Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Mauerfalljubiläum
Ein Galerist wächst über sich hinaus

Fast zehn Monate harter Arbeit liegen hinter ihm: 30 Künstlerinnen aus Deutschland, Israel und Korea holt Jörg Zieprig für eine Ausstellung zum Mauerfalljubiläum nach Zehdenick.
Fast zehn Monate harter Arbeit liegen hinter ihm: 30 Künstlerinnen aus Deutschland, Israel und Korea holt Jörg Zieprig für eine Ausstellung zum Mauerfalljubiläum nach Zehdenick. © Foto: Martin Risken
Martin Risken / 30.10.2019, 08:00 Uhr
Zehdenick (MOZ) Die diplomatischen Vertretungen von Nordkorea und Israel blockten gleich ab, also sie das Wort "Mauer" hörten. Bei der Kulturabteilung der südkoreanischen Botschaft rannte Galerist Jörg Zieprig hingegen offene Türen ein, als er sein Konzept für die Mauerfall-Jubiläums-Ausstellung vorstellte. 30 Künstlerinnen blicken auf das Ereignis vom 9. November in einer großen Gemeinschaftsausstellung, die am Sonntag, 3. November, um 15 Uhr unter anderem vom Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, in der Klosterscheune eröffnet wird. Es sollten Künstlerinnen ausstellen, die in ihren Heimatländern arbeiten. Auch wenn die israelische Botschaft nicht hinter dem Projekt stehe, so sei es ihm dennoch gelungen, eine in Israel lebende Jüdin und eine mit arabischen Wurzeln für das Mitmachen zu begeistern. Nur auf eine Künstlerin aus Nordkorea muss Jörg Zieprig verzichten. "Alle haben mir letztlich davon abgeraten, es weiter mit Nordkorea zu versuchen." Nicht einmal eine in Deutschland lebende nordkoranische Künstlerin konnte der Galerist ausfindig machen. Eine zu starke Politisierung der Kunstschau will Zieprig auf jeden Fall vermeiden.

Historische Dimensionen

Eine derartig große Ausstellung ist einmalig in der fast 20-jährigen Geschichte der Klosterscheune Zehdenick. Begleitet wird die Kunstschau mit einer Vielzahl von Veranstaltungen, die bis Ende Januar 2020 geboten werden und die mit vielen Stargästen aufwarten kann. Geradezu euphorisch preist Jörg Zieprig als Initiator des Projektes die Mauerfall-Jubiläumsausstellung an: Schließlich gibt die Schau einen tiefen Einblick in die sehr lebendige Kunstszene der DDR. "Es sind Frauen dabei, die sich Gedanken gemacht haben über ein kleines Land wie die DDR. Die Schau zeigt die Offenheit der DDR-Kulturszene und welche Freiheiten sich die Künstler erkämpft haben. Er habe den Künstlerinnen keine Vorschriften gemacht, was sie an Kunst ausstellen sollen. Gezeigt werden nämlich keineswegs nur Bilder und Skulpturen, sondern auch Teppiche und Kurzfilme, die in einer Dauerschleife während der Vernissage gezeigt werden sollen. "Für mich war es eine Bereicherung, was ich an Rückmeldungen erhalten haben", sagt Zieprig, der aber auch einräumt, dass die Organisation einer solcher Veranstaltung eigentlich von einer einzigen Person kaum zu bewältigen war. "Es war für einen fast zu viel an Arbeit", räumt er ein. Zum Teil nahm Zieprig nicht nur Kontakt mit den Künstlerinnen auf, sondern holte die Werke auch noch ab. So fuhr er unter anderem bis nach Rostock.

Dass ausschließlich Frauen auf den Mauerfall blicken, ist natürlich gewollt. "Frauen gehen mit so einem Thema sensibler um  und nicht mit dem Holzhammer, wie es einige Männer tun", so Zieprig, der in diesem Zusammenhang von einer "sehr optimistischen Ausstellung spricht, die Hoffnung, Zuversicht und Kraft ausstrahlt". Sie werde, da ist sich der Galerist sicher, "viele Menschen bewegen". Die 30 begleitenden Veranstaltungen werden das auf jeden Fall tun.

Hanns Zischler kommt

Viele Einzelveranstaltung sind prominent besetzt: So hat sich für den 12. Dezember der bekannte Schauspieler Hanns Zischler angekündigt, der im Film des Regisseurs Jean-Luc Godard "Germany neuf zero 90" eine zentrale Rolle spielt. Oder das Konzert mit Uschi Brüning, die schon des Öfteren mit dem Schauspieler Manfred Krug auf der Bühne stand. Sie gibt am 15. Dezember ein Gastspiel. Nicht weniger renommiert sei das "Vogler Quartett", das des Öfteren im Leipziger Gewandhaus und in der Philharmonie in Berlin klassische Konzert gibt. "Dieses Konzert wird sicherlich ausverkauft sein", rechnet Zieprig mit großer Resonanz.

Froh ist Jörg Zieprig, dass es relativ einfach war, namhafte Sponsoren zu finden. Das Kulturministerium des Landes Brandenburg fördere die Ausstellung mit einer "relativ großen Summe". Alles andere als kleinlich zeigten sich die Firma Gelsenwasser, der Hauptanteilseigner der Stadtwerke Zehdenick, sowie die Friedrich-Ebert-Stiftung und einige andere mehr.

Ein breites künstlerisches Spektrum

Mit Ausstellung, Filmen, Konzerten, Lesungen, Tanz, Theater, Diskussionen und Workshops würdigte die Klosterscheune Zehdenick das Mauerfalljubiläum mit 30 Veranstaltungen bis Ende Januar.

Die Vernissage findet am Sonntag, 3. November, ab 15 Uhr statt. Die Ausstellung unter dem Titel "Hinter/vor und nach der Mauer" ist bis zum 27. Januar 2020 zu sehen.⇥red

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG