Stück langer Erfahrung und eine gehörige Portion Fingerspitzengefühl. Ein Mann steht am Rand der Baugrube und koordiniert über Funk alle Raupenfahrer.

Doch zuerst müssen Pumpen ran. Durch das Oberflächenwasser der vergangenen Tage und Wochen ist der schon lange vorbereitete Graben vollgelaufen. Sieht aus wie ein kleiner Kanal. Mehr Wasser als gedacht. Zwar könnten die Kräne den Endloswurm auch so verlegen, doch verbietet das die Qualitätssicherung. Also pumpen. Doch den Arbeitern unter der Regie des Leitungsbetreibers Gascade machen solche Kleinigkeiten nichts aus. Der Sommer in der Uckermark hat ihnen das trockenste Bauwetter angeboten, das man sich dafür überhaupt nur wünschen kann. Kein Wunder, dass schon ein Großteil beider parallel liegender Rohre im Boden liegt. Vom ersten Strang sind bereits 480 Kilometer verschweißt und abgesenkt. Vom etwas kürzeren zweiten Strang haben die Firmen auch schon 222 Kilometer verschweißt und 76 Kilometer abgesenkt. Und es geht täglich mit großen Schritten weiter.

Zurzeit sind zwischen Polßen und Wriezen an den Baulosen 5 und 6 insgesamt rund 350 Arbeiter aus 30 Nationen im Einsatz. Die Bauleitung für diesen Abschnitt befindet sich in Angermünde. Viele haben ihre Familien mitgebracht. Sie bevölkern Hotels, Gästezimmer, Privatherbergen und auch leere Wohnungen. Durch die monatelange Baustelle gehen die Kinder hier zur Schule, lernen Deutsch, haben Freunde gefunden. Einige machen sogar in Sportvereinen mit.

Den stärksten Eindruck von den Ausmaßen der neuen Doppelleitung hat man am Schönermark Bahnhof. Hier zieht das schwarze quer durch das Welsebruch hindurch, unterquert Straßen und Bahnlinie und verschwindet in weitem Bogen am Horizont.

Rekultivierung gesichert

Gebaut wird an allen Stellen der Leitung gleichzeitig. "Den größten Wert legen wir auf die Rekultivierung", sagt Henry Pagel von der Bauleitung. Sobald alle Qualitätskontrollen und Prüfungen abgeschlossen sind, kommt Erde auf die Rohre, danach der Mutterboden des beiseite geschobenen Ackers. Jeder Bauer soll am Ende zufrieden sein. Auch die Drainagen werden wieder instandgesetzt. Ernteausfälle durch die gestörte Bodenstruktur zahlt der Betreiber noch über mehrere Jahre im Nachgang. Oberirdisch sind dann nur noch gelbe Pfähle zu sehen, die den Leitungsverlauf anzeigen. Und die Absperrstationen, die alle 15 bis 18 Kilometer eingebaut werden.

Wenn das Gas irgendwann aus dem Osten kommt, ist oben kaum etwas davon zu hören. In Radfahrgeschwindigkeit fließt es dann unter der Uckermark hindurch.

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