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Bauernprotest
Zwei Landwirte stellen Forderungen klar

Sie haben die Schnauze voll: Mehrere Imker, unterstützt von der Aurelia Stiftung für Bienenschutz, demonstrieren vor dem Agrarministerium in Berlin. Ein Imkerpaar aus Biesenthal muss ein Drittel seines Honigs wegen Glyphosat-Verunreinigung entsorgen.
Sie haben die Schnauze voll: Mehrere Imker, unterstützt von der Aurelia Stiftung für Bienenschutz, demonstrieren vor dem Agrarministerium in Berlin. Ein Imkerpaar aus Biesenthal muss ein Drittel seines Honigs wegen Glyphosat-Verunreinigung entsorgen. © Foto: Sergej Scheibe
Amy Walker / 16.01.2020, 20:42 Uhr - Aktualisiert 20.01.2020, 13:35
Bernau (MOZ) Wir haben es satt, immer nur die Deppen der Nation zu sein", sagt Reinhard Kroschewski. "Uns wird vorgeworfen, nur Profit zu wollen, gegen Tierwohl zu sein, gegen Öko-Betriebe oder sogar gegen Familienbetriebe zu sein. Dabei stimmt das kein bisschen." Der Landwirt aus Blumberg und Vorsitzende des Kreisbauernverbands Barnim schüttelt nur den Kopf.

Heute beginnt für die Landwirte wieder eine Sternfahrt in die Hauptstadt. Aber Bauernprotest ist nicht gleich Bauernprotest: Die heutige Bewegung wird von der Gruppe "Land schafft Verbindung" organisiert. Am Samstag findet die "Wir haben es satt"-Demo statt, die aber nicht von Kroschewski und seinen Kollegen unterstützt wird. "Die "Wir haben es satt"-Leute sind gegen alles. Gegen Düngung, gegen Pflanzenschutzmittel, gegen jeden", erklärt Ralph Wittwer, Geschäftsführer des Bauernverbands Oberhavel und Barnim.

Kroschewski und Wittwer sind für die weitere Verwendung von Glyphosat und nitrathaltigen Düngemitteln. "Wir sind nicht grundsätzlich gegen ökologische Landwirtschaft. Es muss aber praktikabel umgesetzt werden. Von heute auf morgen geht das nicht", so Kroschewski. Die beiden Landwirte fassen ihre Forderungen zusammen: "Naturschutz ja, in Abstimmung mit Landwirten. Weniger Pflanzenschutzmittel da, wo es angebracht ist. Düngung dort, wo es notwendig ist", so Wittwer. Außerdem sprechen sie sich ausdrücklich gegen Fleischimporte aus, vor allem wenn in den Herkunftsländern deutlich niedrigere Standards herrschen. "Die Gesellschaft muss sich endlich mal die Frage stellen, was sie eigentlich will und was sie bereit ist dafür zu zahlen", sagt Kroschewski. Wer ökologische Landwirtschaft will, muss die Kosten vertragen können.

Pauschalverurteilung

In der konventionellen Landwirtschaft wird vor allem das Thema Tierwohl an den Pranger gestellt. "Landwirte wollen doch modernere, größere Ställe. Ihnen werden aber immer Steine in den Weg gelegt: Erst dauert die Baugenehmigung ewig. Wenn sie diese dann endlich haben, demonstrieren Bürgerinitiativen gegen Massentierhaltung, sodass es nicht zustande kommt. So stirbt etwas gut Gemeintes", so Wittwer.

Im Gespräch mit Kroschewski und Wittwer zeigt sich gelegentlich auch ein Hoffnungsschimmer. "Der neue brandenburgische Landwirtschaftsminister, Axel Vogel, der war auf unserer Klausurtagung und hat sich uns vorgestellt. Was er da geredet hat, klang schon mal ganz sinnvoll," sagt Ralph Wittwer. Zum Beispiel will Vogel mehr Schlachthöfe in Brandenburg, damit die Tiertransportwege kürzer werden, was wiederum CO2-Aussoß verringert. "Er hat auch von der Gründung eines regionalen Landwirtschaftsbeirats gesprochen. Auch das wäre die richtige Richtung," so Wittwer.

Was beide Männer stört und verletzt, ist die Pauschalverurteilung ihres Berufsstandes. "Den Kindern von Landwirten wird schon im Kindergarten vorgeworfen, dass ihre Väter Tierquäler sind. Da braucht sich keiner wundern, wenn nur drei Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeiten will", sagt Wittwer. Letztlich geht es ihnen genau darum: Die Erhaltung ihres Berufs für eine neue Generation.

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