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Für die zerstörte Brücke über das Pfauenfließ südlich von Biesenthal stehen als Ersatz drei Varianten zur Diskussion.

Ökologie
Biesenthaler Furt stößt auf Ablehnung

Olav Schröder / 27.11.2019, 06:00 Uhr
Biesenthal (MOZ) Für eine Überführung und gegen eine Furt als Ersatz für die zerstörte Brücke über das Pfauenfließ bei Biesenthal hat sich der Bauausschuss mit einer Stimme Mehrheit ausgesprochen. Der Ausschuss empfiehlt den Stadtverordneten statt des Neubaus einer Brücke ein sogenanntes "Durchlassbauwerk" zu errichten. Die Kosten sind um mehr als die Hälfte geringer und die voraussichtliche Bauzeit kürzer als bei einem Brückenbauwerk. Bei der Durchlassbauweise wird das Wasser des Fließes durch einen Wellblechkanal geleitet, über den die Querung errichtet wird. Gegen den Bau einer Furt haben sich einzelne Stadtverordntete vor allem wegen der befürchteten Vernässung der Umgebung ausgesprochen. Darüber hinaus legen die Naturfreunde Wert mit Nachdruck darauf, dass eine Lösung gefunden wird, die nicht die Wanderwege beeinträchtigt. Unabhängig davon führt über die Querung des Pfauenfließes die Zufahrt zu land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen. Auch in einem Katastrophenfall muss sie Rettungsfahrzeugen als Überfahrt dienen können.

Eine Sanierung der Brücke über das Pfauenfließ südlich von Biesenthal hat ein Ingenieurbüro vor Ort ausgeschlossen, berichtete Andreas Gluth von der Biesenthal-Barnimer Amtsverwaltung. Als "wildes Bauwerk"  errichtet, seien Daten erstmals 1975 im Brückenkataster erfasst worden.

Zerstört wurde die Brücke durch Unterspülungen nach dem Bruch eines Biberdamms. Ungeklärt ist, wie es dazu kam. Vermutet wurde in der Bauausschusssitzung auch, dass der Biber durch eingeschlagene Kiefernstämme zum Bau des Dammes angeregt wurde.

Wie der Bauausschussvorsitzende Andreas Krone (Bündnisgrüne) sagte, sei die Absenkung des Dammes inzwischen erfolgt, der Wasserstand somit gesenkt worden. Da es sich um ein Naturschutzgebiet handele, sei die Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde notwendig gewesen. Oberhalb der Brücke befinden sich weitere geschützte Biberdämme.

Da eine Sanierung der Brücke ausscheidet, stehen noch drei andere Varianten zur Diskussion. Die erste sieht den Neubau einer Überführung ähnlich der Pöhlitzbrücke vor. Die Verwaltung veranschlagt die Kosten mit 250 000 Euro, die zu maximal 50 Prozent gefördert werden können. Die Planungs- und Bauzeit wird auf zwei bei drei Jahre geschätzt.

Bei der zweiten Variante handelt es sich um das Durchlassbauwerk, das mit 90 000 Euro veranschlagt wird. Fördermöglichkeiten sind noch nicht ausgelotet, die Planungs- und Bauzeit liegt bei ein bis zwei Jahren. Für die Anrampung sind Aufschüttungen erforderlich. Erwartet wird, dass sich der Wasserstand mit der Durchlassquerung nicht verändert.

Als dritte Variante steht eine Furt zur Debatte, durch die Fahrzeuge das Pfauenfließ auf einer etwa zehn Zentimeter unter Wasser liegenden Betonfläche queren können. Eine Fußgängerbrücke würde Wanderern, Rollstuhl- oder Radfahrern den Übergang ermöglichen. Furt- und Fußgängerbrücke werden zusammen mit 55 000 Euro veranschlagt. Sie könnte bis zu 100 Prozent durch Ausgleichsmittel für Versiegelungen in Biesenthal finanziert werden und nach einem Jahr realisiert sein.

"Wie im Mittelalter"

Für eine "Furt wie im Mittelalter" gebe es Fördermittel, für ein normales Bauwerk sei das Geld nicht da, machte Nico Wunderlich (CDU/Pro Danewitz) aus seiner Verärgerung keinen Hehl.

Das Pfauenfließ entwässere das gesamte Biesenthaler Becken, beschrieb Hartmut Zerbe (Biesenthals Aktive Mitte) die Situation. Wenn die Wassermenge ansteige, bleibe bei einer Brücke der Durchfluss frei, bei einer Furt breite sich das Wasser in der Umgebung aus.

Die Höhe des Wasserstands ist auch für Daniel Groß (Linke) entscheidend. Er erinnerte daran, dass in der gleichen Sitzung die Renaturierung der Niedermoore vorgestellt wurde und in diesem Zusammenhang keine Erhöhung des Wasserstands an der Brücke zugesichert worden sei. Da für den Bau einer Furt jedoch ein höherer Wasserstand genehmigungsfähig sei, könne er dieser nicht zustimmen.

Bis zur endgültigen Entscheidung im Januar sollen weitere Informationen eingeholt werden, insbesondere zur Frage, ob auch das "Durchlassbauwerk" förderfähig sei.

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