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Käfer-Club
Käfer-Liebe rostet nicht

Klaus D. Grote / 12.02.2020, 18:19 Uhr - Aktualisiert 12.02.2020, 18:41
Oranienburg (MOZ) Im Straßenverkehr sind sie kaum noch zu sehen. "Die meisten Käfer sind Garagenwagen und werden nur noch zu besonderen Anlässen gefahren", sagt Jürgen Jancke, Gründer und Ehrenvorsitzender des Oranienburger Käfer-Clubs. Früher seien die Volkswagen noch Gebrauchsgegenstände gewesen. Doch fast 17 Jahre nach dem Ende der Käfer-Produktion werden die Kultmobile zur Rarität und als Oldtimer zur Geldanlage. "Leider", sagt Jancke. Die Preistreiberei passe ja gar nicht zu einem Volkswagen.

Der 75-Jährige hat sich von seinem Käfer aus Altersgründen verabschiedet. Dabei ist er seit 1972 Käfer  gefahren. Über "Freunde von Freunden" sei man in der DDR an das begehrte West-Auto gekommen. In Sachsenhausen gab es mit Heinz Angrick einen begeisterten Schrauber, der bei Ölverlust, kaputter Heizung oder rostenden Schwellern half. Der Rost war und ist ein großes Problem der Käfer-Fahrer, hat aber nie die Liebe zu ihrem Auto beeinträchtigt. Der "Käfer-Guru" Anrick fahre heute mit über 80 Jahren als "gefürchteter Rennopa" noch immer Viertel-Meilen-Rennen in seinem Käfer, erzählte Jancke.

Mit 25 PS in die Schweiz

Marcos Lema entfachte die Käfer-Liebe gleich bei allen Familienmitgliedern. Tochter Steffi heiratete sogar einen Käfer-Fahrer aus dem Club. Bei ihm selbst entflammte die Liebe zum Volkswagen schon während der Kindheit in Kuba. "Unsere Nachbarn hatten einen Käfer. Damit sind wir immer zum Strand gefahren", berichtet der 62-Jährige, der 1978 in die DDR kam und sich 1983 den ersten Volkswagen zulegte: einen VW, Baujahr 1956, mit 25 PS. "Mit dem sind wir im März 1990 in die Schweiz gefahren", berichtet Marcos Frau Manuela. "Als es bergauf ging, hatten wir hinter uns eine lange Autoschlange." Auf dem Rücksitz standen Ersatzkanister für die Tankfüllung. "Wir hatten ja keine Devisen für den Sprit", erinnert sich die Käfer-Fahrerin.

Seither fuhr die Familie verschiedene VW-Modelle. Wie viele Käfer es zusammengerechnet waren, weiß sie auf die Schnelle gar nicht. "Von allen Familienmitgliedern zusammen mehr als 20", sagt Manuale Lema. Ihre Tochter Steffie ist auf ihren goldfarben lackierten 1303 S besonders stolz. "Das war einer der letzten aus Wolfsburg." 1974 wurde die Produktion im Stammwerk eingestellt. Dann enstand dort der eckige Golf.

Die VW-Fans feiern ihr Kultauto mit einer kleinen Ausstellung in der Tourist-Info am Schlossplatz. Zur Eröffnung haben sie fünf Käfer mitgebracht. Vor 30 Jahren war der Verein der erste und einzige Käfer-Club in der DDR.
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30 Jahre Käfer-Club Oranienburg

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Die Rundungen des Käfers sind das, was das Auto ausmacht, schwärmen die Fans. "Möglicherweise haben sie mich an meine rundlich gebaute Mutter erinnert", sagt Jürgen Jancke, der seit der Kindheit ein Gefühl der Behaglichkeit mit dem Auto verbindet. Noch zu DDR-Zeiten hatte er Kontakt zu Gleichgesinnten, die er kurz nach dem Mauerfall zusammenrief. "In der DDR waren 4 000 VW Käfer zugelassen, davon 40 im Kreis Oranienburg. Die haben wir alle angeschrieben", so Jancke. 31 oder 32 Käfer-Fans seien zur Clubgründung am 23. Februar 1990 gekommen.

"Es war damit der erste und vermutlich auch der letzte Käfer-Club der DDR", sagte Alt-Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke bei der Ausstellungseröffnung zum Vereinsgeburtstag in der Tourist-Info am Schlossplatz. "Ich dachte, die Leute hätten damals andere Sorgen gehabt. Jedoch könne er die Liebe zum Kult­auto nachvollziehen. Der Volkswagen habe etwas Verbindendes, denn der Club sei durch das Auto und die Mitglieder zu einer gelebten deutsch-deutschen Partnerschaft geworden, sagte Laesicke. Sein Sohn und Amtsnachfolger Alexander Laesicke erinnerte sich an einen Besuch von Onkel Paul aus Hamburg. "Ich war sieben Jahre alt, wir wohnten in der Ernst-Thälmann-Straße, heute Wather-Bothe-Straße. An den Käfer erinnere ich mich noch so wie an die West-Pakete." Im Grunde sei der Käfer so etwas wie der Trabant gewesen, "aber viel glänzender".

Zwitschernder Motor

Was noch besonders am Volkswagen ist: der Boxermotor mit dem knatternden Sound. "Mein erster Käfer war ein 1200er. Der zwitscherte", sagt Jürgen Jancke. Draußen vor der Tür startet Steffi Lema dann ihr Goldstück: Der knatternde VW-Motor sorgt dafür, dass Passanten stehen bleiben. Einige machen Fotos von den aufgereihten Käfern: Fünf Volkswagen verschiedener Baujahre stehen vor der Bibliothek. In der Ausstellung, die bis zum 24. April zu sehen ist, erzählt der Käfer-Club nun die Geschichte des Vereins und seines Kultobjekts.

Käfer

Mehr als 350 000 Käferarten gibt es auf der Welt: Eine davon hat mittlerweile keine Nachfahren mehr. Der Volkswagen, zwischen 1938 und 2003 mehr als 21 Millionen Mal gebaut, erhielt seine liebevoll gemeinte Bezeichnung Käfer, weil er so rundlich wie das Insekt ist. Das machte ihn beliebt, kultig, zum Liebling auf der ganzen Welt, zum Filmstar und zum Gefährt amerikanischer Hippies. Auch in anderen Sprachen heißt er Käfer: Beetle, Maggiolini, Coccinelle, Escarabajo

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