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Die Vorstellung der groß anlegten IHK-Standortumfrage stand ganz im Zeichen einer anderen Nachricht: Am Vortag hatte Tesla-Chef Elon Musk angekündigt, in Grünheide ein Automobilwerk mit bis zu 10 000 Arbeitsplätzen errichten zu wollen. Vielleicht waren deshalb nicht alle Plätze in der Burg Beeskow belegt, vermuteten die Veranstalter.

Ökonomie
IHK Ostbrandenburg durchleuchtet den Wirtschaftsstandort

MOZ / 14.11.2019, 08:30 Uhr - Aktualisiert 15.11.2019, 07:23
Beeskow (MOZ) Am Thema der Studie kann es nicht gelegen haben: Zu ersten Mal hat die IHK Ostbrandenburg Unternehmen und öffentliche Verwaltungen in Oder-Spree und Frankfurt (Oder) detailliert befragt, wie sie den Wirtschaftsstandort bewerten. Dabei waren fünf Faktoren, unterteilt in zahlreiche Untergliederungen, zu bewerten: Infrastruktur, Standortkosten, Lebensqualität, Arbeitsmarkt und Bildung, sowie das wirtschaftspolitische Umfeld.

8300 Mitgliedsunternehmen bekamen die Umfrage zugestellt, etwa 2000 entfielen dabei auf Oder-Spree. 1300 aller angeschriebenen Mitglieds-Unternehmen haben geantwortet, darunter 275 aus Oder-Spree.

Um ein grobes Fazit vorwegzunehmen: Der Wirtschaftsstandort zwischen der Oder und dem Berliner Rand wird von den befragten Mitgliedsunternehmen und Verwaltungen als durchwachsen bewertet. Dass die Verfügbarkeit mit Breitband und Infrastruktur schlecht bewertet werden würde, wird viele der Gäste dabei nicht überrascht haben. Dass aber Standortfaktoren, wie "Arbeits- und Personalkosten" sowie "Lebensqualität" von den Befragten auf einer Skala von 1 bis 4 nur mit einer mittelmäßigen "2,5" bewertet werden, wollte Jochen Freier, Chef der Arbeitsagentur Frankfurt (Oder) und Gast der IHK-Veranstaltung, nicht unkommentiert lassen. Die Lage für die Unternehmen sei mutmaßlich besser, als es die Umfragewerte widerspiegeln. Das Lohnniveau in Ostbrandenburg sei so unternehmerfreundlich wie fast nirgendwo und die Lebensqualität dank der Naturausstattung anerkannt hoch. "Das Positive besser hervorheben", fordert der Chef der Arbeitsagentur.

An der Diskussionsrunde, die von MOZ-Regionalleiter Olaf Gardt moderiert wurde, nahmen die Unternehmer Jörn Fahlisch von "Sonne 3000" aus Bad Saarow, York Schulze vom preisgekrönten ökologischen Kaffee-Kapselhersteller "UniCaps" aus Frankfurt (Oder), Randy Millatz von "Heckmann-Stahlbau" Eisenhüttenstadt, Claus Junghanns als hochrangiger Vertreter der Stadtverwaltung Frankfurt (Oder) sowie Robert Radzimanowski von der IHK teil.

Das Fazit der Expertenrunde: So schlecht, wie es die Umfrage widerspiegelt, kann das Image des Wirtschaftsstandorts gar nicht sein, wenn ein Unternehmen, wie Tesla in Grünheide in Größenordnungen investiert.

Schulze hob den Freizeitwert der Region hervor: "Wir müssen die Standortvorteile bekannter machen!" Millatz erläuterte, warum selbst die vergleichsweise niedrigen Löhne in seiner Branche immer noch happig sind: "Wir konkurrieren mit den Märkten in Osteuropa." Der Geschäftsführer des Eisenhüttenstädter Heckmann-Standortes plädiert für Investitionen in die Infrastruktur: "Die schlechte Breitbandverbindung bremst unser Wachstum!" Auch die schlechte Verfügbarkeit geeigneter Lehrlinge zählt Millatz zu den Bremsklötzen: "Wir kämpfen Jahr für Jahr, unsere Ausbildungsplätze voll zu kriegen." Wie Millatz sieht auch Radzimanowski die Infrastruktur als drängendste Baustelle: "Das beste Azubi-Ticket nützt nichts, wenn kein Bus fährt!" Für Fahlisch ist die Überschaubarkeit der Region ein Standortvorteil, da sie persönliche Kontakte erleichtert. "Mit dem richtigen Wort an der richtigen Stelle kommt man meistens weiter."

Bestandspflege beachten

Weil die Dezernentin für ländliche Entwicklung in Oder-Spree, Gundula Teltewskaja, verhindert war, musste Junghanns die Position der öffentlichen Verwaltung alleine verkörpern. In seinem Statement griff er einen Punkt auf, der auch in der IHK-Studie angesprochen worden war: Wie zufrieden sind die Unternehmen mit der Bestandspflege durch die örtliche Politik und Verwaltung? In der Umfrage hatten die Firmen in LOS nur mit einer enttäuschenden "2,7" auf der Viererskala geantwortet. "Wir müssen den Unternehmen eine größere Wertschätzung zuteil werden lassen", befand der Erste Beigeordnete der Kleiststadt.

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