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Der große Austausch
So sieht die neue SPD aus

Berlin: Delegierte lassen sich am SPD-Logo zu Beginn des zweiten Tages des SPD-Bundesparteitags fotografieren. Die Sozialdemokraten wollen am zweiten Tag des Parteitags die Sozialpolitik in den Mittelpunkt stellen.
Berlin: Delegierte lassen sich am SPD-Logo zu Beginn des zweiten Tages des SPD-Bundesparteitags fotografieren. Die Sozialdemokraten wollen am zweiten Tag des Parteitags die Sozialpolitik in den Mittelpunkt stellen. © Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Mathias Puddig / 07.12.2019, 13:47 Uhr - Aktualisiert 07.12.2019, 16:05
Berlin (NBR) Neue Chefs und neue Stellvertreter - die SPD hat auf ihrem Parteitag am Freitag ihre Spitze fast komplett ausgetauscht. Wer sind die neuen obersten Sozialdemokraten?

Saskia Esken, Parteivorsitzende, Wahlergebnis: 75,9 Prozent

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Noch vor wenigen Wochen war die baden-württembergische Digitalpolitikerin Saskia Esken kaum jemandem ein Begriff, nun ist sie mit einem ordentlichen Ergebnis zur Parteichefin gewählt worden. In ihrer Bewerbungsrede hob die 58-Jährige am Freitag ihren eigenen Lebensweg hervor. "Ich habe nicht vergessen, wo ich herkomme", sagte sie und zählte die Stationen ihrer Karriere auf: "Paketbotin, hinter der Theke und Chauffeurin", anschließend eine Ausbildung zur Informatikerin. Ihre Digitalkompetenz betonte Esken, als sie versprach, die SPD zum "Betriebsrat der digitalen Gesellschaft" zu machen.

Norbert Walter-Borjans, Parteivorsitzender, Wahlergebnis: 89,2 Prozent

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Im Team mit Saskia Esken ist Walter-Borjans der eher Moderate. Für ein Groko-Aus hatte der Ex-NRW-Finanzminister nie besonders offensiv geworben, stattdessen stand der 67-Jährige während der langen Bewerberphase für Verteilungsgerechtigkeit. Das betonte er auch in seiner Rede auf dem Parteitag. "In den 1970er-Jahren hatte die ärmere Bevölkerungshälfte einen Anteil am Gesamteinkommen in Deutschland, der doppelt so hoch wie heute war. Doppelt so hoch!", empörte er sich. "Wenn eine Rückkehr zur Partei Willy Brandts ein Linksschwenk der Partei ist, dann bitte sehr: Dann machen wir gemeinsam einen ordentlichen Linksschwenk!"

Klara Geywitz, stellvertretende Parteivorsitzende, Wahlergebnis: 76,8 Prozent

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Als Unterlegene ist Klara Geywitz aus dem Mitgliederentscheid hervorgegangen, nun sitzt die 43-jährige Potsdamerin trotzdem im SPD-Präsidium. "In der Politik gibt es keine Zeit für Trauer", sagte sie bei ihrer Bewerbung und benannte den Grund für ihre Bewerbung recht klar: "Meine Kandidatur ist ein Beitrag dafür, dass wir Brücken bauen können zwischen denen, die Olaf und mich unterstützt haben, und denjenigen, die Saskia und Norbert unterstützt haben." Auszugleichen wird deshalb ihre große Aufgabe in der Parteispitze sein. Nicht nur zwischen links und rechts, sondern auch zwischen Männern und Frauen sowie zwischen Ost und West.

Hubertus Heil, stellvertretender Parteivorsitzender, Wahlergebnis: 70,0 Prozent

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Mit Arbeitsminister Hubertus Heil zieht das Establishment in die Parteispitze ein: Der 47-Jährige sitzt seit 1998 im Bundestag, zwei Mal war er schon Generalsekretär. Die Groko verteidigt er offensiv. "Ich bin stolz auf das, was wir in der großen Koalition erreicht haben!", sagte er am Sonnabend in der Debatte über das Sozialstaatspapier. In seiner Bewerbungsrede hat Heil angekündigt, sich nicht bedingungslos einzureihen: "Ich will, dass wir als Signal dieses Parteitags nicht einfach Geschlossenheit aussende. Die SPD ist kein Kasernenhof", sagte er. "Aber wenn wir miteinander diskutieren, dann tun wir das als Genossinnen und als Genossen. Nicht als Feinde. Wir sind die große deutsche Sozialdemokratie! Und so müssen wir uns auch benehmen!", rief er - und bekam dafür breiten Applaus.

Kevin Kühnert, stellvertretender Parteivorsitzender, Wahlergebnis: 70,4 Prozent

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Die meistbejubelte Rede des Freitags hielt trotzdem Kevin Kühnert. Der Juso-Vorsitzende hatte schon vor dem Parteitag seinen Machtanspruch formuliert. Seitdem Walter-Borjans und Esken die Mitgliederabstimmung auch mit breiter Unterstützung gewonnen haben, gilt der 30-Jährige als der starke Mann der SPD. Wie er diese Stärke nutzen will, umriss er in einer fulminanten Bewerbungsrede: Kühnert skizzierte, wie die SPD zeitgemäß kommunizieren kann; er widersprach dem Ex-Parteichef Sigmar Gabriel, indem er aufzeigte, dass Schwulenrechte und Arbeiterrechte nicht im Widerspruch stehen; und er griff CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer und ihre Idee eines verpflichtenden Dienstjahres frontal an. Seine Rede machte klar: Für ihn ist die Union der Gegner, innerhalb der Partei will er eher ein Mittler sein. Als Kühnert am Ende seiner Rede forderte: "Lasst uns mit unseren Visionen zum Arzt gehen und lasst uns den Arzt, die Ärztin, die Sprechstundenhilfe und alle, die im Wartezimmer sitzen, von unserer Vision überzeugen!", da wurde ihm applaudiert wie niemandem zuvor bei diesem Parteitag.

Serpil Midyatli, stellvertretende Parteivorsitzende, Wahlergebnis: 79,8 Prozent

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Die Überraschungskandidatin für den Vize-Vorsitz begann ihre Rede mit einem "Moin!" Jeder sollte hören, dass die 44-Jährige aus dem Norden kommt, genauer: aus 24109 Kiel, Plattenbausiedlung. "Niemand in meiner Kindheit hätte gedacht, dass ich stellvertretende Parteivorsitzende in der SPD werden könnte", sagte sie in ihrer Bewerbung. Zuletzt hatte Midyatli eine rasante Karriere hingelegt. Seit 2009 sitzt sie in Kiel im Landtag, 2017 wurde sie in den Bundesvorstand der SPD gewählt. Erst im März hatte sie von Ralf Stegner, der sie gefördert hat, den Landesvorsitz übernommen. Dass die Muslima, die als zupackend gilt, nun auch noch stellvertretende SPD-Chefin wird, hat sie aber auch einem Zufall zu verdanken: Der fünfte Stellvertreter-Posten wurde eingerichtet, um einer Kampfkandidatur zwischen Kühnert und Heil aus dem Weg zu gehen.

Anke Rehlinger, stellvertretende Parteivorsitzende, Wahlergebnis: 74,8 Prozent

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Das Saarland ist in der Bundespolitik mit CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer, Wirtschaftsminister Altmaier und Außenminister Maas ohnehin schon stark vertreten, nun kommt mit Anke Rehlinger die nächste Spitzenfrau von der Saar dazu. Rehlinger ist derzeit Wirtschaftsministerin in ihrer Heimat und hat dort viel mit dem Strukturwandel zu tun. Das brachte sie auch bei ihrer Bewerbungsrede ein, die sich stark auf Industriepolitik fokussierte. Andreas Stoch, Chef des Landesverbandes Baden-Württemberg und Unterstützer ihrer Kandidatur, begrüßte die Kandidatur von Rehlinger schon vor dem Parteitag. "Anke Rehlinger zeichnet sich durch ihre Verlässlichkeit und Klarheit aus – und vor allem auch für ihren Blick auf wirtschafts- und industriepolitische Fragen", sagte er über die 43-Jährige.

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kay-uwe granz 09.12.2019 - 20:20:25

Zum Glück,...

habe ich einen sehr großen Vorrat, an Lachgummi´s.

Ralf H. Janetschek 09.12.2019 - 19:54:44

Ralf Stegner kann sich vorstellen, Vizekanzler zu werden!

https://www.welt.de/politik/deutschland/article204143008/Ralf-Stegner-SPD-faellt-auf-Telefonstreich-von-umstrittenem-YouTuber-rein.html#Comments

Ralf H. Janetschek 09.12.2019 - 11:12:45

Der Weg der SPD

Die SPD ist auf einem guten Weg: 5%-x. Ein drittes SPD-Verbot ist nicht notwendig, daß schaffen die Genossen ganz allein.

Frank Schneider 07.12.2019 - 20:33:09

Worüber die dpa-gefütterten Medien schweigen

Ralf Stegner wollte am liebsten Olaf Scholz ablösen und Vizekanzler der Groko werden https://www.youtube.com/watch?v=utfa6YEBVDI

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