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Landrat Rolf Lindemann überreichte ihr die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik.

Ausgezeichnet
Bumerang-Chefin Heidi Henkel erhält Bundesverdienstkreuz

Große Ehre: Heidi Henkel wurde mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, dem Bundesverdienstkreuz, ausgezeichnet. Landrat Rolf Lindemann überreichte die Ehrung im Rahmen einer Feierstunde auf der Burg Beeskow.
Große Ehre: Heidi Henkel wurde mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, dem Bundesverdienstkreuz, ausgezeichnet. Landrat Rolf Lindemann überreichte die Ehrung im Rahmen einer Feierstunde auf der Burg Beeskow. © Foto: Olaf Gardt
Olaf Gardt / 09.12.2019, 20:17 Uhr
Beeskow (MOZ) Noch zwei Minuten vor der Festrede wurden am Montag im Konzertsaal der Burg Stühle herangeschafft, Tische eingedeckt. Die Plätze reichten nicht aus. Gut 50 Gäste waren gekommen, um der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Heidemarie Henkel beizuwohnen. Als Landrat Rolf Lindemann "die gute Seele und Frontfrau" des Bumerang-Seniorentreffs begrüßte, gab es den ersten Beifall.

Vor drei Jahren, so Bumerang-Vorsitzender Roland Brunotte, habe man Heidi Henkel für die Auszeichnung vorgeschlagen. "Sie hat es sich wirklich verdient." Nun war es soweit. Lindemann würdigte Heidi Henkels Engagement für die rund 40 Senioren, die den Treff in der Breitscheidstraße regelmäßig besuchen. Sie sei Ansprechpartner für Menschen in schwierigen Situationen, helfe den Senioren in vielen Alltagssituationen, begleite sie zu Arztbesuchen, unterstütze im Haushalt. Außerdem organisiere sie Informationsveranstaltungen, Ausflüge und Feierlichkeiten, sei immer aufgeschlossen für Neues und Interessantes. "Das beweist ein hohes Maß an mitmenschlichem Einfühlungsvermögen und Engagement, um die individuellen Bedürfnisse wahrzunehmen - auch wenn sie nicht vernehmlich geäußert werden", so der Landrat. Und so lange es Menschen wie Heidi Henkel gebe, brauche es in Deutschland auch nicht das in Großbritannien bereits etablierte Ministerium gegen Einsamkeit.

Heidi Henkel leitet den Seniorentreff seit 2011. Es war zunächst eine berufliche Station, doch auch, als sie selbst in den Ruhestand ging, gab sie die Arbeit nicht auf. "So lange es gesundheitlich geht, mache ich das", versichert sie unmittelbar nach der Ehrung. Manchmal sei es schon etwas viel, aber es sei auch eine schöne Aufgabe, betont sie. Und Arbeit macht ihr Treff. Am Tag der Ordensverleihung wurde der Weihnachtsbaum für die Senioren geliefert. Den hat Heidi Henkel aus dem Stadtforst geordert. Die Weihnachtsfeier am 19. Dezember muss vorbereitet sein, für die Sportgruppe muss sie noch Kuchen backen. Das Jahresprogramm für 2020 stehe in den Grundzügen. und spätestens im Januar will Heidi Henkel auch wieder mit der Stadt ins Gespräch kommen. Der Park, der hinter dem Seniorentreff entstehe, der sei sehr schön. Nicht schön sei es aber, dass sie aus der Zeitung erfahren habe, dass es nun mit dem Aufzug für den Treff doch nicht klappt. Da will sie noch mal nachhaken. "Man muss dranbleiben", betont sie.

Kleinlaut beim Vorgespräch

Bei aller Hektik und allen Aufgaben bleiben zwei Stunden in der Woche fest reserviert. Am Montag und Freitag geht Heidi Henkel mit Elisabeth Pärschk spazieren. Die Seniorin ist blind und freut sich auf die Ausflüge. Manchmal müssen die beiden Frauen zu einem Arzttermin, manchmal gehen sie einkaufen oder sind einfach so in der Stadt unterwegs.

Beim Vorbereitungsgespräch zur Auszeichnungsveranstaltung, verriet Landrat Lindemann während der Ehrung, habe er die leichte Verwirrung von Heidi Henkel ob der Nachricht gnadenlos ausgenutzt und sei selbst in den ihr eigenen Kommandoton verfallen, als sie versuchte, ihm die Auszeichnung auszureden. "Das sei alles papperlapapp - sie wolle doch wohl kaum dem Bundespräsidenten widersprechen, wenn der sie für würdig halte, dann habe er sich auch etwas dabei gedacht", sagte der Landrat. Bei der Ehrung selbst hatte Heidi Henkel ihre Fassung längst wiedergefunden. "Sie zittern ja, sie sind ja genauso aufgeregt wie ich", fuhr sie Lindemann an, als er ihr den Orden anheften wollte. "Ja", bekannte der Landrat, "es ist ja auch das erste Mal, dass ich so eine Ehrung vornehmen darf."

Kommentar: Stadt mit vielen Angeboten

Herzlichen Glückwunsch an Heidi Henkel. Mit der Auszeichnung der Seniorenvereinschefin hat der Bundespräsident die richtige Wahl getroffen. Unermüdlich ist Heidi Henkel für ihre Senioren im Einsatz. Früher hat sie sich auch darum gekümmert, dass jungen Erwachsenen der Start ins Leben gelingt. Sie hilft, wenn anderen Menschen Einsamkeit droht oder die Familie nicht mehr helfen kann.Dass die Geehrte zunächst versucht hat, sich vor dem Orden zu drücken, auf andere Personen verwies, die sich auch über das normale Maß engagieren, passt zu ihrer Art. Es zeigt aber auch, dass Beeskow noch lange kein Ministerium gegen Einsamkeit braucht. Es gibt nicht nur den Seniorentreff. Mit dem Hüfnerhaus gibt es ein Bürgerzentrum, das DRK lädt im Kiefernweg ins Familienzentrum, es gibt den Frauenladen und Pier 13 und jede Menge Vereine. Wer allein ist und es nicht sein will, sollte sich nicht scheuen, an einem der Orte vorbeizuschauen.⇥Olaf Gardt

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