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Trennungskinder
FDP will Sorgerecht umbauen

Katrin Helling-Plahr (FDP) trägt bei der namentlichen Abstimmung zur Grundsteuer ihr Baby durch den Plenarsaal.
Katrin Helling-Plahr (FDP) trägt bei der namentlichen Abstimmung zur Grundsteuer ihr Baby durch den Plenarsaal. © Foto: dpa/Michael Kappeler
Michael Gabel / 11.11.2019, 07:30 Uhr
Berlin (NBR) Die FDP-Bundestagsabgeordnete Katrin Helling-Plahr hat die Haltung der Unionsfraktion zu einer Reform des Sorge- und Umgangsrechts scharf kritisiert.

"Dass Kinder nach einer Trennung lediglich bei einem Elternteil aufwachsen und das andere nur besuchen, ist nicht mehr zeitgemäß", sagt die Rechtsexpertin der FDP-Fraktion dieser Zeitung. Im Gegensatz zu diesem derzeit vorherrschenden Residenzmodell favorisiere sie deshalb, dass Kinder nach einer Trennung der Eltern im Wechselmodell betreut werden. Bei der geplanten Reform solle dieses als gesetzlicher Regelfall festgelegt werden, "sofern es keine einvernehmliche Regelung der Eltern gibt".

Beim Wechselmodell verbringen Kinder etwa gleich viel Zeit bei beiden Elternteilen. Oft wird der Nachwuchs im Wochenwechsel betreut. Das bedeutet aber beispielsweise auch, dass in jedem Haushalt ein eigenes Kinderzimmer vorhanden sein muss. Die Zahlung von Kindesunterhalt von einem Elternteil an den anderen ist in der Regel nicht vorgesehen.

Helling-Plahr betont, dass das Wechselmodell zum einen dem Kindeswohl am besten Rechnung trage. Zum andern führe es durch die partnerschaftliche Aufteilung der Erziehungsverantwortung zu "gleichen Teilhabemöglichkeiten von Männern und Frauen am Arbeitsmarkt". Es lasse wesentlich flexibler ausgestalten, als das beim Residenzmodell der Fall sei. "Damit wird das Wechselmodell der heutigen Realität vielfältiger Familienkonstellationen am besten gerecht", ist die Liberale überzeugt.

Ministerium plant Reform

Es gehe ihr im Übrigen nicht um eine Aufteilung der Betreuungszeiten im Verhältnis eins zu eins. "Bei unserem Modell ist auch ein Betreuungsanteil von 70 zu 30 Prozent möglich." Unionsfraktions-Vize Thorsten Frei hatte zuvor das Wechsel­modell als "schematisches Betreuungsmodell" bezeichnet, das bei der Suche nach individuellen Lösungen zum Wohle des Kindes "eher hinderlich als förderlich" sei.

Eine vom Bundesjustizministerium eingesetzte Expertenkommission hatte eine umfassende Reform des Sorge- und Umgangsrechts für Kinder getrennt lebender Eltern empfohlen. Die Neuregelung müsse "die elterliche Verantwortung stärken, die Gestaltungsmöglichkeiten der Eltern verbessern und einvernehmliche Lösungen erleichtern und fördern". Man werde den Bericht nun prüfen, heißt es aus dem Ministerium. Die Festlegung auf ein bestimmtes Modell, etwa das Wechselmodell, empfehlen die Experten nicht.

Die FDP-Frau bedauert das. Faktisch existiere mit dem Residenzmodell bereits jetzt ein Standardmodell, das "die Gesetzgebung, die Familienrechtspraxis und das Jugendhilfesystem über lange Zeit geprägt" habe, sagt Helling-Plahr. Im Zuge einer umfassenden Reform müsse man sich davon lösen.

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