Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Oberstufenzentrum
Chinesische Delegation besucht Hennigsdorf

Die Chinesinnen Chai Jihong, Dong YueQiu, Xia Jiyuan und Wang Jin (v.l.) schauen sich in der Autowerkstatt des Hennigsdorfer Oberstufenzentrums um.
Die Chinesinnen Chai Jihong, Dong YueQiu, Xia Jiyuan und Wang Jin (v.l.) schauen sich in der Autowerkstatt des Hennigsdorfer Oberstufenzentrums um. © Foto: Wiebke Wollek
Wiebke Wollek / 07.12.2019, 08:01 Uhr
Hennigsdorf Konzentriert lauschen etwa 25 Gäste aus dem fernen China den Erläuterungen von Monika Lin. Die junge Frau ist als Übersetzerin bei einer Niederlassung von TÜV Rheinland in China angestellt und begleitet die Delegation, welche derzeit bei der TÜV Rheinland Akademie in Spandau zu Gast ist.

Am Freitagvormittag hat die Gruppe das Eduard-Maurer-Oberstufenzentrum in Hennigsdorf besucht, um sich von Schulleiter Peter Mohr und Bildungsdezernentin Kerstin Niendorf das duale Schulsystem erklären zu lassen. Das ist vor allem für die Lehrer unter ihnen interessant. So erzählt der 29-jährige Yin Lijie, dass es Oberstufenzentren, in denen sowohl das Abitur erlangt als auch ein Beruf erlernt werden könne, in China nicht gebe. In Deutschland ist er zum ersten Mal und scheint die vielen Informationen förmlich aufzusaugen. Zur Delegation gehören neben Lehrern und Dozenten auch Mitarbeiter von Bildungsverwaltungen verschiedener Provinzen, Abteilungsleiter und andere Führungskräfte aus Wirtschaftsfirmen. "Ich finde die Beziehungen zum Ausland sehr wichtig", erklärt Alexander Floß von der TÜV Akademie in Spandau, in der Fachkräfte aus dem In- und Ausland weitergebildet werden.

Eifrig machen sich die Besucher Notizen und zücken ihr Smartphone, um alle Einzelheiten zu dokumentieren. Von Peter Mohr erfahren sie, inwieweit sich Berufsschule und berufliches Gymnasium unterscheiden. Wer aufs berufliche Gymnasium geht, kann das Abitur erlangen und dabei aus vier verschiedenen Schwerpunkten wählen: Elektrotechnik, Bautechnik, Chemietechnik oder Gestaltungs- und Medientechnik. Mit der allgemeinen Hochschulreife in der Tasche steht der Weg für ein Studium an der Universität offen. 70 Prozent der Absolventen streben ein Studium an. Schüler des OSZ können jedoch auch die Fachhochschulreife erlangen, umgangssprachlich Fachabitur genannt.

Vom Sinkflug der Schülerzahlen vor knapp zehn Jahren hat sich die Schule längst erholt. Was aber fehle, so Mohr, ist der Nachwuchs der Lehrkräfte. Deshalb gibt es eine enge Kooperation mit der Universität Potsdam, die ihre Studenten für Praktika und Hospitationen nach Hennigsdorf schickt. Darüber hinaus pflegt Mohr Beziehungen zur TU Dresden, denn dort werden Berufsschullehrer im technischen Bereich ausgebildet. "Die Sicherung eigener Fachkräfte ist sehr wichtig", betont der Schulleiter.

Kerstin Niendorf erklärt, warum der Landkreis einen Schulentwicklungsplan braucht und dass jährlich bis zu 200 Millionen Euro für die Schulbildung in Oberhavel investiert werden. Lehrer André Prößdorf führt die chinesischen Gäste durchs Haus, zeigt ihnen Unterrichträume und die Autowerkstatt, in der angehende Kfz-Mechatroniker lernen.

"Wir haben viele Partnerschulen im europäischen Ausland", informiert Peter Mohr. Dazu gehören die Niederlande, Frankreich, Polen, Tschechien, Spanien, Dänemark und Italien. "Aber Beziehungen nach China hatten wir bisher noch nicht", sagt er schmunzelnd. "Vom Landkreis Oberhavel aus besteht nur wenig Kontakt nach China", sagt auch Kerstin Niendorf. "Es wäre aber schön, wenn vielleicht irgendwann eine Städtepartnerschaft entstehen würde", blickt die Dezernentin voraus.

Bildungsreisenach Deutschland

Auf Einladung des internationalen Konzerns TÜV Rheinland verbringen etwa 50 Gäste aus China vier Wochen in Deutschland. Zwei Wochen bleibt die Hälfte von ihnen in Berlin, die andere in Braunschweig. Dann wird getauscht.

Die Exkursionen führen die Teilnehmer unter anderem an die Universität und die Berufsbildungsschule Braunschweig, die VW-Zentrale in Wolfsburg und den Bosch IoT Campus in Berlin.

Ziel der Reise ist die Weiterbildung von Fachkräften und die Intensivierung der Beziehungen zwischen Deutschland und China.⇥wol

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG