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Sechstklässler der Theodor-Fontane-Grundschule beleuchteten das Leben von vier jüdischen Kindern unter der Naziherrschaft und bilden es in selbst produzierten Kurzfilmen ab.

Schulprojekt
Spurensuche nach jüdischem Leben

Ein Schulprojekt mit Nachwirkung: Leni Adelberg, Erika Drews, Luisa Marzini und Alexia Schilling (v. l.) haben eine neue Perspektive auf das Leben bekommen.
Ein Schulprojekt mit Nachwirkung: Leni Adelberg, Erika Drews, Luisa Marzini und Alexia Schilling (v. l.) haben eine neue Perspektive auf das Leben bekommen. © Foto: Jörn Kerckhoff
Jörn Kerckhoff / 31.12.2019, 09:00 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Da merkt man, wie gut es uns eigentlich geht und dass man auch mal zufrieden sein sollte, mit dem, was man hat", erzählt Erika Drews aus der Klasse 6a der Theodor-Fontane-Grundschule in Bad Freienwalde.

Fünf Tage begaben sich die 18 Schüler auf Spurensuche des jüdischen Lebens in der Kurstadt während der Zeit des Nationalsozialismus. Geleitet wurde das Projekt von Johannes Kreye, Jennifer Zengerling und Birgit Peter vom Verein Schlaglicht für emanzipatorische politische Bildung und Medienpädagogik aus Berlin.

"Wir haben während des Projekts auch den ehemaligen jüdischen Friedhof in Bad Freienwalde besucht, die vier Stolpersteine, die im Gedenken an jüdische Familien installiert wurden, angesehen und einen Film über Anne Frank angeschaut", erzählt Birgit Peter. Später beleuchteten die Schüler das Leben von vier jüdischen Kindern unter der Naziherrschaft und bildeten dies in vier selbst produzierten Kurzfilmen ab. Etwa das von Isaak, der 1923 in Berlin geboren wurde und dessen Eltern ins KZ nach Ausschwitz deportiert und dort ermordet wurden, als der Junge 16 Jahre alt war.

Auch Lachen ist erlaubt

Während der Vorführung der Filme am Freitag müssen die Schüler der anderen Klassen auch immer wieder mal lachen, weil es in den Filmen tatsächlich auch lustige Momente gibt und auch die Art der Darstellung durchaus heiter wirkt. Dennoch vermitteln die Filme die Dramatik, die sich hinter den Schicksalen verbirgt und den jungen Zuschauern scheint ihnen bewusst zu sein, wie schlimm das Leben für die Juden zwischen 1933 und 45 in Deutschland war. Die, die nicht deportiert und im Konzentrationslager umgebracht wurden, überlebten nur, weil sie sich vor den Nazis versteckten.

Einige von ihnen bekamen Hilfe von Deutschen, die sich dadurch selbst in große Gefahr begaben. Wurde entdeckt, dass sie Juden versteckten, drohte auch ihnen die Deportation und Ermordung. Ein bewegendes Projekt, an dessen Ende auch deutlich wurde, dass die Kinder eine andere Perspektive auf das Leben bekommen haben. Luisa Marzini gibt zu: "Vor dem Projekt habe ich mich nicht so sehr für das Thema interessiert und einige von uns hätten auch lieber ein Projekt mit einem moderneren Thema gemacht. Aber man hat doch viel erfahren und auch für das eigene Leben gelernt." Selbst Birgit Peter, die schon einige Projekte dieser Art an Schulen geleitet hat, zeigte sich erstaunt, wie reflektiert die Sechstklässler an das Thema herangingen. "Das war schon sehr beeindruckend, wie die Kinder mit dem Thema umgegangen sind", nimmt sie für sich aus den fünf Tagen mit.

Neuer Blick auf die Familie

Ein Beispiel: "Ich war immer sauer, weil ich noch kein Handy haben darf. Aber eigentlich haben wir ja alles. Genug zu Essen, ein Dach über dem Kopf, unsere Eltern und Freiheit", erzählt Luisa. Sie hoffte zwar da noch, dass sie zu Weihnachten ein Handy bekommt, es gebe aber wichtigere Dinge im Leben. "Auch, wenn wir mit unseren Eltern mal Ärger haben und uns streiten, sind sie ja doch immer für uns da", stellt auch Erika fest. Viele jüdische Kinder, die den Holocaust überlebt haben, hatten nach dem Krieg keine Eltern, Geschwister oder sonstige Verwandte mehr.

Ein schwieriges Projekt, gerade in der Weihnachtszeit. Aber vielleicht eins, das eben auch genau in die Weihnachtszeit passt. Für die Schüler der Theodor-Fontane Grundschule ging es anschließend in die verdienten Ferien.

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