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Mehrere Wölfe haben auf einer Koppel am Wald bei Rießen zwei Kamerunschafe gefressen und ein drittes weggeschleppt. In der Region leben mehrere Rudel.

Raubzug
Wölfe graben sich unterm Koppelzaun durch

Frank Groneberg / 11.11.2019, 19:55 Uhr
Rießen (MOZ) Sie dürften auf jeden Fall satt geworden sein – jene Wölfe, die in der Nacht zum 8. November auf einer Waldkoppel am Rande des Dorfes Rießen drei Schafe gerissen haben. Am Montag hat die MOZ darüber berichtet, dass Wölfe in der Nacht zu Sonnabend in Schernsdorf (Gemeinde Schlaubetal) einen Schafsbock und ein Lamm gefressen und zwei Lämmer offenbar mitgenommen haben. Bereits eine Nacht zuvor hatten sich die grauen Räuber in der Nachbargemeinde gütlich getan – in Rießen, einem Ortsteil der Gemeinde Siehdichum.

Dort wohnt Günter Gutzmann. Seit 35 Jahren hält er auf seinem 6000 Quadratmeter großen Grundstück Schafe, glänzend braune Kamerunschafe, als Hobby. Auch Kaninchen, Enten und Hühner waren schon auf seinem Gehöft zu Hause – größere Verluste durch einen Übergriff mehrerer Raubtiere gab es bislang aber nicht. "Der Habicht hat sich mal ein Huhn geholt", erzählt er. Auch der Fuchs sei mal erfolgreich auf sein Grundstück vorgedrungen. Doch das, was er am vergangenen Freitag sah, das habe ihn doch ein bisschen erschreckt.

Schafsbock war sehr zutraulich

Seine Koppel befindet sich etwas abseits des Ortes Rießen. Das Stück Grünland ist rundum von Wald umgeben. Drei Kamerunschafe lebten bis Freitag auf der Koppel. Zwei Muttertiere und ein Bock. Am Freitag wird Günter Gutzmann nicht wie sonst von seinem Schafbock, der auch gerne mal Streicheleinheiten einforderte, begrüßt. Der Bock liegt leblos im Gras. Oder besser: Das, was von ihm übrig ist, liegt leblos im Gras. Der Kopf, die Beine, das Rumpfskelett mit ein wenig Fleisch dran und das Fell – mehr existiert nicht mehr von dem Tier. Die Reste des einen Muttertieres sind noch geringer: der Kopf, das Fell, die abgenagten Knochen – alles andere wurde gefressen. Vom zweiten Mutterschaf fehlt jede Spur – offenbar haben die Wölfe es mitgenommen. Als Vorrat. Für ihre Welpen. Oder sie haben es anderswo im Wald verspeist – ohne die Gefahr, beim Mahl gestört zu werden.

Die Szenerie ist ein praktischer Beweis dafür, dass Wölfe keine "Killer" sind, wie mancher behauptet. Die grauen Räuber haben die Schafe nicht getötet um des Tötens willen, sie haben sie gefressen. Für Günter Gutzmann ist das natürlich ein schwacher Trost. "Jetzt fehlt mir was", sagt er. Und er erzählt, dass seine Kamerunschafe meist sogar in der offenen Koppel leben und im Wald nach Futter suchen, bisher aber immer zurückgekehrt sind. In der Nacht zu Freitag war die Koppel verschlossen. Der etwa 1,50 Meter hohe Zaun, der nicht eingegraben ist, war aber kein wirkliches Hindernis für die Wölfe: Sie haben unterm Zaun Löcher gegraben, durch die sie auf die Koppel gelangten. "Ein Nachbar hatte mich immer gewarnt, ich soll meine Schafe nicht im Wald rumlaufen lassen", berichtet Günter Gutzmann, "nun ist es passiert, aber nicht im Wald."

Ein Gutachter, ein Wolfsbeauftragter des Landesumweltamtes, hat am Freitag die Reste der Schafe und insbesondere die Bissspuren untersucht. Ob er sich jetzt nochmal neue Kamerunschafe kaufen wird – darüber will Günter Gutzmann erst noch gründlich nachdenken. "Ich bin 80", sagt er, "und die Tiere wollen ja auch versorgt werden. Das macht viel Arbeit und wird mit den Jahren nicht leichter. Ich weiß noch nicht, ob ich mir noch mal Schafe kaufen werde."

In den Wäldern um Rießen lebt seit Jahren ein Rudel Wölfe. Ein weiteres ist im Bereich Müllrose zu Hause. Die MOZ wird weiter zum Thema berichten.

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