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Interview mit einem Personaldienstleister
"Tesla könnte von Rückkehrern profitieren"

Mathias Hausding / 18.12.2019, 06:30 Uhr - Aktualisiert 18.12.2019, 07:35
Potsdam (MOZ) Tesla braucht tausende Fachkräfte. Wie könnte das laufen? Taner Demir vom Personaldienstleister expertum erklärt, vor welchen Herausforderungen der US-Konzern steht.

Herr Demir, auf Teslas Internetseite sind derzeit 29 Stellen in Berlin-Brandenburg ausgeschrieben, davon elf für die Gigafactory. Geht die Akquise tatsächlich schon los?

Das zeigt, dass Tesla schon einmal seine Fühler ausstreckt und den Markt sondiert. Zunächst werden vor allem Führungskräfte gesucht, denn die haben meist auch längere Kündigungsfristen.

Wie beurteilen Sie Teslas Chancen, in Berlin-Brandenburg genug Fachkräfte zu finden?

Ich sehe das positiv und halte es für machbar. Gerade in Berlin-Brandenburg. Tesla könnte hier stark von einer hohen Rückkehrquote von Kandidaten mit Verbundenheit zur Metropolregion profitieren.

Die Gigafactory soll 2021 an den Start gehen. Was raten Sie potenziellen Rückkehrern?

Sie können im Moment die Füße still halten. So viele Stellen gibt es ja jetzt noch nicht. Es geht Stück für Stück. Ich denke, dass ab Mitte nächsten Jahres der Großteil an qualifizierten Mitarbeitern gesucht wird. Den Draht findet man als Bewerber entweder direkt über Tesla oder über Personalberater, die mit dem Unternehmen zusammenarbeiten.

Für welche Art von Fachkräften wird es die meisten Stellen geben?

Kfz-Mechatroniker werden ganz weit vorne sein. Außerdem wird es viele Ingenieure geben, die sich mit Antriebstechniken jenseits des Verbrennungsmotors beschäftigen oder sich mit Energiespeicherung und Batterietechnologie insgesamt auskennen. Dazu braucht Tesla am Standort viele Einkäufer und IT-Spezialisten.

Inwieweit können die Hochschulen in der Region ein Fachkräftepool für Tesla sein?

Bundesweit haben Universitäten Nachholbedarf beim Batterie-Thema oder auch beim autonomen Fahren. Da gibt es also erstmal nicht so viel qualifiziertes Personal, das sofort einsteigen könnte.

Wo sollen die Fachkräfte herkommen?

Von anderen Automobilherstellern zum Beispiel. Denn es ist davon auszugehen, dass Tesla nicht nur junge Absolventen sucht, sondern vor allem Know-how, also Leute mit fünf bis acht Jahren Berufserfahrung.

Auch aus dem Ausland?

Zum Start werden sicherlich gerade strategisch wichtige Positionen von erfahrenen Tesla-Mitarbeitern aus den USA oder aus China besetzt werden. Weil sie sich mit dem Produkt auskennen. Ich glaube aber nicht, dass tausende Mitarbeiter aus dem Ausland kommen werden. Der Markt in Deutschland ist gut genug. Es wird viele Fachkräfte geben, die bislang für andere Automobilhersteller  arbeiten und nun für Tesla von Süddeutschland nach Berlin-Brandenburg ziehen. Viele deutsche Autohersteller bauen derzeit bekanntlich eher Personal ab. Das spielt Tesla in die Karten.

In welchen Bereichen könnte die Rekrutierung schwierig werden?

Das werden die Ingenieure sein, insbesondere aus Bereichen wie der elektrischen Energietechnik. Da gibt es bundesweit einen Mangel. Hier wird wohl auch Tesla anfangs Probleme haben, genug geeignetes Personal zu finden. Auch Kfz-Mechatroniker findet man nicht an jeder Ecke.

Wegen des großen Bedarfs bei Tesla geht in der Region bereits die Sorge um, dass andere Unternehmen wichtige Fachkräfte verlieren.

Das ist ein normaler Prozess am Markt. Jeder Arbeitgeber muss sich Gedanken machen, wie er attraktiv bleibt, um die Leute zu halten. Auch Tesla wird nicht jeden Mitarbeiter für das Unternehmen gewinnen können. Es geht ja im Endeffekt nicht nur um das Gehalt, sondern auch um Dinge wie Work-Life-Balance.

Von Elon Musk ist aus den USA zu hören, dass er gegenüber Mitarbeitern etwa mit Blick auf Überstunden sehr fordernd auftritt.

Ja, aber auch wenn er diesen Ruf hat: Ich denke, dass er in Deutschland nicht den gleichen Kurs wie in den USA fahren kann. Wenn Tesla nur darauf schaut, was für das Unternehmen gut ist, wird man schnell an Rekrutierungsgrenzen stoßen. Firmen müssen heute dafür sorgen, dass die Fachkräfte gerne für sie arbeiten.

Birgt die Ansiedlung nicht sogar auch Chancen für Fachkräfte, die am Ende gar nicht bei Tesla arbeiten werden?

Absolut. Wenn Fachkräfte zu Tesla wechseln, werden woanders Stellen frei. Und das können spannende Jobs sein. Viele ziehen es vor, sich in einen kleinen oder mittelständischen Betrieb einzubringen und dort zum Beispiel mehr Mitsprache zu haben als in einem großen Unternehmen wie Tesla.

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