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Abschied
Prof. Dr. Bernd Tillack vom IHP: "Es hat Spaß gemacht"

Abschied als IHP-Chef: Prof. Dr. Bernd Tillack vor dem Reinraum am Institut. Dieser gehört zur Technologieabteilung. Tillack hatte sie lange Jahre geleitet, bevor er IHP-Chef wurde.
Abschied als IHP-Chef: Prof. Dr. Bernd Tillack vor dem Reinraum am Institut. Dieser gehört zur Technologieabteilung. Tillack hatte sie lange Jahre geleitet, bevor er IHP-Chef wurde. © Foto: Ina Matthes/MOZ
Ina Matthes / 31.12.2019, 07:00 Uhr
Frankfurt (Oder) Heute um Mitternacht geht für  Bernd Tillack mehr als ein Jahr zu Ende: Der 31. Dezember ist sein letzter Tag an der Spitze des IHP in Frankfurt (Oder), des Leibniz- Instituts für innovative Mikroelektronik.

Seit 2014 hat Prof. Dr. Bernd Tillack das IHP als Wissenschaftlich-Technischer Geschäftsführer geleitet. "Es hat Spaß gemacht; ich gestalte gerne", sagt der 66-Jährige. Er gehört zu der Generation von Wissenschaftlern, die seit der Gründung des IHP 1983 in Frankfurt (Oder) dabei sind. Damals gehörte das Institut zur Akademie der Wissenschaften der DDR und das Kürzel IHP stand für  Institut für Halbleiterphysik. Fast vier Jahrzehnte hat der promovierte Chemiker am IHP gearbeitet und lange Zeit die größte Abteilung geleitet, die Technologieabteilung. "Es war nie langweilig, weil sich das Ins­titut so oft gewandelt hat."

Seit Mitte der 1990er-Jahre forscht das IHP hauptsächlich daran, wie sich große Datenmengen schnell übertragen lassen – und das  insbesondere drahtlos. In der Höchstfrequenzelektronik gehört das Frankfurter Institut zu den weltweit führenden Forschungseinrichtungen. "Wir haben international eine Sichtbarkeit in der Wissenschaft, die ist enorm", sagt Tillack. So halten die Forscher einen Weltrekord bei schnellen Silizium-Transistoren, Bauteilen auf Chips.  Im Laufe der Jahre sind immer neue Themen hinzugekommen. Dazu zählen selbstlernende Systeme als neues Forschungsfeld oder Sensornetze. Miteinander kommunizierende Messgeräte können zum Beispiel als fliegendes Netzwerk auf Drohnen über Rekultivierungsflächen im  Bergbau  Daten sammeln.

Um die Leistungen des IHP besser zu vermarkten und Forschung in Produkte umzusetzen, wurde 2015 die Tochterfirma IHP Solutions gegründet. Sie soll Wissenschaftler bei der Gründung von Unternehmen unterstützen. Seither gibt es noch kein neues Start-up aus dem IHP. "Ich gehe davon aus, dass wir in ein, zwei Jahren die ersten Ausgründungen haben werden", sagt der IHP-Chef. Stolz ist er darauf, dass das Institut 2015 mit exzellentem Ergebnis evaluiert wurde. Alle sieben Jahre überprüfen externe Wissenschaftler und Vertreter von Bund und Land, wie sich Institute der Leibniz-Gemeinschaft inhaltlich und strukturell entwickelt haben und ob ihre Strategien für die Zukunft überzeugen. Dem IHP bescheinigten die Experten sehr gute Leistungen in der Höchstfrequenzelektronik und honorierten auch die Vernetzung mit Hochschulen und anderen Einrichtungen.

Vom Ergebnis der Evaluierung hängt ab, ob eine Einrichtung von Bund und Land weiter gefördert wird. Das IHP erhielt 2018 rund 30 Millionen Euro von  Bund und Land und erwirtschaftete 21 Millionen Euro sogenannter Drittmittel. In Tillacks Amtszeit als Geschäftsführer fällt auch die Gründung der Forschungsfabrik Mikroelektronik, einem bundesweiten Zusammenschluss von 13 Forschungseinrichtungen, zu dem das IHP gehört. Der Bund fördert den Verbund mit rund 400 Millionen Euro. Ein anderes großes Projekt ist die Erweiterung des Reinraumes. Hier können Forschungsergebnisse direkt in einzelne Chips oder kleine Serien umgesetzt werden. Der bisherige 1000 Quadratmeter große Reinraum wird um 500 Quadratmeter erweitert. Der Neubau entsteht bei fortlaufendem Betrieb des alten Reinraumes. "Es gibt ein paar kleine Verzögerungen um drei bis sechs Wochen. Aber im Wesentlichen liegen wir im Zeitrahmen und innerhalb unseres Budgets."

Im Sommer soll das Gebäude stehen,  zum Jahresende der neue Reinraum in Betrieb gehen können. Das sei eine Rekordzeit für solch ein Projekt, sagt Tillack. "Die Erweiterung ist eine Investition in unsere Zukunft." Dort soll an neuen Materialien und Technologien gearbeitet werden.

Das Beste in seiner Zeit am IHP, sagt er, sei für ihn die Institutskultur, "wie die Leute hier zusammenarbeiten." Obwohl es unter den mittlerweile 315 Beschäftigten viele Wechsel gibt, weil internationale Wissenschaftler für zeitlich begrenzte Forschungsaufgaben ans Institut kommen, sei das Klima sehr kooperativ. "Das ist etwas Besonderes." Mit Beginn des neuen Jahres wird Bernd Tillacks Nachfolger Gerhard Kahmen die Leitung des Instituts übernehmen.  Tillack wird dem IHP aber weiter "zur Verfügung stehen", wie er sagt. In einer beratenden Funktion. Aus dem Berufsleben scheidet er im neuen Jahr noch nicht aus: Bernd Tillack lehrt als Professor an der TU Berlin und will das bis zum Juni 2021 fortsetzen.

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