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Feuerwerk verursacht Feinstaub, Müll und ist gefährlich. Die Deutsche Umwelthilfe will daher ein Böller-Verbot. Frankfurt hat den Antrag abgelehnt.

Silvester
Umwelthilfe wollte Böller-Verbot in Frankfurt

Louisa Theresa Braun / 27.12.2019, 06:00 Uhr - Aktualisiert 27.12.2019, 08:03
Frankfurt (Oder) (MOZ) Was wäre Silvester ohne Feuerwerk, das knallend und Funken schlagend den Nachthimmel durchzieht und das alte Jahr mit Karacho vertreibt? Laut Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), wäre es ein Silvester "ohne verpestete Luft, brennende Häuser, verletzte Menschen und verängstigte Tiere durch archaische Schwarzpulver-Böllerei".

Da Feuerwerk nicht nur schön anzusehen, sondern auch mit Gefahren und vor allem mit Luftverschmutzung verbunden ist, hat die Umwelthilfe diesen Sommer in 31 Städten und Gemeinden, die eine Feinstaubbelastung von 20 Mikrogramm pro Kubikmeter überschreiten, Anträge auf ein Böllerverbot in dicht besiedelten Innenstädten gestellt, auch in Frankfurt.

Hohe Feinstaubbelastung

"Silvester werden innerhalb kürzester Zeit bis zu 5000 Tonnen Feinstaub in die Luft geschossen", sagt Dorothee Saar von der Abteilung Verkehr und Luftreinheit der DUH. Das sei extrem gesundheitsschädlich. Laut Klaus Gotzen, Geschäftsführer des Verbands pyrotechnischer Industrie, sind die Zahlen "nicht nachvollziehbar, da sie nur auf Schätzungen und Hochrechnungen, nicht auf Messergebnissen beruhen. Der EU-Grenzwert für Feinstaub liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter und wird auch in Großstädten Silvester nicht überschritten." Die Umwelthilfe orientiert sich jedoch an der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation von maximal 20 Mikrogramm Feinstaub.

Als Alternative zum Feuerwerk schlägt die Organisation Lasershows vor, wie es sie schon bei manchen Stadtfesten gibt, zum Beispiel in Eisenhüttenstadt und in Oranienburg. In beiden Orten hält man dies an Silvester aus finanziellen Gründen jedoch nicht für umsetzbar. Eine Lasershow von etwa zehn Minuten für bis zu 8000 Gäste koste um die 4500 Euro, sagt Kathrin Günther-Kalsow vom Oranienburger Veranstaltungsmanagement. Eine Zwischenlösung könnten für Saar jedoch auch städtisch organisierte Feuerwerke sein, an Stelle massenhafter Böllerei durch Privatpersonen. Bislang sieht allerdings kein Ort in der Umgebung solche Silvesterevents vor, und auch ein Verbot von privatem Feuerwerk wird für unrealistisch gehalten, "denn es müsste ja kontrolliert werden", sagt Frank Eckert, Sprecher der Stadt Eisenhüttenstadt.

Für ein prinzipielles Verbot gibt es bislang, außer an brandgefährdeten Plätzen, ohnehin keine rechtliche Grundlage, da es am 31. Dezember laut Sprengstoffgesetz grundsätzlich erlaubt ist. Darauf beruft sich auch die Stadt Frankfurt, die den Antrag der DUH abgelehnt hat. In manchen Städten wird das Böllerverbot in bestimmten Bereichen durchgesetzt, allerdings aus Sicherheits-, oder Denkmalschutzgründen, zum Beispiel in Konstanz, Überlingen, Landshut und Straubing, in zwei Berliner Ortsteilen und auf den Nordsee-Inseln. Die Stadt Berlin will außerdem eine Änderung des Sprengstoffgesetzes im Bundesrat anregen, um Verbote zu vereinfachen, sagt Saar.

Frank Eckert findet das den falschen Weg, selbst wenn es um Sicherheit geht: "Wenn bei falscher Anwendung eines Feuerwerks Menschen verletzt werden, ist der Einzelne dafür verantwortlich. Und ob die Umweltbelastung signifikant ist, wage ich zu bezweifeln." Sowohl Eckert als auch Kutschbach, Sprecherin der Stadt Frankfurt, sehen aufgrund der Nähe zu Polen außerdem das Problem, "dass ein Feuerwerksverbot auf deutscher Seite bei entsprechender Windrichtung ergebnislos bliebe", so Kutschbach.

Deutsche befürworten Verbot

Hinsichtlich der Sicherheit betont Klaus Gotzen, dass es wichtig sei, keine Böller aus Polen zu kaufen, die in Deutschland nicht zugelassen sind, die Anleitungen zu beherzigen und sich mit Feuerwerk nicht gegenseitig abzuschießen. "Wir appellieren daran, dass die Menschen vernünftig sind, und dann ist ein Feuerwerk auch ein freudiges Ereignis." Dass oft das Gegenteil der Fall sei, beklagt eine 85-jährige Frankfurterin: "Jedes Jahr werden unzählige Raketen auf mein Grundstück und mein Hausdach geschossen. Ich habe Angst, dass die Bäume und die Dachpappe zu brennen anfangen. Und den Müll muss ich hinterher auch noch wegräumen." Laut einer repräsentativen Umfrage des Instituts "YouGov" befürworten 60 Prozent der Deutschen ein völliges oder begrenztes Böllerverbot. Silvester ganz ohne Feuerwerk, ohne Feinstaub, Müll und Risiken – vielleicht gar nicht so abwegig.

Alternativen zum Geld verbrennen

133 Millionen Euro geben die Deutschen jedes Jahr für Feuerwerk aus. Das Geld könne viel nachhaltiger investiert werden, findet zum Beispiel das evangelische Hilfswerk "Brot für die Welt". Seit fast vierzig Jahren ruft es zu Silvester unter dem Motto "Brot statt Böller" zum Spenden auf.  Seit 2007 gibt es außerdem die Aktion "Bäume statt Böller" des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern, der Waldaktien für zehn Euro verkauft und dafür 10qm Wald in MV pflanzt. Momentan geht das nicht, da neue Waldflächen erworben werden müssen, doch unabhängig vom Jahreswechsel ab Januar wieder.⇥ltb

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Gudrun Heinrich 27.12.2019 - 19:50:17

Wo sind denn die Umweltaktivisten?

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man über die seltsame Auslegung der Stadtverwaltung amüsieren. Wo sind denn hier die Freitagsdemonstranten? Wenn schon, dann sollte Umweltschutz auf der ganzen Linie betrieben werden. So ist es scheinheiliges Getue und wie es aussieht, sollen die Bürger aber bei Laune gehalten werden und ihren Spaß haben. Egal ob beim Feuerwerk des Weihnachtsmarktes oder zu Silvester. Wer sich vergnügten und Spaß haben kann, meckert nicht… Außerdem möchte man in Deutschland den Wirtschaftszweig der Hersteller von Knallkörpern sicher nicht verärgern. Für die Wirtschaft verzichtet man doch gern mal auf den Umweltschutz. Was sagt eigentlich Greta dazu?

Ralf Cornelius 27.12.2019 - 09:54:13

Worte und Taten

Wir sollten die Frankfurter Politik an Ihre Worte erinnern, wenn mal wieder die Feinstaubmessstation in der Leipziger Str. Alarm schlägt und man dann Autofahrer mit unsinnigen Umleitungen gängelt. Das scheint ja dann anderer Feinstaub zu sein.Und geradezu dankbar sollten wir für den Verweis auf die offene Grenze sein, denn ein besseres Argument gegen den deutschen Alleingang, die Welt in Klimadingen zu retten, gibt es nicht.

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