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Städtepartnerschaft
Warum Bürgermeister Laesicke die Verbindung nach Israel so wichtig ist

Alexander Laesicke reist kommende Woche mit einer kleinen Delegation nach Israel.
Alexander Laesicke reist kommende Woche mit einer kleinen Delegation nach Israel. © Foto: Klaus D. Grote
Klaus D. Grote / 11.02.2020, 12:39 Uhr - Aktualisiert 11.02.2020, 17:25
Oranienburg (MOZ) Bürgermeister Alexander Laesicke reist am Sonntag mit einer kleinen Delegation nach Israel. Dort trifft er Montag und Dienstag in der 23 000-Einwohner-Stadt Kfar Yona, die zwischen Tel Aviv und Haifa liegt, die Bürgermeisterin Shoshi Kahlon-Kidor, um über die Möglichkeiten einer Städtepartnerschaft zu sprechen. Kfar Yona hat bereits eine Partnerschaft mit Vancouver in Kanada.

Herr Laesicke, Sie reisen nach Israel, um sich mit der Kommune Kfar Yona über eine Städtepartnerschaft auszutauschen. Warum ist Ihnen diese Verbindung so wichtig?

Alexander Laesicke: Ich bin in Oranienburg am Rande der Gedenkstätte Sachsenhausen aufgewachsen. Politisch bin ich durch die 90er-Jahre geprägt, also auch durch Rostock-Lichtenhagen, Mölln oder die abgebrannte jüdische Baracke im KZ Sachsenhausen. In meiner Jugend hatte ich große Angst vor Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus und Antisemitismus. Auch deswegen bin ich als Student mit dem Fahrrad vom KZ Sachsenhausen zur Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem nach Jerusalem gefahren, um dorthin einen Stein aus dem Klinkerwerk zu bringen. Im vergangenen Jahr war ich zum dritten Mal in Auschwitz, diesmal mit 200 Oranienburger Schülern. Gerade für unsere historisch außerordentlich belastete Stadt ist Erinnerungskultur wichtig.

Es gibt aber auch Menschen, denen das Erinnern zu viel wird.

Und trotzdem wächst die Gefahr, dass Auschwitz zur Legende werden könnte. Genauso wichtig wie die Pflege der Erinnerung an die Nazizeit, die mit Schmerzen und Schamgefühl verbunden ist, sind deswegen auch Positiverfahrungen, die etwa durch Städtepartnerschaften ermöglicht werden. Leider müssen wir jungen Menschen den schweren Weg nach Auschwitz zumuten. Wenn ich an Juden denke, wollte ich aber nicht zuerst an Auschwitz denken, sondern an Freunde. Inzwischen ist mir persönlich das auch gelungen, und nun möchte ich dazu beitragen, solche Erlebnisse besonders jungen Menschen zu ermöglichen.

Dem Georg-Mendheim-Oberstufenzentrum ist das in den vergangenen Jahren durch Besuche, Projekte und Zeitzeugengespräche eindrucksvoll gelungen.

Auch andere Schulen, wie das Runge-Gymnasium und das Louise-Henriette-Gymnasium müssen sich nicht verstecken. Es ist aber kein Zufall, dass wir Kontakt zu Kfar Yona aufgenommen haben, wo bereits eine Schulpartnerschaft zum Oberstufenzentrum besteht. Das ist eine gute Basis für weitere Kontakte. Wir wollen ja nicht nur eine Brieffreundschaft zwischen den Bürgermeistern. Schon jetzt gibt es vielfältige Beziehungen nach Israel, die wir nutzen, ausbauen und weiter pflegen wollen, etwa von der IHK, der Polizeihochschule, der Gedenkstätte, den christlichen Kirchengemeinden, Unternehmen oder von Künstlern.

Wie konkret ist denn die erhoffte Partnerschaft mit Kfar Yona?

Ich bin inzwischen hoffnungsvoll optimistisch. Mit der Bürgermeisterin, Shoshi Kahlon-Kidor, habe ich bereits  telefoniert. Sie hatte mich zu dem Besuch eingeladen. Ein Gegenbesuch ist in Planung, vielleicht sogar schon im April.  Ich wünsche mir von der Partnerschaft zwischen Kfar Yona und Oranienburg eine Ausstrahlungswirkung für die ganze Region, so dass Oranienburg zu einem Zentrum für deutsch-jüdische und damit zugleich für deutsch-israelische Beziehungen wird, etwa für Schüler und Auszubildende oder für junge Start Ups. Bäckermeister Karl-Dietmar Plentz aus Schwante reist mit, Philipp Gall von der IHK ebenfalls.  Städtepartnerschaften werden gefördert. Dadurch haben wir gute Möglichkeiten zum Austausch.

Was wird aus den bereits besteheden  Städtepartnerschaften Oranienburgs?

Wir feiern in diesem Jahr 30 Jahre Partnerschaft mit Hamm und 20 Jahre mit Vught. Das stellen wir beim Stadtempfang am 2. Oktober in den Mittelpunkt. Insgesamt lässt sich feststellen, dass manche Städtepartnerschaften besser als andere funktionieren. Gegenüber Melnik und Vught bestehen besonders intensive Verbindungen.

Sie halten also an allen Städtepartnerschaften fest?

Ja. Und jeder ist willkommen, der sich dabei einbringen möchte. Die Partnerschaften waren ja auch eine Folge des Zweiten Weltkriegs. Es sollten Beziehungen entstehen und Freundschaften geschlossen werden. Erst wenn Menschen miteinander in Kontakt kommen, sind andere Länder oder Regionen erlebbar. Ich finde, vor allem junge Menschen sollten Beziehungen zu anderen Ländern aufbauen und reisen, um andere Kulturen nicht nur zu tolerieren, sondern sich auch für sie zu faszinieren und um gegenseitigen Respekt aufzubauen, schon damit uns Kriege immer schwerer fallen.

Kontakte in die Partnerstädte

Städtepartnerschaften bestehen zwischen Oranienburg und Bagnolet in Frankreich (seit 1964), Hamm in Westfalen (seit 1990), Vught in den Niederlanden (seit 2000) und Melnik in Tschechien (seit 1974). Daneben bestehen Freundschaften mit Oranienbaum (Sachsen-Anhalt) und Friedrichsthal (Saarland).

Nicole Döhler ist in der Verwaltung für Städtepartnerschaften zuständig. Wer Kontakt zu einer der Städte aufnehmen möchte, erreicht sie unter doehler@oranienburg.de oder 03301 6006019.

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