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Vernachlässigung
Eltern-Kind-Zentren bieten Hilfe an

Tabea Westphal, Koordinatorin des Eltern-Kind-Zemtrums im Brandenburgischen Viertel in Eberswalde, berät Familien und bietet ihnen ihre Hilfe an.
Tabea Westphal, Koordinatorin des Eltern-Kind-Zemtrums im Brandenburgischen Viertel in Eberswalde, berät Familien und bietet ihnen ihre Hilfe an. © Foto: Conradin Walenciak
Conradin Walenciak / 14.01.2020, 15:35 Uhr - Aktualisiert 15.01.2020, 12:06
Eberswalde (MOZ) Um Fälle, wie den des verwahrlosten Mädchens in Eberswalde zu verhindern, bieten unter anderem Eltern-Kind-Zentren Familien die Möglichkeit, sich Beratung und Hilfe zu suchen. Die Stadt Eberswalde hat zwei solcher Einrichtungen, eine im Brandenburgischen Viertel, das andere in Stadtmitte.

Jane Hirt, die Leiterin des Zentrums in Stadtmitte, wundert sich, dass bei dem Fall des fünfjährigen Mädchens nicht früher eingegriffen wurde. "Ich finde es erstaunlich, dass das so lange gedeckelt wurde. Eigentlich haben wir Frühwarnsysteme, die auf solch einen akuten Fall von Vernachlässigung aufmerksam machen sollen."

Man sehe aber, dass offensichtlich noch zu viele Familien durchs Raster fallen, wenn es um Familienhilfe geht. "Eigentlich darf so etwas gar nicht passieren. Die Schlupflöcher sind aber wohl noch zu groß."

Hirt ist seit 2007 in der Einrichtung tätig, hat in dieser Zeit schon mit hunderten Familien zusammengearbeitet. "In den letzten Jahren habe ich den Eindruck, dass es immer mehr werden", sagt sie. Dabei seien es nicht immer sozialhilfebedürftige Eltern, die Rat suchen würden. "Wir helfen und betreuen hier Familien aller Einkommensschichten", betont sie. "Arbeitslose genau wie Akademiker."

Den Eindruck, dass die Zahl der hilfebedürftigen Eltern zunimmt, hat auch Tabea Westphal. Die Leiterin des Eltern-Kind-Zentrums im Brandenburgischen Viertel führt das auch auf eine starke Verunsicherung der Eltern in Bezug auf die Erziehung ihrer Kinder zurück. "Man muss sich nur einmal einen Werbeblock im Fernsehen ansehen. Dort wird suggeriert, dass es reicht, den Kindern Fruchtzwerge und das neuste Handy in die Hand zu drücken." Menschen, die nicht über die Werbepsychologie hinauszublicken könnten, seien dann orientierungslos.

"Es ist immer mehr gesellschaftlich akzeptiert, Kinder vor dem Tablet oder dem Handy zu parken", sagt Westphal. Gerade dann gehe aber sowohl den Eltern als auch den Kindern viel verloren. "Der Kontakt zueinander spielt eine zentrale Rolle in Sachen Erziehung. Wenn der nicht vorhanden ist, verlieren Eltern mitunter das Vertrauen in die eigenen Erziehungsfähigkeiten."

Jane Hirt stimmt ihr zu und betont, dass Kindern teilweise zu oft Entscheidungen überlassen werden. "Eltern brauchen Durchsetzungsvermögen. Kindern fehlt im jungen Alter noch Selbstständigkeit, die die Mutter und der Vater deshalb vorgeben müssen."

Eltern, die in Erziehungsfragen verunsichert sind, könnten sich jederzeit an Eltern-Kind-Zentrum wenden, sagt Hirt. "Bei einigen ist die Hemmschwelle aber sehr hoch, sich Hilfe zu suchen." Sie wünsche sich deshalb mehr Orte, die Familien aufsuchen könnten. "Insbesondere Orte, die vielleicht etwas versteckter sind, wo eben diese Hemmschwelle dann nicht so hoch ist."

Tabea Westphal sieht es ganz ähnlich wie ihre Kollegin. "Es kann nie genug Anlaufstellen geben", sagt sie. Denn auch sie habe die Erfahrung gemacht, dass Angebote teilweise an der Zielgruppe vorbeigehen. "Bei allem, was wir anbieten brauchen wir Fingerspitzengefühl. Es ist nicht unsere Aufgabe, mit dem erhobenen Zeigefinger Eltern zu zeigen, was sie falsch machen. Das ist immer ein Miteinander."

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