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Das Schwesternteam schreibt in einem offenen Brief über seine Sicht auf die bevorstehende Schließung.

Kindernachsorgeklinik
Wir sind wichtig!

Kindernachsorgeklinik-Gebäude
Kindernachsorgeklinik-Gebäude © Foto: Sergej Scheibe
Sandra Nitzschke / 15.12.2019, 13:00 Uhr - Aktualisiert 15.12.2019, 13:10
Bernau (freie Autorin) Am 31. Dezember 2019 soll unsere Kindernachsorgeklinik für immer schließen. Wir, die Mitarbeiter der Kindernachsorgeklinik sind darüber zutiefst traurig. Jeder von uns – ob Küchenfee, Reinigungsfee, Hausmeister, Therapeut, Psychologe, Sozialarbeiter, Erzieher, Arzt oder Schwester – ist darüber unendlich traurig.

Wir alle haben unsere Arbeit in völliger Hingabe und mit wahnsinnig viel Motivation für unsere kleinen und großen Patienten geleistet. Jeder von uns hat rund um die Uhr stets sein Allerbestes gegeben, um den Familien eine wunderschöne Zeit bei uns zu ermöglichen. Oft waren Eltern mit der Betreuung ihrer Kinder überfordert, Kinder und Eltern vor einer Situation des Abschiednehmens oder vor schwerwiegenden operativen, lebensverändernden Eingriffen. Wir haben immer und stets alles getan, um da zu sein. Mit unserer Klinik haben wir Eltern und Kindern in Situationen nach monatelangen Krankenhausaufenthalten die Möglichkeit gegeben, sich erholen zu dürfen, und dabei professionelle Hilfe zu haben.

Viele verzweifelte Eltern sind nach dem Verlust eines Kindes zu uns gekommen, um Trost zu finden, um den Verlust ihres Kindes zu verarbeiten und einfach wieder eine Zeit der Unbeschwertheit erleben zu können. Gemeinsam mit anderen Eltern wurden Wüste gegrillt, geschnattert, Zeit verbracht und Freundschaften geschlossen. Und alle hatten eins gemeinsam: Kinder, deren Lebensweg nicht von Anfang an unbeschwert und leicht war. Wir haben immer gesagt: Wir ziehen den Hut vor allen Eltern, für ihre Hingabe und ihre Kraft, die in Zeiten, da es ihren Kindern nicht gut ging, unabdingbar war und unmenschlich viel gefordert hat.

Für uns, die wir gesunde Kinder haben, ist das alles nicht vorstellbar. Wie viel Angst Eltern wochen-, ja monatelang für ihre todkranken Kinder ausstehen müssen. Und dann sind wir da. Eine Einrichtung, die alle an dem Punkt abholt, wo sie gerade stehen: traurig, unbeholfen, hoffnungslos und allein.

Wir werden fehlen

Was wird nun aus den Kleinen und Großen, die immer noch sehr krank und aus den oft überfüllten Kliniken entlassen werden – ohne Unterstützung, ohne therapeutische Behandlung? Wir werden fehlen. Wir sind eine Einrichtung, die nicht sterben darf, weil wir eine Arbeit leisten, die für das Auffangen der Kinder und Familien nach schweren Zeiten unabdingbar ist. Mit diesem Schreiben, möchten wir nochmals an alle appellieren, sich für uns und unsere Familien einzusetzen.

Mehr als 40 Mitarbeiter – aber nicht irgendwelche, sondern lustige, aufopferungsvolle, allzeit einsatzbereite und menschliche Mitarbeiter – wünschen sich weiterhin eine Arbeit mit unseren Familien. Dieser Idealismus darf nicht sterben. Wir sind eine wahnsinnig wichtige Einrichtung und wir alle tun unsere Arbeit aus Berufung. Das mag jetzt abgedroschen klingen, trifft aber auf unser Team zu 100 Prozent zu.

Kindernachsorgeklinik Bernau

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