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Handball
Starke "Weißrussen" von der Oder

Folke Stabe / 11.01.2020, 06:00 Uhr - Aktualisiert 11.01.2020, 13:05
Frankfurt (Oder) (MOZ) Am Start waren 24 der stärksten D-Jugendmannschaften aus zehn Bundesländern. Die Besonderheit an diesem Turnier ist die einzigartige Länderspielstimmung durch die durchweg landestypisch verkleideten Fans. Der HSC selbst spielte in den Trikots von Weißrussland, was in einem Losverfahren im Vorfeld ermittelt wurde. Und die Jungs lauschten vor jeder Partie mit vollem Stolz der "eigenen" Nationalhymne. Gänsehaut vor jedem Spiel war so garantiert – auch wegen der etwa 1000 Zuschauer.

Stimmung mit 1000 Zuschauern

Innerhalb einer erlesenen Auswahl von bundesdeutschen Topteams war die erfolgshungrige Truppe gespannt herauszufinden, wo genau sie sich leistungsmäßig einordnen muss. In der Sporthalle Hannover-Anderten durften Weißrussland und Kroatien, hinter denen der aktuell Vierte der Pfalzliga HSG Dudenhofen/Schifferstadt steckte, das Turnier eröffnen. Die atemberaubende Partie endete nach 15 Minuten 8:7 für die "Weißrussen" von der Oder. Insbesondere dem Spiel über die Kreismitteposition, aus der Kennet Stabe nach hervorragenden Zuspielen von Jonas Pfeiffer und Jakob Walter allein vier Tore gelangen, waren die Kroaten nach eigenen Angaben nicht gewöhnt.

Es folgte ein klares 13:2 gegen Montenegro in einem temporeichen Spiel, in dem sich vor allem Tim Papenfuß technisch stark verbessert präsentierte. So war bereits vor dem letzten Gruppenspiel gegen den großen Turnierfavoriten Serbien (AMTV Hamburg) mit der Hauptrundenqualifikation das Minimalziel erreicht. Gegen die körperlich haushoch überlegenen Serben kämpften die Weißrussen tapfer, verloren jedoch 6:11.

In der Hauptrunde traf der HSC zunächst auf Spanien. Trotz vieler vergebener Chancen und einer plötzlich kaputten Anzeigetafel ohne sichtbaren Spielstand und verbleibender Zeit stand das Spiel dennoch vier Minuten vor Schluss unentschieden, bevor dann Weißrussland mit dreimal zwei Minuten gnadenlos von den Schiedsrichtern bestraft wurde, so dass sie am Ende 8:10 verloren.

Nächster Gegner in der Hauptrunde war die ganz in Gelb gekleidete Ukraine. In einem wieder sehr engen Spiel musste Weißrussland mit Willi Schulz auf einen seiner Leistungsträger aus gesundheitlichen Gründen verzichten. Wilzon Kaufmann vertrat ihn aber ganz hervorragend und so konnten die Jungs einen Rückstand noch kurz vor Schluss in ein 9:9 verwandeln.

Es folgte das wohl beste Turnierspiel, in dem Lettland – das Team mit dem als besten Torhüter ausgezeichneten Schlussmann – mit 13:8 bezwungen wurde. Ausgerechnet gegen diesen fand aber Linksaußen Justin Hartung wieder zu alter Wurfstärke zurück und traf mehrere Male.

Witzig war, dass im Prinzip niemand wirklich wusste, welche Vereine gerade auf der Platte standen. Man sprach nur von den favorisierten Serben, den schnellen Bosniern, den großen Polen aber eben mit zunehmender Turnierdauer auch von den kampfstarken Weißrussen, die mit ihrer defensiven Deckung, in der jeder für den anderen kämpfte, schwer zu bezwingen waren.

Im letzten Hauptrundenspiel gegen Österreich gab es sogar noch die Chance auf Hauptrundengruppenplatz 3. Hierzu benötigten die Weißrussen einen Sieg mit nur einem Tor. Allerdings kippte in einem an Dramatik nicht mehr zu überbietenden Krimi die ständige Führung kurz vor Schluss in ein Unentschieden. Und zu allem Unglück fand dann auch noch der letzte Freiwurf der ebenfalls aufopferungsvoll kämpfenden Österreicher zum 8:9 den direkten Weg ins Tor.

Plötzlich fand sich Weißrussland im Spiel um Platz 9 statt um Platz 5 wieder. Bei diesem Turnier lagen Halbfinaleinzug und Platz 10 nur zwei bis drei geworfene Tore in der Hauptrunde auseinander. Großes Kino gab es dann nochmals im letzten Spiel gegen Polen, das durch ein wunderschönes Tor von Kapitän Jakob Walter eine Sekunde vor dem Abfiff mit 9:8 gewonnen wurde. Europameister wurde am Ende  mit Spanien (TV Hochdorf) ein Team, gegen das Weißrussland nur knapp und denkbar unglücklich in der Hauptrunde verloren hatte.

Auf Augenhöhe mit Top-Teams

Eine tolle Leistung auch des "weißrussischen" Trainergespanns Marko Zibell/Max Walter, denen es in gut einem Jahr gelungen ist, den HSC 2000 auf das Spitzenniveau zu bringen, das notwendig war, um bei dieser Veranstaltung komplett auf Augenhöhe mitzuspielen. Die allesamt knappen Ergebnisse und ein positives Gesamttorverhältnis (+10) gegen durchweg Spitzenmannschaften ihrer Landesverbände sprechen dabei eine klare Sprache.

HSC 2000 Frankfurt: Moritz Kapinos – Jakob Walter, Jonas Pfeiffer, Justin Hartung, Kennet Stabe, Linus Marquardt, Moritz Berndt, Nick Laußmann, Willi Schulz, Tim Papenfuß, Wilzon Kaufmann

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