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Prävention
Pilzköpfe helfen gegen Einbrecher

Fenster sind ihr tägliches Geschäft: Christopher Ksink, Geschäftsführer der gleichnamigen Glaserei in Fürstenwalde, zeigt eine Konstruktion mit Dreifachverglasung und Pilzkopfverriegelung. Im Hintergrund arbeitet Andree Stephan.
Fenster sind ihr tägliches Geschäft: Christopher Ksink, Geschäftsführer der gleichnamigen Glaserei in Fürstenwalde, zeigt eine Konstruktion mit Dreifachverglasung und Pilzkopfverriegelung. Im Hintergrund arbeitet Andree Stephan. © Foto: Annemarie Diehr
Annemarie Diehr / 03.12.2019, 06:00 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Wenn Sven Andro zu einem Wohnungseinbruch gerufen wird und sieht, wie im Haus alles durchwühlt ist, beschleicht ihn auch nach 16 Arbeitsjahren noch ein komisches Gefühl. "Mensch, das kann bei dir auch passieren", schieße es ihm dann immer durch den Kopf, sagt der Mitarbeiter der Fürstenwalder Glaserei Ksink.

Erst vier, fünf Wochen ist es her, dass sein Telefon am Nachmittag klingelte, weil Einbrecher das Badezimmerfenster eines Einfamilienhauses in Bad Saarow zerstört hatten. "Die kamen von der Waldseite, haben die Sicherheitsverriegelung nicht aufgekriegt und das Glas eingeschlagen", schildert Sven Andro.

Erster Angriff gilt Verriegelung

Aber das ist eher die Ausnahme als die Regel, weiß Christopher Ksink aus seiner Erfahrung mit Kunden. "Das ist immer der letzte Weg. Einbrecher wollen nicht gehört werden." Worauf kriminelle Eindringlinge es stattdessen meist abgesehen haben, sei die Verriegelung. Sie gehört zu einem Fenster wie Rahmen und Glas. "Beim Einbruchschutz zwingend erforderlich ist eine sogenannte Pilzkopfverriegelung", betont der Glasermeister. Im Gegensatz zu einfachen Rundzapfen, können die kantigen Pilzzapfen nicht einfach ausgehebelt werden, sofern die entsprechenden Schließbleche im Stahlkern des Fensters verankert sind.

"Früher waren Fenster mit Sicherheitsstufen Ausnahmeprodukte, heute gehört Pilzkopfbeschlag zur Basissicherheit, auch die Hersteller haben umgedacht", sagt Uwe Ksink. Er führt die Glaserei mit seinem Sohn Christopher. Umdenken mussten die Hersteller, weil es den Kundenwünschen entsprach: Seit etwa fünf Jahren fragen sie – Bauherren und auch Mieter, die nachrüsten wollen – verstärkt nach, wie sie sich gegen Einbrecher schützen können, so die Erfahrung der Glasermeister.

Mehr als verdoppelt haben sich die Einbrüche in und um Fürstenwalde von 2014 auf 2015. Der gravierende Anstieg auf 269 angezeigte Taten sei laut Polizeisprecher Bernd Böttcher  auf eine Fürstenwalder Großfamilie mit ex–jugoslawischen Hintergrund zurückzuführen, die damals im Bereich Fürstenwalde ihr Unwesen trieb. Die Kriminalpolizei der Polizeiinspektion konnte die Familie überführen. Sie sei zwischenzeitlich in ein anderes Bundesland verzogen. Im laufenden Jahr wurden bei der Polizei in Fürstenwalde bis September 30 Einbrüche angezeigt.

Meist reicht einfaches Werkzeug

In 80 Prozent aller Einbrüche in Einfamilienhäuser werden Fenster oder Balkon- bzw. Terrassentüren mit einfachem Werkzeug angegriffen, teilt Thomas Krause auf Anfrage mit. Zum Schutz empfehle die Polizei zertifizierte einbruchshemmende Fenster und Türen mindestens der Widerstandsklasse RC 2, so der Mitarbeiter für technische Prävention. Diese Widerstandsklassen, erklärt Uwe Ksink, sagen aus, wie lange ein Bauelement einem Einbruchsversuch bei welchem Tatwerkzeug standhalten muss. Bei der Klasse RC 2 wird davon ausgegangen, dass ein Fenster einem Gelegenheitstäter mit Werkzeug wie Schraubenzieher oder Zange drei Minuten lang Arbeit macht.

Eine besondere Verglasung ist indes nicht vorgeschrieben. Möglich sei, die äußere Scheibe eines Isolierglasfensters durch Verbundsicherheitsglas zu ersetzen. "Das ist mindestens sechs Millimeter dick und besteht eigentlich aus zwei Glasscheiben mit einer Folie dazwischen", erklärt Christopher Ksink.

Gegenüber Fenstersystemen mit Basissicherheit kosten solche mit erhöhter Sicherheit der Widerstandsklasse RC 2 rund doppelt so viel. Deshalb empfiehlt Uwe Ksink seinen Kunden im Beratungsgespräch, abzuwägen, welche Werte es zu schützen gilt und Fenster sowie Türen entsprechend zu wählen. Die besten Fenster und Türen, gibt sein Sohn zu Bedenken, nützten allerdings nichts, wenn sie bei Abwesenheit nicht verschlossen werden. Fälle, zu denen die Firma gerufen werde, weil Täter an der Verriegelung scheitern und die Scheiben zerstören, gebe es etwa zehn bis zwölf pro Jahr, schätzt sein Vater.

Wohnungseinbrüche in Fürstenwalde und Umgebung

Revier Fürstenwalde Revier Erkner Revier Beeskow

2014:104       105112015: 269         9642016:   91         9292017:   112        10882018:  68         6812019:   30           474

Für das laufende Jahr 2019 weist die Tabelle die Wohnungseinbrüche bis Ende September aus.⇥Quelle: Polizeiinspektion Oder-Spree/Frankfurt (Oder)

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