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Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg
Bewusstsein für die Geschichte wecken

Im Austausch: Letschins Bürgermeister Michael Böttcher (v. l.), Referent und Buchautor Gerd-Ulrich Hermann, Historiker Reinhard Schmook, Edgar Petrick, Leiter der Letschiner Heimatstuben, sowie Gäste nach dem Vortrag im Kienitzer Gasthof "Zum Hafen"
Im Austausch: Letschins Bürgermeister Michael Böttcher (v. l.), Referent und Buchautor Gerd-Ulrich Hermann, Historiker Reinhard Schmook, Edgar Petrick, Leiter der Letschiner Heimatstuben, sowie Gäste nach dem Vortrag im Kienitzer Gasthof "Zum Hafen" © Foto: Anett Zimmermann
Anett Zimmermann / 09.02.2020, 20:54 Uhr
Kienitz (MOZ) Krieg und Frieden. 1945 und die Folgen in Brandenburg" heißt der genaue Titel des aktuellen Themenjahrs von Kulturland Brandenburg. Dabei soll "die zeithistorische Phase von 1945 bis heute in den Blick genommen sowie nach den individuellen Erinnerungen und Erfahrungen der Brandenburger gefragt werden, hieß es in der Ankündigung der Veranstaltung, die am Sonnabend zugleich Auftakt des Jahresprogramms der Letschiner Heimatstuben war. Deren Leiter Edgar Petrick zeigte sich sichtlich erleichtert, dafür von Beginn an den Saal des Gasthofs "Zum Hafen" in Kienitz vorgesehen zu haben. Denn: Das Interesse an dem Thema war so groß, dass noch weitere Stühle geholt werden mussten.

Geschichtsbewusstsein fehlt

Das Thema "Krieg und Frieden", so Petrick, sei gerade im Oderbruch ständig präsent und doch selbst vielen Bewohnern bis heute nicht bewusst, dass in der Region die größte und blutigste Schlacht auf deutschem Boden stattgefunden hat. Daraus ergebe sich ein Bildungsauftrag, dem sich auch die Letschiner Heimatstuben verpflichtet sehen, sagte er und begrüßte unter anderem Brigitte Faber-Schmidt, Geschäftsführerin der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH, die Vorsitzende des Kreistags Bettina Fortunato und Bürgermeister Michael Böttcher unter den Gästen.

Referent Gerd-Ulrich Herrmann, vielen noch als Leiter der Gedenkstätte Seelower Höhen (2002 bis 2015) bekannt, rückte in seinem Vortrag "1945 – die Kämpfe im Oderbruch. Ereignisse und Erinnerungen" etwas überraschend zwei Jahrestage in den Mittelpunkt – das Kriegsende vor 75 Jahren sowie 30 Jahre Deutsche Einheit. Er kritisierte dabei, dass Ersterer oft für politische Zwecke missbraucht werde. Vor allem erinnerte er daran, dass die Alliierten einst als Verbündete kämpften und erst im Kalten Krieg die Trennung von den Russen, wie es seither oft heißt, erfolgte.

Wobei es auf britischer Seite bereits im Mai 1945 Überlegungen zu einer Operation "Unthinkable" ("Undenkbar") gegeben habe, mit der man der Sowjetunion eine totale Niederlage zufügen und den Willen der USA und Großbritanniens aufzwingen wollte. Vorgesehen worden sei dabei auch der Einsatz von bis 150 000 deutschen Soldaten. Die Sowjetunion galt, so Gerd-Ulrich Herrmann, seit der Oktoberrevolution 1917 als schlimmster Feind der Demokratie. Nicht gänzlich geklärt sei zudem, warum die Alliierten Berlin nicht bereits im Jahr zuvor eingenommen haben. Oder warum die Schlacht nach den Seelower Höhen benannt worden ist.

Besonderes Denkmal in Kienitz

"Die Erlebnisgeneration verlässt uns", ging Herrmann auch auf die notwendige Neuausrichtung der Erinnerungskultur ein. Wobei der Panzer in Kienitz, 1970 aufgestellt, in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes sei – ein von der Bevölkerung gewünschtes Denkmal, das nicht mit Gräbern gefallener Soldaten verbunden ist. Dabei ließ er nicht unerwähnt, dass im Oderbruch auch die 1. polnische Armee auf sowjetischer Seite mitkämpfte.

Aus dem Publikum wurde kurz darauf auf den Vortrag "75 Jahre Brückenkopf Reitwein" bereits am Dienstag, um 19 Uhr, im Gasthof "Zum Heiratsmarkt" aufmerksam gemacht. Dort sprechen Hermann Kaiser vom Heimatverein Wuhden zur Historie und zum Projekt Erinnerungs- und Gedenkstätte Klessin sowie Zeitzeugin Ingrid Blankenfeld zur Flucht.

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