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Am Gustav Seitz Museum Trebnitz wurde im Rahmen der aktuellen Ausstellung eine Bronzefigur enthüllt.

Bronzefigur
Lauschende am Schloss-Campus Trebnitz enthüllt

Doris Steinkraus / 29.10.2019, 06:00 Uhr
Trebnitz (MOZ) Sie hat ihren Platz im entstehenden Museums-Park neben dem Gustav- Seitz-Museum in Trebnitz – die zwei Meter hohe 1968 von Gustav Seitz geschaffene "Große Lauschende". An diesem Sonntagnachmittag lauscht sie den Stimmen der vielen, die gekommen sind, um sie zu bewundern. "Sie lauscht Richtung Schloss den Chören, Orchestern und dem fröhlichen kreativen Tun der vielen Kinder und Jugendlichen in der Bildungs- und Begegnungsstätte", erklärt Wolfgang van Gulijk von der Gustav-Seitz-Stiftung die Standortwahl. Sie werde genauso dem Geschehen im Gustav-Seitz-Musem lauschen und dem im Bundesarchiv für Heilpädagogik. "Die Figur symbolisiert ein Stück Gemeinschaft, die sich auf diesem Campus entwickelt hat", so van Gulijk.

Die Figur wurde erst in diesem Jahr im Auftrag der Stiftung in der Bronzegießerei Barth als weitere Originalbronze für das Museum gegossen. Am 26. Oktober jährte sich der 50. Todestag des renommierten Bildhauers, der mit seiner bedingungslosen Hinwendung zur menschlichen Figur ganze Generationen von Nachkriegs-Künstlern prägte. Der einst in Altlangsow lebende und 2010 verstorbene Bildhauer Werner Stötzer war einer von ihnen. Er war Meisterschüler bei Seitz, den er hoch schätzte und mit dem ihn bis zu dessen Tod 1969 in Hamburg eine tiefe Freundschaft verband.

Hommage an großen Bildhauer

Zum ersten Mal überhaupt sind in einer Ausstellung unter dem Titel "Gustav Seitz und Werner Stötzer – Meister der Figur" Arbeiten von beiden Bildhauern – sowohl Figuren als auch Zeichnungen – zu sehen. Die Enthüllung der "Großen Lauschenden" reihte sich ein in das Programm der Ausstellung. Simone von Zglinicki, Schauspielerin am Deutschen Theater Berlin, nahm die Besucher am Sonntag mit auf eine Zeitreise mit Stötzer, den viele im Raum als Künstler und Freund gut kannten und hoch schätzten. Sie hatte sorgsam aus Publikationen, Katalogen und autobiografischen Aufzeichnungen Texte von und über Stötzer ausgewählt.

Sie las aus dessen Erinnerungen an die Kinderjahre im thüringischen Steinach, wo er als Zehnjähriger angesichts eines Zuges von KZ-Häftlingen durch den Ort erstmals mit den Schrecken der Nazidiktatur konfrontiert wurde. Er, der Hitlerjunge, sah dies alles als jemand ohne Mut, resümiert er später. Das Erlebte und der Krieg prägten den Künstler zeitlebens.  "Inmitten des noch arg zerstörten Berlins stand ich in der Nationalgalerie vor der Eva, und sie erschien mir nach dem ersten freudigen Schreck ... als etwas Nützliches in der Zerstörung, durch die ich gekommen war", zitierte Simone von Zglinicki Werner Stötzers erste Begegnung mit dem Werk von Gustav Seitz. Er wurde dessen Meisterschüler. Man müsse nur im Stein die Form erkennen und sie herausschlagen, so einfach sei Bildhauerei, beschrieb Stötzer. Das dauere manchmal Wochen oder auch Jahre. Doch der Stein gebe den Inhalt vor.

Die Besucher hörten Geschichten aus der Zeit Stötzers in Altglienicke, wo er Mitglied der Feuerwehr war, vom Film über ihn in "Der nackte Mann auf dem Sportplatz" von Konrad Wolf, von seiner Begeisterung für Louis Armstrong,  seinen Begegnungen mit Kunst-Größen wie Bertolt Brecht, Harald Metzges oder Fritz Cremer, seinen Schaffenstagen in Altlangsow mit  Ehefrau und Bildhauerin Sylvia Hagen und dem unvergessen Hund Lumpi. Werner Stötzers Werke sind in vielen öffentlichen Räumen zu sehen, so wie auch die von Gustav Seitz.

Ausstellung Seitz-Stötzer, Gustav-Seitz-Museum Trebnitz  bis 29. März 2020, geöffnet Mi – So von 11 – 17 Uhr;Mehr Infos unter Tel. 033477-549770, E-Mail: info@gustav-seitz-museum.de

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