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Workshop
Fit für die digitale Zukunft

Thomas Pilz / 03.01.2020, 19:00 Uhr
Fürstenberg (MOZ) Wer immer nur Bahnhof versteht, wenn der digitale Zug abfährt, kann sich in Fürstenberg im Bahnhof einfinden. Für das bessere Verständnis der neuen Technologien werden dort Schneisen geschlagen.

Auch wenn das Angebot dem analogen Zeitgenossen wie ein Labyrinth erscheint – Heranwachsende nutzen es bereitwillig. Zumal das Aussehen des einstigen Wartesaals im Verstehbahnhof jungen Leuten suggeriert, in einen hippen Szene-Club geraten zu sein.  Die kleine Halle ähnelt einer Werkstatt, in der nach Belieben improvisiert und gepfriemelt werden kann. Druck und Hektik sind Fremdwörter, der Sinn für Ordnung eher ein pragmatischer.

Ästhetik des Computers

In den Tagen vor dem Fest und zwischen den Jahren  war das ebenso. Havellab veranstaltete kurz vor der Bescherung einen besonderen Workshop – bevor Daniel Domscheit-Berg, der inzwischen populäre "Bahnhofsvorsteher für den digitalen Express", zum Jahrestreffen des Chaos Computer Clubs nach Leipzig eilte. Im Mittelpunkt stand bei dem Workshop das Programmieren von Musik. Domscheit-Berg gewann einen ausgewiesenen Experten dafür, Jonas Hummel, der mit HTML (Hypertext Markup Language) ebenso viel anzufangen weiß wie mit dem Komponieren von "groovigen Techno-Sounds". Die neugierigen Jugendlichen unterwies er im Zusammenstellen und ästhetischen Anordnen sogenannter Samples. Das sind elektronisch gespeicherte Geräusche, die der analogen Welt entnommen wurden.

Ein Workshop unmittelbar vor dem Fest? Das verwundert keineswegs. Mit Weihnachten im klassischen Sinne könne er nicht viel anfangen, bekennt Daniel Domscheit-Berg. Er schenke spontan, wenn es ihm etwas bedeute. Äußere Anlässe seien zweitrangig. Und mit der Konsumwalze, die im September in den Supermärkten losrollt, könne und wolle er nichts anfangen. Visionen und Ideale seien ihm wichtiger als das Materielle. "Ich will den jungen Leuten beim Eintritt ins digitale Zeitalter helfen", erklärt Domscheit-Berg. Wenn die die Hilfe annehmen, "das macht mich froh und lädt den Akku wieder auf, das ist dann das schönste Geschenk".

Einen Riesenrespekt hat Domscheit-Berg mittlerweile vor Lehrern und ihrem Pensum. Es sei manchmal schwer, den Durchblick zu behalten. Eine Würdigung, die Jens Richter-Mendau, Lehrer im Strittmatter-Gymnasium, erfreut zur Kenntnis nehmen dürfte. Mit einigen Schülern seiner AG nimmt er am Musik-Workshop im Verstehbahnhof teil.

Auf Augenhöhe mit Berlin

"Da hat sich etwas sehr Gutes entwickelt, so dass wir die Zusammenarbeit  voraussichtlich bald intensivieren werden", lässt Richter-Mendau durchblicken. Was nicht verwundert, denkt man an die Meriten, die der Granseer Lehrer mit seinen Roboter-Konstrukteuren sammelte. Die AG errang 2019 den Europameistertitel im Robocup.

Komponieren mittels Programmieren erlernen aber auch einige Fürstenberger Jugendliche und Gymnasiasten vom Carolinum in Neustrelitz. Überaus dankbar ist ein Vater aus Fürstenberg, der mit seinem etwa elfjährigen Sohn Stammgast im Verstehbahnhof wurde. Er  stamme aus Berlin und sei quasi Neu-Fürstenberger. Der Sohn könne im Bahnhof das nutzen, was es in der Hauptstadt schon lange gibt.

Kreativ sein und dabei Spaß haben

Programmieren, 3D-Druck, Roboter bauen und Elektronik lötenkönnen Jugendliche in der offenen Werkstatt des Verstehbahnhofes montags ab 13.30 Uhr. Das Repaircafé öffnet einmal monatlich am Sonnabend.

Weitere Infos gibt es unter www.verstehbahnhof.de.⇥pilz

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