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Nicht nur medizinisch auch in Sachen Eigensicherheit müssen sich die Mitarbeiter des Rettungsdienstes Barnim fortbilden.

Prävention
Beim Rettungsdienst ist der Barnim (noch) nicht Berlin

Sicherheit im Blick: Claudius Kaczmarek (links) und Fred Spielberg müssen ihre Mitarbeiter auf veränderte Situationen im Einsatz vorbereiten.
Sicherheit im Blick: Claudius Kaczmarek (links) und Fred Spielberg müssen ihre Mitarbeiter auf veränderte Situationen im Einsatz vorbereiten. © Foto: Jörn Kerckhoff
Jörn Kerckhoff / 22.11.2019, 17:31 Uhr - Aktualisiert 22.11.2019, 18:09
Eberswalde (MOZ) Eigentlich wollen sie helfen und im Extremfall Leben retten, immer öfter werden Rettungskräfte bei ihren Einsätzen aber selbst Opfer verbaler oder sogar körperlicher Attacken. So versucht man sich beim Rettungsdienst Barnim zu wappnen, um den 170 Mitarbeitern, die auf den Rettungswagen unterwegs sind, das Gefühl von Sicherheit zu geben.

Hemmschwellen gesunken

"Bei uns auf dem Lande ist das noch nicht so ein großes Problem wie etwa in Berlin, aber auch wir bleiben nicht davon verschont", erläutert Geschäftsführer Claudius Kaczmarek. Vor allem verbale Attacken kämen immer häufiger vor, weiß auch Rettungsdienstleiter Fred Spielberg. "Wenn wir früher bei einem Einsatz waren und auf der Straße standen, sind andere vorsichtig daran vorbeigefahren. Heute wird  vorbeigerast und damit eine zusätzliche Gefahrensituation herbeigeführt oder unsere Leute werden von ungeduldigen Autofahrern angepöbelt", schildert Spielberg Szenarien, denen sich die Notfallhelfer immer öfter ausgesetzt sehen. Besonders für verbale Attacken sei die Hemmschwelle deutlich gesunken. Das Verständnis dafür, dass der Rettungswagen dort halten muss, wo Platz ist, sei bei vielen Menschen nicht mehr vorhanden. Im Einsatz kann es um Minuten oder sogar Sekunden gehen, das interessiere heute aber offenbar nicht mehr. Und auch die Erkenntnis, dass man selbst mal auf Hilfe angewiesen sein könnte, in Verbindung mit dem Verständnis für die Helfer, sei nicht mehr so ausgeprägt.

Immer öfter würde auch in absoluten Bagatellfällen der Rettungswagen gerufen. "Da geht es manchmal wirklich um harmlose Schürfwunden", so Spielberg. Zum einen wüssten sich die Leute in solchen Fällen oft nicht mehr selbst zu helfen, zum anderen seien solche Einsätz sicher auch eine Folge des Ärztemangels auf dem Land. "Wenn der Rettungswagen bei einem solchen Bagatellfall gebunden ist, fehlt er eventuell an anderer Stelle, wo es wirklich um Notfallrettung geht", so Claudius Kaczmarek.

So versucht man beim Rettungsdienst Barnim, sich auf die immer schwierigeren Einsätze vorzubereiten. Bei der Schulung "Taktische Eigensicherung" sollen deeskalierende Verhaltensweisen geschult und außerdem die Antennen der Retter für schwierige Situationen geschärft werden. "Wir haben einen Mitarbeiter, der früher bei einer Spezialeinheit der Bundeswehr tätig war und die Kollegen nun schult", erläutert Kaczmarek.

"Es gibt auch Einsätze, da weiß man vornherein, dass es schwierig werden kann und ist besonders wachsam", so Fred Spielberg. Und es sei tatsächlich auch schon zu körperlichen Angriffen auf die Notfall- und Rettungssanitäter gekommen. Aus diesem Grund wurden sogar schon Rettungswesten angeschafft. Diese seien zwar nicht schuss- aber immerhin stichsicher, müssten aber auf eigene Kosten angeschafft werden. Bislang sei aber glücklicherweise noch niemand verletzt worden.

Sicherster Rettungswagen

Ein ganz anderer Sicherheitsaspekt ergibt sich bei den Einsatzfahrzeugen. Durch die Sonderrechte im Einsatz seien Rettungswagen zehnmal mehr gefährdet, in einen Unfall verwickelt zu werden, als andere Verkehrsteilnehmer. Und deswegen müssen auch die Fahrzeuge besonders sicher sein. "Wir haben den sichersten Rettungswagen Europas im Einsatz, der mit zehnfacher Gravitationskraft getestet wurde und den Passagieren hohe Sicherheit bietet", so Kaczmarek.

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