Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Tesla-Fabrik
Gericht lehnt Eilanträge gegen Rodung von Wald in Grünheide ab

thi/lie/jar/dpa / 14.02.2020, 12:26 Uhr - Aktualisiert 14.02.2020, 20:03
Frankfurt (Oder) (MOZ) Schwere Maschinen sind auf dem Gelände der geplanten Autofabrik von Tesla angerückt. Schlag auf Schlag krachen am Freitag 20 bis 30 Meter hohe Kiefern auf den Boden. Der US-Elektroautomobilbauer Tesla hat mit der Erschließung seines künftigen Werksgeländes in Grünheide bei Berlin begonnen. Ein gut 90 Hektar großes Waldstück wird dafür gerodet, damit das Werk später dort gebaut werden kann. Die Genehmigung für den Bau steht aber noch aus. Bäume wurden nun dennoch gefällt.

Amt erteilt vorzeitige Erlaubnis

Grund dafür ist eine vorzeitige Erlaubnis des Landesamtes für Umwelt - zum einen für die Rodung der gut 90 Hektar, zum anderen für bauvorbereitende Maßnahmen wie das Anlegen von Baustraßen. Das Brandenburger Agrar- und Umweltministerium hatte allerdings deutlich gemacht, dass Tesla „auf eigenes Risiko“ mit den Arbeiten starten dürfe. Sollte die Genehmigung für das Vorhaben doch nicht erteilt werden können, müsste der Investor nach Ministeriumsangaben angemessen aufforsten.

„Es geht los!“, hatte Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach am Donnerstagabend zum Start der Rodungen getwittert. „Ein historisches Foto“ schrieb er zu der Aufnahme, die schwere Maschinen auf dem Waldstück zeigt.

Kosten für Rodung trägt Tesla

Gucken war am Freitag nur aus sicherer Entfernung an der Landstraße an der Autobahnabfahrt Freienbrink erlaubt. Zwei Schlagbäume hielten Unbefugte fern. Sie öffneten nur für Fahrzeuge der Mitarbeiter der Firmen, die im Auftrag von Tesla das Gelände baumfrei machen sollten. Die Kosten für die Rodung trage der Autobauer, sagte der stellvertretende Brandenburger Regierungssprecher, Simon Zunk.

Die Rodung soll voraussichtlich bis Ende Februar dauern. Man gehe von einem Zeitraum von etwa zwei Wochen aus, sagte Zunk. An einem breiten Schotterweg waren am Freitag 29 riesige sogenannte Harvester - Walderntemaschinen - im Einsatz. Sie umgriffen die Stämme, sägten sie kurz über den Boden durch, schabten Äste ab und teilten die Stämme dann in knapp zwei Meter lange Stücke. Spezialfahrzeuge griffen die Stücke auf und stapelten sie für den Abtransport von dem insgesamt rund 300 Hektar großen Grundstück. Die Vermarktung und der Verkauf des Holzes sei Sache des Unternehmens, so Zunk.

Laut Agrarministerium gelten zahlreiche Auflagen zum Schutz der Umwelt und der Bevölkerung für die Zeit während der Arbeiten. Zunks Angaben nach wird während der Rodung in zwei Schichten gearbeitet - nachts aber nicht wegen des Lärmschutzes, auch sonntags bleiben die Maschinen stehen.

Zur Kritik von Umweltschützern an dem Projekt betonte eine Tesla-Sprecherin am Freitag, der Umweltschutz habe für Tesla oberste Priorität. Es werde nichts unternommen, das in irgendeiner Form der Umwelt schade. Tesla werde das Abholzen der Bäume anderswo ausgleichen - und zwar dreifach, sagte sie.

Umweltschützer wollen Rodung stoppen

Das Unternehmen hatte schon vor einigen Tagen Maßnahmen für den Umweltschutz in dem Waldstück und der Gegend vorgestellt. Demnach ließ das Unternehmen nach eigenen Angaben unter anderem alle Bäume in dem Bereich nach überwinternden Fledermäusen absuchen. Sie seien dabei lediglich auf zwei Bäumen gefunden worden: eine Höhle mit einer Zwerg- oder Mückenfledermaus sowie eine Höhle mit mindestens drei Abendseglern. Die beiden Bäume sollen nun vorerst nicht abgeholzt werden, betonte eine Sprecherin von Tesla am Freitag erneut. Um zwei gefundene Ameisenhügel herum sollen auch keine Bäume gefällt werden. Zauneidechsen sollen im Frühjahr eingefangen und umgesiedelt werden.

Umweltschützer wollten die vorzeitige Rodung dennoch stoppen. Am Morgen sind entsprechende Anträge von der Grünen Liga Brandenburg sowie vom Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB) eingegangen, sagte ein Sprecher des Verwaltungsgerichts Frankfurt (Oder). Der VLAB sprach in einer Mitteilung von einer „überfallartig begonnenen Rodung eines für den Klima- und Artenschutz wichtigen Waldgebiets“.

Eilanträge der Umweltverbände abgelehnt

Diese Eilanträge gegen die Baumfällarbeiten für das Tesla-Werk Grünheide bei Berlin wurden am Freitagabend vom Verwaltungsgericht Frankfurt (Oder) abgelehnt. Zur Begründung des Beschlusses führt das Verwaltungsgericht Frankfurt (Oder) aus, dass die gemäß § 8a Bundesimmissionsschutzgesetz erteilte Genehmigung des "vor-zeitigen Beginns" rechtmäßig sei. Die Abwägung der naturschutzrechtlichen Belange durch das Landesumweltamt in seinem Bescheid sei nicht zu beanstanden. Die Baumfällarbeiten können demnach fortgeführt werden.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Brandenburg hingegen sieht keinen Grund, die vorzeitigen Rodungen auf dem Tesla-Gelände zu stoppen, wie Landesgeschäftsführer Axel Kruschat sagte. Unterlagen zur Zulassung für die Rodung würden aber noch geprüft.

NABU will Rodungszeitpunkt prüfen

Auch der NABU Brandenburg wird die Genehmigung für den vorzeitigen Maßnahmebeginn prüfen. Landesvorsitzender Friedhelm Schmitz-Jersch erklärte, dass sein Verband das Wasserproblem, das die meiste Skepsis hervorgerufen hatte, als gelöst ansieht. Nach jetzigem Stand der Ding bestehe durch die Ansiedlung keine Gefahr für die wassergebundenen Habitate in der Region.

Der NABU und die anderen brandenburgischen Umweltverbände, so Schmitz-Jersch, seien durchaus in der Lage, das Vorhaben kritisch zu begleiten, man brauche an dieser Stelle keine Einmischung aus Bayern, sagte er mit Blick auf auf den bayrischen Eilantrag.

Mehr lesen: Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald akzeptiert hingegen die Abholzung und Aufforstung für die Tesla-Fabrik.

Ab Juli 2021 will Tesla jährlich bis zu 500 000 Elektro-Autos in Grünheide produzieren. Die Pläne des Elektro-Autobauers für die erste europäische Fabrik hatten nach erster Begeisterung in Deutschland für Bedenken bei Umweltschützern gesorgt. Denn das Grundstück im Landkreis Oder-Spree war zwar vor rund zwei Jahrzehnten schon für den Bau eines BMW-Werks vorgesehen. Seitdem breiteten sich aber Pflanzen und Tiere ungehindert in dem Lebensraum aus - und Umweltschützer forderten eine behutsame Prüfung der Lage statt einer schnellen Abholzung.

Das umweltrechtliche Genehmigungsverfahren läuft noch. Bis zum 5. März können Bürger etwa Bedenken einreichen, die später öffentlich erörtert werden sollen. Am Freitag wurde laut Ordnungsamt der 13. Blindgänger auf dem Gelände gesprengt.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Ralf H. Janetschek 15.02.2020 - 08:09:51

Klimaschutz ist Umweltzerstörung

Hier zeigt sich deutlich, daß Klimaschutz das genaue Gegenteil von Umweltschutz ist, nämlich Umweltzerstörung. Wald reflektiert über 90% aller einfallenden Strahlung und wirkt damit kühlend auf den Boden. Dazu kommt seine Wirkung als CO2-Senke durch die Photosynthese. Jetzt haben wir dort, wo vorher Wald war eine Fußbodenheizung, aber keine Photosynthese mehr. Und damit mehr CO2 statt weniger. Alles, was irgendwie falsch gemacht werden kann, wird falsch gemacht.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG