Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Volleyball
Der Umgang mit der Schockdiagnose

Stefan Zwahr / 14.11.2019, 09:28 Uhr
Oranienburg (MOZ) Es gehe ihr den Umständen entsprechend, sagt Luise Rossek. Am Sonntag vor einer Woche hatte sich die Volleyballerin des VSV Havel Oranienburg im Drittligaspiel gegen den Berliner VV eine schwere Verletzung zugezogen und wird nun monatelang aussetzen müssen. "Der ganz große Schock ist verdaut."

Auf die Diagnose, die das Ergebnis einer Magnetresonanztomographie (MRT) war, konnte sich die 26-Jährige vorbereiten. "Mir war gleich klar, dass es etwas Schlimmeres ist. Das spürst du."  Wie es genau zu dem Unfall kam, vermag die Diagonalspielerin nicht zu sagen. Nach einem Angriff sei sie erst mit dem Fuß umgeknickt, dann hätte das Knie nach außen nachgeschlagen. "So richtig sauber war das vom Ablauf nicht. Ich bin aber schon tausend Mal auf dem linken Bein gelandet, ohne dass etwas passiert ist. Meine Bänder sind irgendwie wie aus Gummi." Nun ging es schief. "Meine Teammitglieder sagten, es hätte laut geknallt. Ich habe es nicht mitbekommen, weil mir Schwarz vor Augen war."

Eine knappe Woche später stand die Konsultation beim Mediziner an. "Die Frage war, ob noch mehr kaputt gegangen ist. Aber Innen- und Außenband sind okay. Das war dann das Gute. Somit war es dann eine Mischung aus Erleichterung und Frust."

Wenngleich die zurückliegenden Tage eine "Herausforderung für den Kopf" gewesen seinen, fand Luise Rossek die Kraft, um wenige Tage nach der Schockdiagnose als Zuschauerin das Spiel ihrer Mannschaft (für die sie in der dritten Saison aktiv ist) zu verfolgen. "Es tat weh", räumt die 1,82-Meter-Blondine ein. Wenngleich sie vorher wusste, dass es aus mentaler Sicht nicht einfach wird, habe der Besuch der Partie bei Rotation Prenzlauer Berg nie infrage gestanden. Gerade gegen diesen Gegner sei jede Unterstützung von außen hilfreich – zumal in dieser Situation. Mit Cara Sander (Bänderriss) verletzte sich vor Wochenfrist eine weitere Spielerin schwer. "Das Team ist sehr dezimiert", bedauert Rossek. "So lange ich es einrichten kann, werde ich auch künftig bei den Spielen vor Ort sein. So bin ich immer noch Teil des Teams."

Das macht vor allem ihr Lebensgefährte möglich. "Mein Mann unterstützt mich sehr und mutiert gerade zum Hausmädchen." Auch vom Team und dem Verein habe sie viel Unterstützung erfahren. "Wenn ich dazu in der Lage bin, will ich auch beim Training sein, mich an den Rand stellen und ein bisschen an die Wand baggern."

Die Vorstellung, über mehrere Monate nicht ihrem Sport nachgehen zu können, gefällt Luise Rossek gar nicht. Als Schwimmerin landete sie einst an der Sportschule in Potsdam. Ein Jahr danach wurde Volleyball offiziell eingeführt.  "Wahrscheinlich aufgrund meiner Größe wurde ich angesprochen. Gelangweilt vom ,Bahnenziehen’ im Einzelsport entschied ich mich, den Wechsel zu wagen und habe es seitdem nie bereut." Zwei Jahre spielte Rossek an der Sportschule Potsdam, später für den Zweitligisten VC Olympia Berlin, Rotation Prenzlauer Berg und in ihrer Heimatstadt Brandenburg für Blau-Weiß.

Die ganz große Leidenschaft galt aber immer dem Beach-Volleyball. Und das mit Erfolg: Aufnahme in den Nachwuchs-Bundeskader, Sieg beim Bundesfinale (beides 2010), zweimaliger Gewinn  der Silbermedaille bei der Deutschen Jugendmeisterschaft, Auftritte bei Turnieren wie in Kanada, Teilnahme an der Smart-Beach-Tour seit 2011. Zwei Jahre später wurde die junge Frau Trainerin an der Beach-Academy. "Ich durfte einige Male international im Sand auftreten. Das ,GER’ auf dem Trikot tragen zu dürfen, war jedes Mal ein absolutes Highlight und eine tolle Erfahrung."

Zwischenfälle und große Verletzungen gab es nie. Vor zwei Jahren verabschiedete sich die Volleyballerin dann von der Beach-Tour, um sich voll und ganz der Bachelorarbeit zu widmen. "Ich wollte eigentlich nur eine Pause einlegen, habe aber gemerkt, dass es mir ohne diesen Stress an den Wochenenden und den Druck, auf dem Weg zum Timmendorfer Strand Punkte sammeln zu müssen, gut geht. Darum habe ich es auf Eis gelegt."

Wenngleich sich Luise Rossek nur noch als Beach-Freizeitsportlerin bezeichnet, will sie ganz schnell in den Sand zurück. Anfang Dezember soll der operative Eingriff am Knie erfolgen, dann geht es mit Reha, Physiotherapie und Krankengymnastik weiter. "Mein Ziel ist es, im Mai aus dem Stand wieder etwas machen zu können. Zumindest Mitte Sommer will ich wieder im Sand unterwegs sein. Ich denke, das ist realistisch." Das sei sie auch ihrer Schwester schuldig. Mit der 18-Jährigen spielte sie im zurückliegenden Sommer ein Turnier. Auch 2020 soll es gemeinsame Auftritte geben, um sie an den leistungsorientierten Sport heranzuführen.

"Dass ich nicht beachen kann, ist das Härteste an der Verletzung – neben der Tatsache, dass ich dem Team nicht helfen kann. Wir haben nur noch neun Spielerinnen und keine Angreiferin. Das ist eine Katastrophe." Der Plan des VSV Havel, sich in dieser Saison im vorderen Drittel zu platzieren, müsse daher wohl etwas verändert werden. "Es geht darum, sich als Team zu finden und das Beste aus der Situation zu machen." Dabei will Luise Rossek helfen – wenn auch nur vom Spielfeldrand aus.

Wenn Luise auf den Namen Petra hört

Luise Rossek, im dritten Jahr Volleyballerin beim VSV Havel Oranienburg, hört gleich auf mehrere Vornamen – und allesamt sind sie seltsam.

Petra wird die 26-Jährige seit einigen Jahren genannt. Als Trainerin der Beachakademie lernte sie bei einem Camp einen neuen Coach kennen, der sich als Wolfgang vorstellte. "Weil er so jung aussah, wollte ich das nicht glauben und dachte, es wäre ein Spaß. Darum sagte ich, ich würde Petra heißen." Dieser name war dann unter den gut 150 Teilnehmern schnell rum.

Eva stand ein Jahr lang sogar im Spielerpass der ehemaligen Sportschülerin. "Ein ehemaliger Trainer dachte einfach, dass ich so heiße."⇥sz

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG