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Außergewöhnlich
Bildhauer Lothar Köhn baut ein seetüchtiges Wikingerschiff nach

Volkmar Ernst / 04.12.2019, 17:09 Uhr - Aktualisiert 04.12.2019, 18:06
Neuholland (MOZ) Was für Oranienburg die "Sehnsucht" ist, könnte für Liebenwalde ein Wikingerschiff werden. Immerhin ist der zur Landesgartenschau 2009 erstellte Nachbau der historischen niederländischen Staatsyacht seit vielen Jahren ein Werbeträger für Oranienburg.

Das soll nun für Liebenwalde das Wikingerschiff werden, dessen Kiellegung jüngst auf dem Grundstück von Lothar Köhn in Neuholland erfolgte. Dass der Bildhauer mit im Boot sitzt, ist nicht zufällig. Immerhin hat er an der Sehnsucht mit Hand angelegt, beim Bau ebenso wie bei den vielen Verzierungen. Insofern kennt er sich mit dem Metier aus. Da er mit seinen immerhin schon 76 Jahren weder stillsitzen noch die Hände in den Schoß legen kann, war der Bildhauer auf der Suche nach einem neuen Projekt. Es sollte etwas Außergewöhliches sein, gibt er gern zu, etwas, mit dem die Menschen den Namen von Lothar Köhn in Verbindung bringen und in Erinnerung behalten.

Das könnte ihm mit dem Wikingerschiff tatsächlich gelingen. Immerhin misst nur der Rumpf gut 13 Meter, den Schmuck an den Auslegern dazugerechnet, sind es sogar rund 15 Meter bei einer Breite von drei Metern. 20 Personen finden gut Platz, bei 30 wird es eng, doch sie könnten problemlos mitfahren, wie Köhn erklärt. Auch an den Stauraum für die Bierkästen als Proviant hat der Künstler gedacht. Die kommen ganz einfach unter den Schiffsboden über dem Kiel. Zwölf Ruderplätze wird es geben, und natürlich auch die Ruder dazu. Dass sie zum Einsatz kommen, ist eher unwahrscheinlich. Nicht, weil es sich nur um Attrappen handelt. "So etwas mache ich nicht", so die klare Aussage des Neuholländers. Doch allein mit der Schiffsbreite von drei Metern und noch weiteren fünf Metern für die Ruder würde das Schiff auf den in der Region vorhandenen Kanälen einfach zum Hindernis werden. Das gehe natürlich nicht, sagt er. Deshalb wird das Schiff einen Motor­antieb erhalten. Nicht mehr als 15 PS. Warum? Ganz einfach, weil bis zu dieser Größenordnung noch keine Erlaubnis erforderlich ist, so der Bauherr.

Auch auf den Mast muss Köhn verzichten. Passend zu den Ausmaßen des Schiffes, würde der eine Höhe von acht Metern haben. "Aber bei der Vielzahl an Brücken und deren geringer Durchfahrtshöhe müsste der Mast kippbar sein. "Das wäre schon zu machen, ist aber vom Arbeitsaufwand her, wenn er umgelegt und wieder aufgerichtet werden muss, kaum zu bewerkstelligen", stellt der Schiffsbauer klar. Deshalb werde der Mast nur vier Meter in die Höhe ragen.

Auf die Idee für den Bau kam Lothar Köhn, da er sich für alles Historische interessiert, das Mittelalter ebenso wie eben die Wikingerzeit. "Das waren schon richtige Kerle, wenn die mit ihren Schiffen auf die raue See raus sind, um andere Landstriche zu entdecken und zu erobern", so das Multitalent.

Der Kiel lässt die Ausmaße schon erahnen. Er besteht aus massiver Eiche, die sich Köhn gesichert und zum Teil schon verarbeitet hat. Mehrere Lagen Eichenbretter hat er dafür verwendet. Parallel dazu ist er damit beschäftigt, die ersten Spanten herzustellen. Das sind jene Ausleger, die das Schiff in die Breite wachsen lassen und auf denen dann die Beplankung angebracht wird. Die wird aus Lärchenholz bestehen, das für den Schiffsbau ideal geeignet und vor allem haltbar auch im Wasser ist. Das sind alles Arbeiten, die er auch im Winter machen kann, allerdings nicht allein. Denn das Holz für die Spanten muss gebogen und in Form gebracht werden. Nicht nur ein umständliches, sondern vor allem ein kräftezehrendes Prozedere, da die Spanten zum Verleimen mit vielen Schraubzwingen befestigt werden müssen. Aber auch da braucht sich Köhn keine Gedanken zu machen. Zur Kiellegung kamen immerhin fast 60 Gäste und einige, darunter auch der ehemaligen Neuholländer Ortsvorsteher Bodo Klein, haben Hilfe zugesagt.

Insgesamt freut sich Köhn über den Zuspruch, auch wenn er den Bau bislang aus eigener Tasche finanziert. Ob er einen Verein gründet, da überlegt er noch. "Ich möchte bei dem Projekt schon das Sagen behalten", so seine klare Ansage.

Von der zeitlichen Planung her hat sich der Schiffsbauer keine Vorgaben gesetzt. "Na sagen wir mal so: Ich bin jetzt 76, zehn Jahre sollte die Fertigstellung nicht dauern. Wer weiß, ob ich mit 86 noch fit genug bin, um in der Werkstatt zu stehen." In seiner Planung geht er davon aus, dass im Winter viele Nebenarbeiten erledigt werden können. Dazu gehört der Bau der Spanten ebenso wie der der Ruder und der Schilde, die später das Schiff schmücken sollen. Im Frühjahr geht es mit dem Zusammenbau weiter. "Mehr oder weniger" ist bereits klar, wie das Schiff von Neuholland nach Liebenwalde gebracht werden kann. "Angebote habe ich, aber da ist noch Zeit", so der Bauherr. Er würde sich freuen, wenn der Schiffsrumpf im Sommer oder Herbst ins Wasser gehoben werden könnte. "Aber wenn es nicht klappt, dann ist das auch kein Problem, nach 2020 kommt eben 2021."

Zur Person

Geboren wurde Lothar Köhn in Wernigerode im Harz.

Bildhauerei hat er in Braunschweig studiert.

Neuholland ist seit 2000 das Zuhause des Künstlers.⇥veb

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