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Medizinische Versorgung
Augenarzt-Praxis in Hansa Nord schließt

Viele Augenuntersuchungen lassen sich auch beim Optiker machen. Augenoptikermeisterin Luise Fischer (r.) von Optik Schuster untersucht die Augen von Kathrin Poy. Das Gerät misst unter anderem Hornhautdichte, Geometrie und Augeninnendruck.
Viele Augenuntersuchungen lassen sich auch beim Optiker machen. Augenoptikermeisterin Luise Fischer (r.) von Optik Schuster untersucht die Augen von Kathrin Poy. Das Gerät misst unter anderem Hornhautdichte, Geometrie und Augeninnendruck. © Foto: René Matschkowiak
Lisa Mahlke / 14.11.2019, 06:00 Uhr - Aktualisiert 14.11.2019, 07:28
Frankfurt (Oder) (MOZ) Nachdem bekannt wurde, dass Augenärztin Sabine Mierke zum 31. März ihre Praxis in Hansa Nord schließt und keinen Nachfolger hat, befürchten nun einige Patienten, im kommenden Jahr ohne Augenarzt zu sein – vor allem, nachdem in Eisenhüttenstadt vergangene Woche 150 Menschen teilweise mehr als vier Stunden auf einen Augenarzttermin warteten.

Obwohl drei der aktuell acht Augenärzte in Frankfurt über 60 sind, ist Sabine Mierke die einzige, die ihre Praxis abgeben will. Das teilte die Kassenärztliche Vereinigung (KVBB) auf Nachfrage mit und betont: "Es gibt kein Höchstalter für Ärzte."

Droht ein Mangel?

Auf die Frage, ob in Frankfurt ein Augenarztmangel droht, antwortet die KVBB mit der Information, dass der Versorgungsgrad bei 127,5 Prozent liegt. Abgesehen von Nachbesetzungen und Sonderbedarfen sind also keine Augenarztsitze zu vergeben. Denn die bundesweiten Vorgaben zur Bedarfsplanung geben vor, wie viele ambulant tätige Ärzte rein rechnerisch nötig sind, um die Menschen eines Planungsbereichs – also einer Region – medizinisch zu versorgen.

So werden Frankfurt und Oder-Spree als ein Planungsbereich gefasst. In diesem gibt es 16 zugelassene und sechs angestellte Augenärzte mit 12,5 bzw. drei Versorgungsaufträgen, also Arztsitzen (s. Infokasten) – eine Arztstelle davon ist im Medizinischen Versorgungszentrum des Klinikums (MVZ) zur Nachbesetzung ausgeschrieben. Außerdem gibt es dort einen sogenannten ermächtigten Augenarzt. Dieser darf in der Regel nur auf Überweisung ambulant behandeln.

Allerdings: Anfang des Jahres lag der Versorgungsgrad mit Dermatologen in der Region noch höher, nämlich bei 130,9 Prozent – obwohl in Frankfurt ein niedergelassener Hautarzt gänzlich fehlt und es nur drei Arztsitze im MVZ gibt. Doch jede Arztgruppe hat eigene Verhältniszahlen. Der Augenarzt-Versorgungsgrad von 127,5 Prozent in der Region kommt zustande, weil in Frankfurt und LOS ein Augenarzt 18 282 Einwohner versorgen soll.

Die KVBB erstellt, so ein Sprecher, aktuell einen neuen Bedarfsplan zur ärztlichen Versorgung im Land. Um die Verhältniszahl (Einwohner pro Arzt) zu ermitteln, wird dann neben dem Alter und Geschlecht auch die Morbidität eine Rolle spielen, also die Häufigkeit der Erkrankungen in einer Bevölkerungsgruppe. Nach ersten Hochrechnungen soll sich die Zahl für Augenärzte in Frankfurt/LOS so ändern, dass weitere Zulassungsmöglichkeiten erwartet werden können, prognostiziert die KVBB,  "vorbehaltlich des Beschlusses des Landesausschusses und der kommenden Entscheidungen des Zulassungsausschusses." Diese werden Anfang 2020 erwartet. "Interessierte Augenärzte können sich gern heute schon an die Niederlassungsberatung der KVBB wenden", so ein Sprecher.

Sind Optiker eine Alternative?

Zum Erhalt der Augengesundheit kann man einige Vorsorge-Tests auch beim Augenoptiker machen, sagt Optikermeisterin Luise Fischer von Augenoptik Schuster in der Karl-Marx-Straße. Zumindest in ihrem Geschäft sind Glaukom- und Katarakt-Screenings möglich, die Hinweise auf Grünen oder Grauen Star liefern. Außerdem kann der Augeninnendruck gemessen werden. Untersuchungen für die Fahrerlaubnis sind auch möglich, erklärt sie. Bei nicht korrekten Werten werde jedoch natürlich eine eingehende ärztliche Untersuchung empfohlen.

Einen Tipp als Alternative für Augenarzt-Patienten hat die KVBB zwar nicht. Es spreche aber nichts dagegen, auch mal zwei bis drei Monate auf einen Arzttermin zu warten – wenn es sich um planbare Untersuchen handelt. Notfälle werden nicht abgewiesen, informiert die KVBB. Sie unterstreicht außerdem, dass grundversorgende Fachärzte wie Augenärzte/Orthopäden seit 1. September mindestens fünf offene Sprechstunden pro Woche anbieten müssen.

Zahl der Augenärzte in Frankfurt und Oder-Spree

Im Planungsbereich Frankfurt/LOS arbeiten aktuell 22 Augenärzte, von denen zwei der KVBB für 2020/2021 die Absicht erklärt haben, die Praxis abzugeben. In Frankfurt arbeiten acht Augenärzte mit 5,5 Arztsitzen, in Fürstenwalde vier mit 2 Arztsitzen, in Eisenhüttenstadt drei mit einem Arztsitz (zwei sind in Zweigpraxen zugelassen und werden deshalb nicht mit einem Arztsitz berücksichtigt), in Schöneiche drei mit zwei Arztsitzen, in Beeskow zwei mit jeweils einem Arztsitz, in Bad Saarow sowie Erkner jeweils einer mit je einem Arztsitz. Der volle Versorgungsauftrag ("Arztsitz") bedeutet, der Arzt bietet min. 20 Sprechstunden pro Woche an; der halbe entsprechend min. 10. ⇥sam

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