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Paukenschlag
Landrätin der Uckermark feuert ihren Vize

Gespanntes Verhältnis: Uckermark-Landrätin Karina Dörk und ihr erster Beigeordneter Bernd Brandenburg auf einer Kreistagssitzung in Prenzlau. Ihre Wege werden sich jetzt trennen. Der Vize muss gehen.
Gespanntes Verhältnis: Uckermark-Landrätin Karina Dörk und ihr erster Beigeordneter Bernd Brandenburg auf einer Kreistagssitzung in Prenzlau. Ihre Wege werden sich jetzt trennen. Der Vize muss gehen. © Foto: Oliver Schwers
Oliver Schwers / 21.01.2020, 17:37 Uhr
Prenzlau Der Schritt kommt überraschend, wenn auch nicht unerwartet: Karina Dörk will ihren Vize Bernd Brandenburg entfernen. Er soll den Posten weit vor Ablauf seiner achtjährigen Dienstzeit verlieren. Die Landrätin stellt auf dem nächsten Kreistag einen Abwahlantrag. Sie habe sich anderthalb Jahre um eine vertrauensvolle gute Zusammenarbeit mit ihrem ersten Stellvertreter bemüht. Dies sei nicht gelungen, heißt es dazu aus der Pressestelle der Kreisverwaltung. Details sollen nach außen nicht genannt werden.

Angespanntes Verhältnis

Das Verhältnis zwischen der CDU-Politikerin und ihrem SPD-Vize gilt seit jeher als äußerst angespannt. Das rührt noch aus der Zeit her, als Karina Dörk unter Landrat Dietmar Schulze (SPD) Baudezernentin war. Damals besaß Brandenburg innerhalb der Verwaltung eine nahezu uneingeschränkte Machtfülle in seinem Dezernat. Durch die Kombination aus Personalamt, Finanzen und Beteiligungsmanagement (kreiseigene Firmen) hatte er quasi Zugriff auf jede wichtige Entscheidung und Strukturveränderung in allen anderen Bereichen. Dietmar Schulze ließ ihn frei gewähren, benötigte er doch die Kompetenz seines Kämmerers, um endlich den lästigen Millionenberg an Schulden loszuwerden. Brandenburg gilt als Sanierer der Finanzkasse, auch wenn dazu viele bundespolitische Entlastungen bei den Sozialausgaben beigetragen haben.

Dezernentin Karina Dörk warf ihren Posten hin, wurde Bürgermeisterin von Strasburg und kehrte dann aber überraschend als Landrätin per Direktwahl in die Uckermark-Führung zurück. Damit hatten sich die parteipolitischen Machtverhältnisse plötzlich völlig geändert. Die Politikerin reagierte sofort und ordnete die Struktur in ihrem Hause neu. Sie entmachtete ihren Ersten Beigeordneten, indem sie selbst das Beteiligungsmanagement und die Personalhoheit übernahm – wichtige Einflussfaktoren. Brandenburg blieben die Finanzen und das Ordnungsamt und damit deutlich weniger Zugriff auf andere Ämter im Haus und schon gar nicht auf die so wichtigen Kreisfirmen.

Zunächst sah es so aus, als ob sich das Verhältnis damit auf einer neutralen Ebene bewegte. Beide traten gemeinsam auf, im Kreistag gab es keine erkennbaren Spannungen. Was aber hinter den Kulissen passiert ist, bleibt der Öffentlichkeit verborgen. Die Landrätin hat in ihrer bisher kurzen Amtszeit mehrfach mit Personalentscheidungen überrascht, als sie zum Beispiel den Landtagsabgeordneten Henryk Wichmann (CDU) als Zweiten Beigeordneten ins Haus holte, das Jugendamt neu besetzte oder den Baubereich dem Kreisentwicklungsamt zuordnete, das ihr wiederum auch persönlich unterstellt ist.

SPD verliert Posten

Mit der Abberufung würde die SPD einen wichtigen Posten in der Verwaltungsspitze verlieren. Allerdings stehen auch nicht alle Sozialdemokraten in der Kreisfraktion hinter ihrem Dezernenten. Damit bleibt abzuwarten, ob es die Landrätin schafft, eine Mehrheit im Parlament zu bekommen. Die Mandate der Union reichen dazu nicht aus. Für die Abberufung benötigt sie zwei Drittel aller Stimmen – also genau 34. Da es keine Koalitionen gibt, muss sie den Ältestenrat hinter sich bringen. Der Kreistag tritt am 18. März zusammen. Hinter den Kulissen geht man aber davon aus, dass die Fraktionen die Personalentscheidung mitgetragen wird.

Für Bernd Brandenburg wird es eng. Ob ihm eine Stelle an untergeordneter Position im Hause angeboten wird und ausreicht, bleibt Spekulation. Zu seinem Rauswurf will er sich nicht äußern.

Der heute 54-Jährige war vor seiner Zeit in der Kreisverwaltung Amtsdirektor im Amt Gerswalde. Nach seiner Bewerbung für den Posten des Dritten Beigeordneten 2010 machte er schnell Karriere in der Kreisverwaltung und stieg zum Vize-Landrat und Ersten Beigeordneten auf. Bis zum Ende seiner regulären Dienstzeit wären es noch fast vier Jahre.

Der Beigeordneten-Posten muss jetzt neu besetzt werden. Es ist davon auszugehen, dass es eine öffentliche Ausschreibung gibt. Erst vor Kurzem hatte sich der Zweite Beigeordnete Frank Fillbrunn (FDP) aus der Kreisverwaltung verabschiedet und ist nach Pforzheim gewechselt. Von den ursprünglichen Dezernenten ist jetzt noch Karsten Stornowski (SPD) im Amt.

Struktur der Verwaltung

Insgesamt drei Beigeordnete hat die Landrätin. Sie übernehmen die Führungsaufgaben in den drei Dezernaten. Dem Ersten Beigeordneten (Bernd Brandenburg) unterstehen die wichtigen Finanzen, das Ordnungsamt und das neu gegründete Amt für Technische Dienste und Digitalisierung. Der Zweite Beigeordnete (Henryk Wichmann) leitet den gesamten Sozialbereich, darunter das Jobcenter, das Sozialamt, das Jugendamt und das Gesundheits- und Veterinäramt. Der Dritte Beigeordnete (Karsten Stornowski) leitet das Katasteramt, Bauordnung und Landwirtschaft. Der Landrätin unterstehen Personal, Rechtsamt, Kreisentwicklung und Kreisfirmen.⇥os

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Falko Mundt 22.01.2020 - 11:52:01

Clickbait bei der Moz

In der Überschrift und mehrfach im Text wird davon geschrieben, dass Herr Brandenburg seinen Posten schon los ist weil er gefeuert wurde. Es wird zwar auch über den notwendigen Abwahlantrag berichtet aber trotzdem die ganze Zeit so getan als wäre das alles schon gelaufen. Der Artikel ist einfach fähig. Schon im ersten Satz ist die Maßnahme gleichzeitig überraschend und nicht unerwartet... Weil einen die Dinge die man erwartet ja am meisten überraschen.

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